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"Wendezeit" mit Petra Schmidt-Schaller als Doppelagentin

30.09.2019 - Im TV-Thriller "Wendezeit" (Mittwoch, 2. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste) spielt Petra Schmidt-Schaller eine DDR-Spionin, die um ihre Existenz kämpft.

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		Doppelagentin Saskia Starke (Petra Schmidt-Schaller) beim Verhör mit dem Lügendetektor. © rbb/ARD/Volker

    Doppelagentin Saskia Starke (Petra Schmidt-Schaller) beim Verhör mit dem Lügendetektor. © rbb/ARD/Volker Roloff

Die Wendezeit, die ihrem neuen TV-Film den Titel gab, hat Petra Schmidt-Schaller selbst ganz nah erlebt: als Kind im Osten Berlins. Als ein mutiger Pfarrer im Oktober 1989 die Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg für Oppositionelle öffnete, wohnte sie gleich ums Eck. "Trotzdem habe ich davon nicht viel mitbekommen", erklärt die 39-Jährige im Interview mit GOLDENE KAMERA. "Meine Eltern hielten mich da raus, ich war erst neun, und die Angst, entdeckt zu werden, stand im Raum. Ich erinnere mich aber an einen Streit meiner sächsischen Großeltern mit meinen Eltern, weil wir Westfernsehen schauten."

 

Heute, 30 Jahre nach der Wende, gehört Schmidt-Schaller zur ersten Liga der deutschen Darstellerinnen, erhielt sogar die  GOLDENE KAMERA 2018. In dem sehenswerten intensiven Spionagedrama "Wendezeit" (Mittwoch, 2. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste) beeindruckt sie nun als innerlich zerrissene DDR-Agentin Tatjana Leschke: Schon in jungen Jahren wird sie zur Spionin ausgebildet, unter dem Decknamen Saskia in den Westen geschickt und auf einen Deutsch-Amerikaner angesetzt – den sie heiratet.

Darum geht's in "Wendezeit"

Für Schmidt- Schaller sind neben den politischen auch die privaten Aspekte interessant: "Es geht nicht um die Entscheidung zwischen zwei Systemen, sondern um ganz andere Werte. Die Einsamkeit im Exil ist für Saskia so extrem, dass sie beschließt, eine Familie zu gründen. So beginnt eine Zerreißprobe." Saskia bekommt Kinder – und ein Angebot der CIA, das sie annimmt. Ein gefährliches Doppelspiel. Schmidt- Schaller: "Sie lebt in einem Käfig mit glühenden Drähten und wenig Spielraum. Sobald sie rauskommt, verbrennt sie sich."

 

Kurz vor dem Mauerfall droht die Doppelagentin enttarnt zu werden. Also versucht sie mit allen Mitteln, die Stasi-Karteikarte mit ihrem Geburtsnamen zu vernichten.

Hintergrund

Mit dieser Wendung greift der Film das historische Rätsel um die Rosenholz-Karteien auf, die rund 300.000 Deutsche in West und Ost umfassen, auch die Identitäten von 6000 DDR- Agenten, die von 1951 bis 1988 aktiv waren. Das Material gelangte nach der Wende in die Hände der CIA.

 

2003 erhielten die Deutschen Einsicht, etliche Spione wurden angeklagt und verurteilt. Auffallend ist, dass die Nachnamen von "La" bis "Li" fehlen. "Vielleicht im Grillfeuer an einer Datsche geschmolzen", spekuliert Prof. Helmut Müller-Enbergs, Politologe und Leiter der Forschungsgruppe Rosenholz. "Ich glaube, die Karten wurden absichtlich vernichtet", meint auch Schmidt-Schaller. "Jemand wollte seine Identität retten. Da kommt 'Wendezeit' nah ran."

Auch der Experte sieht den Thriller dicht an der Wahrheit: "Der Film zeigt sehr authentisch, dass die Führungsoffiziere der Stasi psychologisch versierte Marionettenspieler waren, die Agenten gezielt auswählten und die Behandlung ganz individuell maßschneiderten. Für die zweifelnde Saskia inszenieren sie einen stimmungsvollen Abend am See, denn als Ruderin liebt sie das Wasser."

 

Wie hat Schmidt-Schaller den Mauerfall erlebt? "Erst mal habe ich mich gewundert: An dem Abend wusste ich nicht, wo meine Eltern waren. Am Tag darauf waren wir nur zwei Kinder in der Klasse. Danach donnerte die Reizüberflutung auf mich ein. Für mich war die Wiedervereinigung eine Wende vom Wir zum Ich. Ehen zerbrachen, Jobs wurden gekündigt. Es ging zu schnell. Als Kind habe ich die Diktatur ja nicht gespürt, sondern die Gemeinschaft. Nun kann ich aus beiden Welten speisen. Dieses Gleichgewicht ist genial."

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