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Edin Hasanovic: "Da kam das Balkan-Blut in mir hoch"

20.09.2019 - Geld, Liebe, Macht und vor allem Musik sind die Themen der neuen Netflix-Serie "Skylines". Wir sprachen mit Edin Hasanovic über seine "zarteste Rolle" und warum Frankfurt das bessere Berlin sei.

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		Szene aus "Skylines" mit Edin Hasanovic. ©

    Szene aus "Skylines" mit Edin Hasanovic. © Netflix

Neben dem GOLDENE KAMERA-Nachwuchspreisträger Edin Hasanovic spielt in der sechsteiligen Netflix-Serie "Skylines" (ab Freitag, dem  27. September im Streamingangebot) vor allem die Stadt Frankfurt eine Hauptrolle. Zum Produzententeam der sechsteiligen Netflix-Antwort auf "4 Blocks" gehört "Toni Erdmann"-Regisseurin Maren Ade.

Darum geht's in "Skylines"

Der aufstrebende HipHop-Produzent Jinn , der beim renommierten Frankfurter Label Skyline Records des einstigen Rap-Stars Kalifa (Murathan Muslu) unter Vertrag genommen wird. Als jedoch Kalifas krimineller Bruder Ardan (Erdal Yildiz) seinen Anteil an der Firma einfordert und damit die taffe LKA-Beamtin Sara (Peri Baumeister) auf den Plan ruft, gerät auch Jinns Leben komplett aus den Fugen.

 

Sind Sie selbst Hiphop-Fan?

Nein. Es gibt kein bestimmtes Musik-Genre, das ich höre. Mir gefallen bestimmte Songs und Melodien, aber ich bin kein Hiphopper. Vor allem den deutschen Rap kann ich nicht hören, ohne im Kopf den Kritiker hochkommen zu lassen. Es ärgert mich, dass nur von der eigenen Potenz, macht und Geilheit gerappt wird. Natürlich nicht nur, aber wenn man weiß, was die Zielgruppe ist, würde ich doch gerne mal den Begriff Auto mit Abitur austauschen. Das fehlt ein bisschen Verantwortung. Aber ich habe mich reingefuchst und war auch beim "Rap am Mittwoch" in Berlin, um mich zu akklimatisieren und ein Gefühl dafür zu bekommen.

Aber Sie haben nicht selbst gerappt oder Beats gemacht?

Um Gottes Willen! Ich habe diese Maschine, mit der ich als Jinn arbeite, nach Hause geschickt bekommen und dazu einen Coach an die Seite. Wir haben gemerkt: Die Beats, die ich selber produziere, da war der Takt irgendwie ein anderer. Da kam das Balkan-Blut in mir hoch, ich war immer in diesem Groove…

 

Wie schaffen Sie es, einen Hiphopper authentisch hinzubekommen?

Wie bei anderen Rollen auch. Es war für mich unangenehm, als die ganzen echten Rapper in meinem Rücken standen und rappten und ich so tun musste, als wäre ich einer von ihnen und würde die Maschine beherrschen. Da habe ich mich geschämt. Sie waren aber sehr nett zu mir und haben mich nicht ausgelacht und bestärkt: Das sieht ganz gut aus, was du da machst?

Waren Sie wie Showrunner Dennis Schanz bei einer Plattenfirma?

Ich war mit Dennis bei Nura im Studio und habe ihr über die Schulter geschaut. Das war sehr spannend zu sehen, wie große Sachen nur mit wenig Raum und zwei, drei Leuten im Studio entstehen können. Bei mir sind ja immer 50, 60 Leute am Set. "Rap am Mittwoch" ist da eine super Quelle. Wenn die da spontan reimen können, muss ich den Hut ziehen. Wenn ich etwas nicht kann, dann das.

 

Wie war es mit den Rappern als Schauspielern am Set?

Ich muss ja immer lachen, wenn mir etwas sehr gefällt. Und bei Aziz Memo, Booz und Nimo musste ich das. Ich hatte das Gefühl, ob deren Text im Drehbuch stand oder ob die das improvisiert hatten. Aber die drei haben das Talent, das ganz Drumherum und das Team zu vergessen und einfach das zu machen. Das war unfassbar authentisch. Vor allem Olexesh hat das unfassbar ernst genommen! Klar musste man denen die Setregeln klarmachen: Du, wenn wir proben, wird nicht telefoniert. Die sind so organisch und authentisch, ich hatte das Gefühl, die spielen mich an die Wand.

Wie haben Sie den Drehort Frankfurt wahrgenommen?

Ich lebe ja in Berlin, und Berlin kann, was die Extreme und den Kontrast angeht, nicht mithalten. Frankfurt ist die Stadt des Geldes, der Drogen, des Straßenraps und die einzige deutsche Stadt mit einer Skyline. Oben in den Hochhäusern wird mit Milliarden gehandelt und unten Drogen vertickt. In Frankfurt geht es irgendwie immer ums Geschäft. Zudem ist Berlin filmisch auserzählt.

 

Heute am Drehtag hat sich die Szene mit der Party extrem verzögert…

Das ist eine große Szene mit draußen und drinnen und 70 Komparsen. Da spürt man, was eine Hauptrolle ist, ich bin überall drin. Und dann kam noch der Bürgermeister von Frankfurt, und der redet gerne…

Ist ein Dreh für Netflix anders als für Kino und TV?

Bei Netflix muss man mit dem Druck klarkommen, dass es eben fucking Netflix ist! Das sind 190 Länder, 150 Millionen Abonnenten. Das muss man vergessen am Set, sonst hat man kein schönes Leben. Da bekommt man aus Brasilien oder Argentinien Nachrichten und dir wird das Spektrum und die Größe bewusst. Darüber darf man am Set gar nicht nachdenken…

Ihr nächster Kinofilm "Hallo Again" startet am 16. April 2020.

Ja, der ist schon abgedreht. Das war eine unfassbar besondere, intime Arbeit. So etwas gibt es nur alle fünf, sechs Jahre, mit Kollegen wie Alicia Rittberg. Ich spiele einen Narkoleptiker. Immer wenn es spannend wird, was Gefühle angeht, schläft er ein. Anton bekommt nie die Chance, große Freude, große Liebe oder Angst zu spüren, weil er immer wegpennt. Das ist die zarteste Rolle, die ich jemals spielen durfte.

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