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Carolin Kebekus: "Ich habe einen sehr vulgären Humor"

03.05.2018 - Neue Staffel, neues Studio, neue Ideen: Carolin Kebekus über die Fortsetzung von "PussyTerror TV", Donald Trump, die #MeToo-Debatte und Hass im Internet.

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		Carolin Kebekus widmet sich in ihrer Show schonungslos und trotzdem charmant den aktuellsten Ereignissen. © WDR/Axl

    Carolin Kebekus widmet sich in ihrer Show schonungslos und trotzdem charmant den aktuellsten Ereignissen. © WDR/Axl Klein

Fans von "PussyTerror TV" haben es künftig leichter: Neue Folgen mit der preisgekrönten Komikerin Carolin Kebekus (37) werden nicht mehr wie mit der Gießkanne übers Jahr verteilt, sondern kompakt als sechsteilige Staffel gezeigt (ab 17. Mai, 22.45 Uhr, Das Erste). Was sich sonst noch getan hat bei dem Comedy-Erfolgsformat, erfuhr GOLDENE KAMERA exklusiv im Interview mit Carolin Kebekus.

 

Interview mit Carolin Kebekus

Was wird alles neu bei "PussyTerror TV", Frau Kebekus?

Neu ist, dass wir wöchentlich ausgestrahlt werden und die Sendung in einem Fernsehstudio aufzeichnen, statt wie bisher in einer Eventlocation. Außerdem haben wir bessere Produktionsbedingungen, weil meine Tour vorbei ist. Ich habe gerade eben mein neues Büro bezogen. Sie sind der erste Anruf von meinem eigenen Festnetz!

Gibt's zusätzlich zu Frauke Petry und Melania Trump Pläne für neue Kunstfiguren?

Bislang habe ich bloß zwei grobe Ideen für neue Figuren. Aber es ist noch zu früh, darüber zu reden – denn ich weiß noch nicht, was daraus wird, und ob die Maske gut aussieht …

 

Was muss ein Thema haben, damit Sie es aufgreifen? Ist das eine Teamentscheidung oder eine Einzelentscheidung?

Manche Themen springen mich natürlich an. Dann sage ich sofort: Dazu müssen wir was machen. Das meiste entsteht aber in der heißen Phase, kurz vor der Produktion.

 

Wie würden Sie Ihren Humor beschreiben? Schwarz, dreckig, intelligent, vulgär? Oder ist es am Ende Galgenhumor?

Wahrscheinlich von allem etwas! Ich lasse mich gern unterhalten, lache gern – und ich bin übrigens selbst ziemlich leicht zu erheitern. Aber es gibt eine Sache, auf die ich überhaupt nicht stehe: wenn man einen geschriebenen Witz schon vorher um die Ecke kriechen spürt. Ansonsten habe ich einen sehr vulgären Humor, der aber nicht schwarz ist. Und ich hasse Wortspiele! Bei Sprüchen wie "Herzlichen Glühstrumpf" und Ähnlichem könnte ich an die Decke gehen.

 

Sie haben mal gesagt, dass Sie (fast) über alles lachen können, was sich in der Hose abspielt und dass Sie sich das gerne auch mit 60 oder 70 bewahren möchten …

Ja. Meine Vorliebe für vulgären Humor geht soweit, dass ich anfange zu lachen, wenn jemand sagt: "So, wir müssen das jetzt entscheiden". Denn in meiner Realität denke ich dabei an das im letzten Wort enthaltene Geschlechtsorgan. Ich kann da nichts für, so was zieht mich einfach magisch an.

 

Stichwort Humor und Philosophie: Lassen sich alle Probleme mit Humor und Witz lösen – oder ist das zu eindimensional? 

Alle Probleme wahrscheinlich nicht, aber Humor vereinfacht viele Dinge! Selbst wenn eine Situation fürchterlich ist und man denkt: "Oh mein Gott – das ist alles schrecklich" kann man einen schönen Witz darüber machen, und anschließend denken: "Ach, ist doch alles nicht so schlimm!"

 

Werden Sie morgens eigentlich schon mit einem Grinsen wach? Oder sind Sie ein Morgenmuffel?

Ich bin kein Morgenmensch, und auch niemand, der fröhlich um sieben Uhr aus dem Bett hüpft. Ich brauche einen Wecker, um pünktlich um neun im Büro zu erscheinen. Aber das heißt nicht, dass ich morgens schlechtgelaunt wach werde …

 

2017 waren Sie eine Delegierte von Bündnis 90/die Grünen – bei der Bundesversammlung für die Bundespräsidentenwahl. Wie sehr interessieren Sie sich für Politik?

