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Die schleichende Gefahr in "Giftige Saat"

11.06.2019 - "Giftige Saat" (13. Juni, 21.45 Uhr, Arte): Eine Aufrüttelnde Serie über krebserregende Pestizide und korrupte Politik von Oscar-Preisträger de Lestrade.

Die Rahmenhandlung der sechsteiligen TV-Serie "Giftige Saat" (hier in der Arte-Mediathek) klingt wie ein packender Thriller – und hat doch eine sehr reale Vorlage. Regisseur Jean-Xavier de Lestrade, 2002 für seine Dokumentation "Ein Mörder nach Maß" mit dem Oscar ausgezeichnet, hat seinen neuen Film angelehnt an den aktuellen Skandal um das Herbizid Glyphosat der Bayer-Tochter Monsanto.

 

Darum geht's in "Giftige Saat"

Das Gift ist geruchlos – aber gefährlich. Vielleicht sogar lebensgefährlich? Nachdem der arglose Landwirt Michel Villeneuve (Christophe Kourotchkine) den Tankwagen seines Traktors zum wiederholten Mal mit dem Unkrautvernichter "Limitrol" gefüllt hat, bricht er plötzlich reglos zusammen. Diagnose: Leukämie. Doch obwohl Villeneuve die Ärzte mit dem Verdacht konfrontiert, sein Krebs könne durch das Pflanzengift ausgelöst worden sein, hüllen sich die Mediziner in Schweigen.

Zur gleichen Zeit feilt PR-Profi Didier Forrest (Marc Citti), Marketingchef des Argrarchemiegiganten Saskia, an der perfekten Kampagne für eine "neue Generation von Pflanzenschutzmitteln", seiner Meinung nach "gleichermaßen gut für Mensch und Umwelt". Forrests Team diskutiert noch, ob es für die Werbung einen glaubwürdigen Schauspieler oder einen echten Forscher engagieren soll.

 

Parallel ruft Villeneuves Krankheit einen Parlamentsabgeordneten auf den Plan. Alarmiert durch das Schicksal seines leukämiekranken Freundes beginnt der Politiker Guillaume Delpierre (Laurent Stocker) dafür zu kämpfen, "Limitrol" zu verbieten. Leider hat er seine Rechnung ohne den Lobbyisten Mathieu Bowman (Jean-François Sivadier) und die korrupte Journalistin Claire Lansel (Alix Poisson) gemacht. Ehe Delpierre sich versieht, ist er umgeben von Feinden. Und PR-Profi Forrest wird tot aus der Seine geborgen.

Hintergrund: Der Skandal um Glyphosat

"Giftige Saat" erinnert an den Streit um Glyphosat, ein Herbizid aus dem Unkrautvernichter Roundup des US- Konzerns Monsanto, seit Juni 2018 Tochter der Bayer AG. Im Mai 2019 urteilte ein Gericht in Kalifornien: Bayer muss einem an Lymphdrüsenkrebs leidenden US-Paar über zwei Milliarden Dollar Schadenersatz zahlen. Das Paar macht Glyphosat für sein Leiden verantwortlich – so wie 13.400 weitere US-Kläger. Auch die Internationale Agentur für Krebsforschung hält das Herbizid für "wahrscheinlich krebserregend".

Regisseur Jean-Xavier de Lestrade berichtet dazu: "Bereits 2011 schickte mir mein Vater einen Artikel über den Landwirt Paul François, der Monsanto verklagte, nachdem er Vergiftungserscheinungen hatte. Die meisten wissenschaftlichen Studien belegen: Unkrautvernichter erregen Krebs. Dennoch hat man den Eindruck, dass diese Erkenntnis nicht zu Politikern durchdringt. Deshalb will ich beleuchten, welchen Handlungsspielraum Parlamentsabgeordnete wirklich haben, wenn sie sich dieses Themas annehmen."

Um den "ewigen Kampf zwischen öffentlichem und privatem Interesse" zu zeigen, entführt der Regisseur uns in die Welt von Lobbyisten, Politikern und Naturschützern und beleuchtet deren Kampf um die Deutungshoheit über Pestizide. Dabei, so de Lestrade, gehe es im doppelten Sinn um "chemische Prozesse": jene in der Landwirtschaft und jene vor Gericht.

 

"Als Dokumentarfilmer bin ich der Wahrheitssuche verbunden. Gemeinsam mit meinem Ko-Autor Antoine Lacomblez habe ich im Drehbuch versucht, möglichst nahe an der Realität der parlamentarischen Arbeit und der Landwirtschaft zu bleiben. Und was die Welt der Lobbyisten betrifft: Die regt viele Fantasien an. Jeder hat eine Meinung darüber, aber kaum jemand weiß, wie sie tatsächlich funktioniert."

Die Macht der Lobbyisten

Wie hat es der Regisseur geschafft, Lobbyisten zum Reden zu bringen? De Lestrade: "Einige Personen waren einverstanden, mit uns zu sprechen – unter der Bedingung, nur der Vergangenheit angehörige Fälle zu erwähnen. Aber die eigentliche Herausforderung bestand darin, unser vielschichtiges Thema mit Figuren zu besetzen, die sich authentisch anfühlen." Außerdem, so der Regisseur, wolle er mit seiner TV-Serie langfristige Denkanstöße vermitteln: "Die meisten Serien folgen bloß der Fast-Food-Logik: Sie vermitteln Wohlgeschmack und Effizienz beim Konsum, aber zwei Wochen danach ist nichts davon hängengeblieben." Seine "Saat" aber solle richtig aufgehen, also die Zuschauer nachhaltig aufklären.

 

 

Warum lohnt sich "Giftige Saat"?

"Giftige Saat" ist ein aufrüttelnder Justizthriller über Krebsfälle durch ein lukratives Herbizid. Im Zentrum der sechsteiligen Serie steht das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel "Limitrol". Es wird als Krebsauslöser verdächtigt. Das Spannende ist hier nicht nur die Parallele zum aktuellen Streit um Glyphosat, sondern auch wie die politischen Ränkespiele und mächtige Lobbyarbeit dargestellt werden. Der Kampf um das Herbizid wird aus drei Perspektiven beleuchtet: der des Landwirts Villeneuve, des Politikers Delpierre und der mit Lobbyisten verbandelten Journalistin Claire Lansel.

 

 

 

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