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Petra Schmidt-Schaller: "Für mich war die Wiedervereinigung eine Wende vom Wir auf das Ich"

30.09.2019 - GOLDENE KAMERA sprach exklusiv mit Petra Schmidt-Schaller über ihren neuen TV-Thriller "Wendezeit" (Mittwoch, 2. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste).

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		Petra Schmidt-Schaller als Doppelagentin Saskia Starke, die ihre Tochter am Checkpoint Charlie in Berlin erwartet. © rbb/ARD/Volker

    Petra Schmidt-Schaller als Doppelagentin Saskia Starke, die ihre Tochter am Checkpoint Charlie in Berlin erwartet. © rbb/ARD/Volker Roloff

In diesem Agentenkrimi schlüpft GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Petra Schmidt-Schaller in die Rolle der Doppelagentin Saskia Starke. Als Mitarbeiterin der CIA gerät Saskia in einen emotionalen Ausnahmezustand. Denn als sich das Ende der DDR ankündigt, droht ihre von der Stasi sorgsam arrangierte Scheinexistenz aufzufliegen.

Hier sehen Sie die besten Bilder zum Film:

 

 

Interview mit Petra Schmidt-Schaller

Sie spielen in "Wendezeit" die DDR-Agentin Saskia Starke, die in Westberlin beim CIA arbeitet. Können Sie ein solches Doppelleben nachvollziehen?

Erklären könnte ich es wohl, aber leben nicht. Ich glaube, dass wir uns alle nach einem höheren Ziel sehnen. Bei Saskia, meiner Figur, ist es die sozialistische Utopie. Auch ich brauche Ziele, aber ich möchte auch mal die Leinen loslassen. Ich bin jemand, der den Moment genießt, etwa ein intensives Gespräch. Dabei möchte ich mich nicht verbiegen müssen, weil ich innerlich in einem Tunnel mit Blick auf eine mögliche ferne Zukunft lebe. 

Der Film handelt von den Rosenholz-Akten der Stasi, die die Namen von DDR-Agenten im Westen enthalten. Bis heute sind die Nachnamen mit "La" bis "Li" verschollen – was steckt dahinter?

Ich vermute diese Karten wurden absichtlich vernichtet. Jemand wollte sich aus der Affäre ziehen und seine Identität retten - und da kommt unser Film schon sehr nah ran.

 

Saskia hat einen fürsorgenden Ehemann, zwei Kinder – ist das glaubwürdig?

Beim ersten Lesen des Drehbuchs dachte ich, warum sollte sie ein Kind bekommen? Aber dann habe ich mich mit der Top-DDR-Spionin Gabriele Gast beschäftigt, die für die DDR beim BND spionierte. Auch sie hatte ein Kind, einen adoptierten Sohn. Für Saskia, die mit enormer Härte erzogen wurde, ist die Einsamkeit im Exil ist so extrem, dass sie irgendwann beschließt eine Familie zu gründen - damit beginnt für sie eine Zerreißprobe, die ich gut nachvollziehen kann. Es geht dabei nicht um die Entscheidung zwischen zwei Systemen, sondern um ganz andere, menschliche Werte.

Saskia rudert eindrucksvoll und schlägt auch hart zu. Wie haben sie sich auf diese körperlich fordernden Szenen vorbereitet?

Für die Schlägerei am Anfang haben wir mit einem tollen Stuntteam trainiert. Am Ende wurde nur ein Moment, in dem ich auf den Tisch falle, gedoubelt. Das wurde mir nicht erlaubt. Die Prügelszene entstand in einer Nacht, ist aus einem Guss, mit wenigen Schnitten. Außerdem habe ich Sportrudern auf dem Wannsee gelernt, im Vierer, im Zweier, im Einer. Wenn der See ruhig ist, ist das ein toller Kontakt mit der Natur. Das würde ich gerne weitermachen. Diese Nähe zur Natur liebe ich, das habe ich gerade wieder gemerkt als ich mit meiner Tochter eine Woche auf Island war, die Landschaft dort ist fantastisch.

 

Wie haben Sie als Kind die echte Wendezeit erlebt?

Obwohl wir um die Ecke der Gethsemane-Kirche in Berlin Prenzlauer Berg gewohnt haben, wo Mahnwachen stattfanden, habe ich davon nichts mitbekommen. Meine Eltern hielten mich da raus, ich war ja erst neun und die Angst entdeckt zu werden stand im Raum. Ich erinnere mich an einen Streit meiner Großeltern aus Sachsen mit meinen Eltern, weil wir Westfernsehen schauten.

Was erinnern sie vom Abend des Mauerfalls und danach?

Erstmal habe ich mich nur gewundert: Am Abend des 9. November gingen meine Eltern über die Mauer und ich wusste nichts davon.  Am Tag darauf waren wir nur zwei Kinder in der Klasse. In den Wochen danach donnerte dann die Reizüberflutung mit ihren vielen Farben auf mich ein. Die 90er muss ich nicht wiederhaben. Für mich war die Wiedervereinigung eine Wende vom Wir auf das Ich. Ehen zerbrachen, Jobs wurden gekündigt, mir ging es viel zu schnell. Als Kind habe ich die Diktatur ja nicht gespürt, sondern die Gemeinschaft. Jetzt kann ich gefühlt aus beiden Welten speisen - und dieses Gleichgewicht ist genial.

 

Ihr nächstes Projekt, der ARD-Vierteiler "Die Toten von Marnow" greift wieder die DDR-Zeit auf – Zufall?

Das ist schon mit Bedacht gewählt, da vieles aus dieser Zeit spannend und erzählenswert ist. Ich diskutiere oft mit meiner Mutter und Freundinnen darüber. Der Vierteiler ist das größte Projekt an dem ich bisher gearbeitet habe. Im Januar was das Casting, wir drehen noch bis Mitte November. Auch hier gibt es historische Bezüge, aber ich will nicht zu viel verraten! Ich spiele eine Frau, die viel Seelenballast trägt und in ein Kommissariat an die Müritz kommt. Sie ist eigentlich eine Randfigur der Polizeiwelt, aber wird in einen Fall um brutale Morde hineinzogen – und bleibt nicht ganz unbescholten. Harter Stoff – im besten Sinne. 

 

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