Politik und Nachrichten interessieren mich immer mehr. Es war total aufregend, als ich im Bundestag sein durfte und diese ganzen Menschen kennengelernt habe, die man normalerweise nur aus dem Fernsehen kennt. Früher hatte ich oft eine komische Beziehung zu Politikern, weil ich das Gefühl hatte, dass sie zwar ständig meckern, aber nichts verändern wollen. Aber den ganzen Politikbetrieb mal live vor Ort zu sehen, hat mich sehr beeindruckt. Denn es gibt dort eine unglaubliche Dynamik. Politiker kann man nicht sein, wenn man keine große Leidenschaft dafür hat und kein großes Bewusstsein, um Dinge zu verändern.

 

Ihr Berufskollege Alec Baldwin parodiert Donald Trump. Wie gut gefällt Ihnen, wie er "Big Daddy" verkörpert?

Sehr gut. Aber Max Giermann macht das ebenfalls hervorragend. Von dem kann sich Alec Baldwin sogar nochmal eine Scheibe abschneiden.

 

Stichwort Trump aka Mister "Grab them by the Pussy". Ist der US-Präsident ein Segen für Komiker? Eine lebende Steilvorlage? 

Ja, denn es passiert dauernd irgendetwas. Egal, welche Pressemeldung aus dem Weißen Haus kommt, da wird immer total krudes Zeug gemeldet. Übrigens gibt's mittlerweile auf der ganzen Welt sehr gute Trump-Parodisten – von den Philippinnen über Europa bis hin zu Australien. Aber im Grunde ist es natürlich traurig, dass ein solcher Mensch im Weißen Haus sitzen darf. 

 

Die Pornodarstellerin Stormy Daniels versohlte Trump angeblich den Po mit einem "Time"-Magazin, auf dem er selbst auf dem Cover zu sehen war. Bekommen Sie, wenn Sie so etwas hören, automatisch Lust, solche Szenen dramaturgisch zu benutzen für Ihr Programm? Dies vielleicht nachzuspielen, und es zu verändern und zu karikieren?

Ja, natürlich! Bei einer solchen Vorlage hoffe ich, dass das Thema noch ein bisschen bis zum 17. Mai aktuell ist. Denn ich spiele ja auch Melania Trump - da kann man natürlich schön etwas darüber  machen – wenn es bis dahin nicht schon wieder kalter Kaffee ist.

 

Sind AfD-Politikerinnen eigentlich ebenfalls eine gute Steilvorlage – etwa Beatrix von Storch, die nach dem Verbreiten von Hassparolen behauptete, dass Sie auf der Tastatur "ausgerutscht" wäre? Und haben Sie die Frauke-Petry-Perücke noch griffbereit?

Klar, AfD-Politikerinnen sind durchaus im Rahmen des Möglichen. Und die Petry-Perücke? Die liegt hier um die Ecke. Die Politik und das Leben sind nie versiegende Quellen.

 

Klingt, als hätten Sie keine Angst, dass Ihnen mal die Ideen ausgehen?

Seit ich diesen Job mache, hatte ich diese Angst bereits oft – aber sie wurde nie wahr. Heute sehe ich das Ganze so: Angst ist ein natürlicher Antrieb, der mich dazu bringt, noch ein bisschen mehr zu überlegen, zu recherchieren und kreativ zu sein.

 

Stichwort #MeToo: Werden die Rollenbilder von Mann und Frau durch diese Debatte schwieriger oder leichter?

Es wird Bewusstseinsveränderungen geben, aber ich habe nicht das Gefühl, dass die #MeToo-Debatte das Leben schwerer macht. Ich kenne auch keine Männer, die jetzt überlegen, was noch als Kompliment durchgeht oder die jetzt nicht mehr wissen, was man noch darf und was nicht. Und falls es doch Männer schwieriger finden, Frauen anzusprechen, dann sollten sie einfach mal ihre Ansprechmethoden überdenken, und sie gegebenenfalls erneuern. Einer Frau ein Kompliment zu machen ist nicht verboten – falls sie es mag. Und falls sie es nicht mag, kann sie immer noch geradeaus sagen: "Ey, das wird nichts mit uns." 

