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Krieg der Götter in "American Gods"

17.05.2018 - GOLDENE KAMERA sprach mit Stars und Machern der ebenso fulminanten wie wilden Bestsellerverfilmung "American Gods".

Schwarzhumorig, mit schlauen Denkanstößen und vor allem höchst bizarr erzählt die erste Staffel "American Gods" (18. Mai, RTL Crime, On Demand und im Streaming-Angebot von Amazon Prime) in zehn Folgen von der Götterdämmerung irgendwo in Amerika.

 

Darum geht's in "American Gods"

Der muskulöse Ex-Häftling Shadow Moon (Ricky Whittle) steigt verwundert im "Motel America" in die Badewanne und glaubt, den Verstand zu verlieren. Wie konnte es nur so weit kommen? Alles begann damit, dass sich dieser seltsame alte Kerl in dem eleganten Mantel an seine Fersen heftete, nachdem Shadow zum Begräbnis seiner Frau vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wurde. Der Mann, der sich Mr. Wednesday (Ian McShane) nennt, belästigte ihn mit dem Angebot, für ihn als persönlicher Leibwächter zu arbeiten. Irgendwann willigte Shadow Moon verzweifelt ein. Mit üblen Folgen: Ein kettenrauchender junger Punk hat ihn in seiner Limousine entführt und davon geredet, die Realität umzuprogrammieren, seine Schergen haben ihn übel zugerichtet.

 

 

 Was der völlig erledigte Shadow Moon in der Badewanne noch nicht weiß: Bei Mr. Wednesday handelt es sich um die nordische Gottheit Odin und beim Punk um den durchgedrehten neuen Gott "Technical Boy". Und er selbst wird zunehmend zum Spielball in einem Krieg zwischen Gottheiten aus den alten Mythologien und neuen Göttern, die die Menschen sich schufen: dem Fernsehen, dem Internet, der Globalisierung.

 

Hintergrund

Erdacht wurde "American Gods"  vom britischen Schriftsteller Neil Gaiman in seinem gleichnamigen Bestseller von 2001. Für die bildgewaltige TV- Adaption, die jetzt erstmals im deutschen Fernsehen läuft, konnte der US-Sender Starz ("Spartacus", "Ash vs. Evil Dead") als Showrunner Bryan Fuller gewinnen, der schon die Erfolgsserien "Hannibal" und "Star Trek: Discovery" verwirklichte. "Neil Gaimans Buch war wie ein hübsch verpacktes Geschenk mit Schleife", sagt Fuller. "Religion ist ein faszinierendes Thema, und es ist notwendig für unsere Kultur, dass wir untersuchen, wohin wir unsere Energien, unseren Glauben und unsere Überzeugungen richten."

 

 

Im Team mit dem ähnlich erfolgreichen Autor Michael Green ("Logan: The Wolverine", "Blade Runner 2049") erzählt er hier, wie Mr. Wednesday/Odin und Shadow Moon einen Roadtrip durch die USA starten, um sich mit den alten Göttern zu verbinden, die vor Hunderten Jahren als Immigranten in die Vereinigten Staaten kamen, und gemeinsam mit ihnen die neuen Götter wie Technical Boy oder Media zu bekämpfen. Es ist letztlich auch ein Kampf gegen den Verlust von Werten und Normen. Wednesday/Odin ist überzeugt, dass die Menschheit zur Wiederholung vor allem ihrer Fehler und Untaten verdammt ist, wenn sie die Vergangenheit vergisst." Das Christentum brachte als eine der ersten Religionen die Moral ins Spiel. Davor hatte Moral keine Priorität, weil die Götter nachsichtiger waren und mehr den Menschen ähnelten. Wenn man studiert, wie Menschen erste kollektive Regeln aufstellten, um gesellschaftlich zusammenzuleben, sieht man, wie die Angst vor Bestrafung durch eine höhere Macht viel effektiver ist als jede Drohung, ins Gefängnis gesteckt zu werden“, sagt Bryan Fuller.

 

 

 Dass die Menschen sich neue Götter geschaffen haben, steht für seinen Partner Michael Green außer Frage: "Ich sehe so oft, wie jemand sein Telefon im Flugzeug verliert und dann auf Händen und Knien – in perfekter Gebetshaltung also – nach seiner technischen Herrlichkeit sucht, die ihn sich sicher und geborgen fühlen lässt. Wenn das keine Form der Anbetung ist, dann weiß ich auch nicht."

Persönlich erlebt Green Smartphones und soziale Medien eher als teuflisch: "Durch leicht verdauliche Unterhaltung verschwende ich so viel Zeit und konzentriere ich mich weniger auf das, worauf es im Leben ankommt: Beziehungen", sagt er. "Aber das Gemeine ist, dass mein Teufel meinen Göttern sehr ähnelt, die da Kunst, Film, TV und Theater heißen." Als exzentrische Gottheiten sind in der Serie auf beiden Seiten bekannte Stars zu sehen, etwa Orlando Jones ("Evolution") als Mr. Nancy, der afrikanischen Sklaven auf einem Frachtschiff im Jahr 1697 verrät, was sie in den USA erwartet, oder Gillian Anderson aus "Akte X" als Media, die Shadow Moon von den Fernsehbildschirmen in einem Elektrohandel als "I Love Lucy"-Star Lucille Ball bezirzt.

 

 

 Allen voran brilliert Ian McShane aus "Deadwood" als Mr. Wednesday. "In Ian steckt ein kleiner Mistkerl, und das ist perfekt für seine Rolle, denn Mr. Wednesday ist gleichzeitig charmant und destruktiv", sagt Serienschöpfer Michael Green. Und McShane ergänzt, seine Figur sei ein Schwindler und Gauner, alles andere als die klassische Vorstellung von einem Gott. "Aber genau das gefiel mir an dieser Rolle. Wenn ein Gott mit Gewand und weißem Bart wirklich auf der Erde erschiene und behauptete, ein Gott zu sein, würde er diese Reaktion bekommen: 'Halt den Mund und rasier dich erst mal!", sagt der 75-jährige Brite und lacht. "Jesus würde wahrscheinlich erschossen werden, wenn er jetzt zurückkehrte."

 

 

Die "American Gods" kehren auf jeden Fall zurück: Eine zweite Staffel ist in Planung, Neil Gaimans Buchvorlage bietet Stoff für vier bis fünf Staffeln. Nur Bryan Fuller steht für Fortsetzungen nicht mehr zur Verfügung, er arbeitet schon an einem neuen Werk für die neuen Götter – einer Umsetzung der populären "Chronik der Vampire"-Romane von Anne Rice fürs TV.