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Eisbärin nach Fußballclub Hertha benannt

02.04.2019 - Ohne Namen keine Tier-Stars: Wenn Zoobewohner mit großem Rummel getauft werden, steht dahinter immer auch ein Werbegedanke. Die Entscheidung, die der Berliner Tierpark für sein Eisbärenmädchen getroffen hat, polarisiert aber nicht nur deshalb.

  • Eisbärchen im Tierpark bekommt einen Namen. Foto: Jens Kalaene © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eisbärchen im Tierpark bekommt einen Namen. Foto: Jens Kalaene © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa) - Der Name für die kleine Eisbärin ist gerade verkündet, Leckerli und ein blau-weißer Ball mit Aufschrift «Hertha» liegen bereit. Doch als das rund vier Monate alte Eisbärchen auf die Außenanlage tapst, interessiert es sich erst einmal nicht dafür. Planschen geht vor, erst später kickt sie drauf los. Der Kleinen ist es sichtlich egal, dass der Tierpark, in dem sie lebt, sie nun mit dem gleichnamigen Sportverein auf den Namen Hertha getauft hat.

In der Hauptstadt sorgt die Entscheidung unterdessen schnell für Diskussionen - mit Hertha und Tierpark komme etwas zusammen, das nicht zusammenpasst, so der Tenor bei manchen. Das hat noch mit der Geschichte als geteilte Stadt zu tun. Hertha BSC, die «Alte Dame», ist im Westen der Metropole verwurzelt. Der Tierpark hingegen ist das etwas abseits im Osten gelegene Pendant zum bekannten Berliner Zoo, der einst mit Eisbär Knut die Massen lockte. Im Osten sympathisieren viele eher mit dem Zweitligisten 1. FC Union Berlin.

In den sozialen Medien spiegelt sich die Debatte wider: Neben Ost und West geht es oft um die Frage, wie viel Kommerz ein Eisbär verträgt (vor dem Auftritt der kleinen Hertha sprangen erst einmal lebensgroße Maskottchen von Hertha und Tierpark durchs Gehege). Ein Kommentator bei Facebook fragt ironisch, warum nicht gleich ein Vereinslogo auf dem Fell platziert worden sei: «Auf so einem Eisbären ist viel freie Werbefläche». Andere witzelten, der Name sei ein schlechtes Omen, wenn man an so manche Leistung der Fußballer denke.

An der Eisbärenanlage sind bei Familien und Senioren hingegen keine kritischen Töne zum Namen zu hören. Schließlich ist er kurz, knackig und aussprechbar im Vergleich zu anderen Namen aus Herkunftsregionen von Zootieren. Panda Jiao Qing aus dem Zoo zum Beispiel lässt grüßen.

Der Name Hertha sei eng mit der Stadt Berlin verbunden, begründete Tierpark-Direktor Andreas Knieriem die Wahl des Vereins zum Eisbärenpaten mit Mitspracherecht bei der Benennung des Jungtiers. Der Verein mit Millionen Fans könne großes Publikum anziehen. Das ist besonders wichtig für den Tierpark: Im Vorjahr hatte er weniger als halb so viele Besucher wie der Zoo, obwohl er über die weitläufigere Anlage mit altem Baumbestand und Schloss verfügt.

Zur Taufe verkündeten Verein und Tierpark, Ziel der auf zwei Jahre angelegten Patenschaft - danach kommt Hertha im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms womöglich in einen anderen Zoo - sei es, einen Teil der Versorgungskosten zu finanzieren. Dazu gehören laut Tierpark jegliche Kostenpunkte der Tier-Haltung – vom Futter, über die Anschaffung von Beschäftigungsmaterial bis hin zum Arbeitsaufwand der Tierpfleger.

Außerdem solle die breite Öffentlichkeit auf die gefährdete Lage von Eisbären in der Natur aufmerksam gemacht werden. Um welche Summe es geht, ist geheim, aber eine Zoo-Sprecherin betonte, die Patenschaft sei nicht meistbietend vergeben worden.

Hertha BSC hatte sich mit einem Video als Pate für das am 1. Dezember geborene Jungtier beworben. In sozialen Medien veröffentlichte der Club einen Clip, der an den Beginn des Films «König der Löwen» erinnert: Hertha-Maskottchen Herthinho, ein Braunbär, streckt dabei im Olympiastadion einen Mini-Eisbären aus Plüsch gen Himmel. Namensgeber des Vereins war im Jahr 1892 übrigens ein Wannsee-Dampfer, wie Hertha BSC auf seiner Webseite schildert.

Und die kleine Eisbärin Hertha? Für sie ist der neue Ball kurz interessant, eine ganze Zeit lang treibt er danach unbeachtet im hintersten Winkel des Wassergrabens. Fotos mit Hertha am Ball gehen da schon um die Welt.

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