 

Sie haben einige differenzierte Interviews zum Thema #MeToo gegeben, und erzählt, dass Ihnen anschließend manchmal Hass entgegen schlug. Haben Sie das Gefühl, dass der Hass im Internet größer ist als in der Realität – und dass sich die Hater gern hinter ihrer Anonymität verstecken?

Ja, natürlich. Was ich an Hass im Netz abbekomme, hat mir in meinem ganzen Leben noch nie irgendjemand so direkt ins Gesicht gesagt. Das ist schon krass.

 

Wie stellen Sie sich solche Hater vor? Als einsame Menschen? Oder als Freaks ohne soziale Intelligenz? Oder ganz anders?

Teilweise sind es Menschen mit rechtem Gedankengut, die eine große Schnittmenge mit Antifeministen haben. Für mich sind es nicht automatisch Freaks, aber sie haben ein rückschrittliches Weltbild und scheinbar auch zu wenig Beschäftigung. Klar kann man sich über Sachen aufregen! Man soll auch eine Meinung haben! Aber muss man dann ins Internet gehen und Hass-Kommentare verbreiten? Das ist ein bisschen erbärmlich. Wahrscheinlich sind die alle, das würde ich jetzt durch die Bank weg sagen, sexuell relativ inaktiv (lacht). 

 

Ist das eine intuitive Wahrnehmung?

Ja. Meine langjährige Erfahrung als Menschenkennerin sagt mir das.

 

Lesen Sie überhaupt noch Kommentare im Netz?

Ich überfliege sie manchmal. Wenn ich etwas poste, dann gucke ich grob wie die Stimmung ist. Aber alles lese ich mir nicht durch. 

 

Sie sind bekanntermaßen aus der Kirche ausgetreten. Aber wie finden Sie es, dass die Kirche immer noch die sieben Todsünden anprangert – etwa Wolllust, Faulheit und Völlerei?

Überholt. Das klingt immer so, als würde es ein tatsächliches Fegefeuer geben. Aber von mir aus kann die Kirche ruhig ihre Sünden beibehalten. Ich habe mit dem Verein nichts zu tun. In meinem Bild vom Jenseits gibt's auch kein Fegefeuer! Ich glaube, dass jeder Mensch eine Energie hinterlässt – eine Energie, die irgendwie da ist und die nicht einfach weggeht. Aber mit dem Bild, dass wir alle auf Wolken sitzen und Harfe spielen und unseren Verwandten wiedertreffen, die alle bereits tot sind, damit kann ich nichts anfangen. 

 

Aber glauben Sie an Karma?

Ja, daran glaube ich sehr. Schlechte Energie kommt zurück. Und Scheiße schwimmt immer oben.

 

Angeblich essen Sie gern Mettbröttchen. Und was halten Sie von der veganen Welle?

Ich glaube, dass die Menschen über kurz oder lang ihren Fleischkonsum einschränken müssen, weil unsere Erde sonst nicht mehr lange Bestand hat. Ich habe meinen Fleischkonsum auch total eingeschränkt, aber ich bin noch nicht bereit komplett Veganer zu werden. Dafür müssen die veganen Sachen auch noch besser werden. 

 

Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten jeweils ein "Gefällt mir" oder einen "Kotz-Smiley" für die folgenden Facebook-Seiten verteilen. Was würden Sie einer Seite mit Furzwitzen geben?

Die würde ich liken.

 

Melania Trump?

Gefällt mir nur mit einer Einschränkung: wenn sie Furzwitze reißt! Und mir gefällt natürlich nur "meine" Melania.

 

Die Internetpräsenz der katholischen Kirche?

Da habe ich keinen Grund, einen Daumen hoch zu geben. 

 

Alice Weidel?

Auf keinen Fall. Daumen runter!

 

Heidi Klum?

Daumen runter.

 

Der "Tatort"?

Daumen hoch! Ich würde ja gern mal im "Tatort" mitspielen, egal ob tot oder lebendig. Und beinahe wäre es auch so weit gewesen, dass ich mit den Kölnern zusammen gekommen wäre – aber dann klappte es leider nicht mit meinen Terminen. Aber ich bleibe ich dran!

 

Und die Facebook-Seite von "Pussyterror TV"?

Ebenfalls Daumen hoch! Da reiße ich auch Furzwitze. Versprochen! 

 

Sie haben bereits viele Preise bekommen als beste Komikerin. Wo stehen die alle?

Auf meiner Toilette!

Interview: Mike Powelz

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