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So läuft die WM 2018 im TV

13.06.2018 - Erstmals sind ARD und ZDF nicht vor Ort: Ihre WM-Zentrale ist in Baden-Baden. Weit weg, doch nah dran: Wie geht das?

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		Neuzugang im ARD-Team: Philipp Lahm © SWR/Patricia

    Neuzugang im ARD-Team: Philipp Lahm © SWR/Patricia Neligan

Die WM in Russland ist für die TV-Sender aus aller Welt eine Herausforderung: ein Riesenland, zwölf Stadien in vier Zeitzonen, 32 Mannschaften, 64 Spiele. Alle Beteiligten haben in den nächsten vier Wochen Tausende Kilometer Reise vor sich. Nur die Moderatoren und Experten im WM-Studio von ARD und ZDF nicht: Sie senden zum ersten Mal bei einer WM nicht aus dem Gastgeberland, sondern stehen in einem Studio im beschaulichen Baden-Baden. Kann das gut gehen?

 

Ein Blick hinter die Kulissen

Das Studio auf dem Gelände des SWR ist 670 Quadratmeter groß und verfügt über eine zehn Meter lange LED-Wand. Hier werden für die ARD Alexander Bommes und Matthias Opdenhövel moderieren, für das ZDF Oliver Welke und Jochen Breyer. Ihnen zur Seite stehen viele Experten: Oliver Kahn, Christoph Kramer, Holger Stanislawski und Urs Meier fürs ZDF, Stefan Kuntz, Thomas Hitzlsperger und Hannes Wolf für die ARD.

 

Zudem ist es eine Premiere, dass ARD und ZDF sich bei einer WM ein Studio teilen. Die Gründe für die Neuerungen: Beide Sender sollen so je eine  siebenstellige Summe sparen. Zudem umgeht man alle Risiken durch die politisch instabile Situation in Russland.

So guckt Oliver Kahn die Spiele

Wie läuft ein Arbeitstag der Moderatoren und Experten ab? Etwa drei Stunden vor dem Spiel reisen sie an und gehen in die Maske. Dann folgen Proben im Studio, bei denen festgelegt wird, wer wo steht und wie Licht und Ton einzustellen sind.

Bildergalerie: Die bekannstesten TV-Experten bei MW- und EM-Spielen

Und was passiert, wenn das Spiel läuft und die Kameras im Studio aus sind? Christoph Hamm, WM-Programmchef des ZDF, verrät: "Dann ziehen sich Oliver Kahn und Oliver Welke zügig in einen Raum mit einem großen Monitor zurück, auf dem sie das Spiel verfolgen." Bei ihnen sind dann auch internationale Gästen wie Zé Roberto oder Mladen Petric´ sowie ein Rechercheur, der die Moderatoren mit aktuellen Informationen versorgt. "Es herrscht eine konzentrierte Atmosphäre, in der viel diskutiert wird", sagt Hamm. "Hier werden auch sofort die Spielszenen festgelegt, die in der Halbzeit oder nach Abpfiff analysiert werden, und an die Regie gegeben."

 

Neben dem Moderationsraum gibt es einen weiteren wichtigen Ort: den Analyseraum. Hier verfolgen an ZDF-Tagen Holger Stanislawski und ein Kompetenzteam aus Redakteuren das Spiel. "In Paris ist Oliver Kahn zwischendurch gern in diesen Raum gegangen und hat mitdiskutiert", berichtet Hamm. Schiedsrichterprofi Urs Meier stößt auch mal dazu. Da er während des Spiels ZDF-Reporter mit seiner Expertise versorgt, hat er aber auch ein eigenes Zimmer.

 

Wie kann man nah dran sein, obwohl das Studio so weit weg vom Geschehen ist? Durch die Reporterteams vor Ort. Bereits in den vergangenen Jahren lag das Studio oft weit entfernt von den Stadien. "Bei Olympischen Spielen hielte ich dieses Modell für ungeeignet, da sich die Berichterstattung auf eine Stadt und die täglichen Entscheidungen dort konzentriert", räumt ARD-Moderator Alexander Bommes ein. "Aber im Falle der WM spricht vieles für den Standort Baden-Baden."

 

  

"Weltmeister im Gespräch" mit Philipp Lahm

Die ARD hat Philipp Lahm für das Format "Weltmeister im Gespräch" verpflichtet. An Sendetagen der ARD ist der Mannschaftskapitän von 2014 täglich dreimal zugeschaltet und blickt gemeinsam mit Moderatorin Jessy Wellmer auf die Ereignisse in Russland, ganz ohne Publikum. Der 34-Jährige gehört zu den besten Fußballspielern, die Deutschland je hatte: Von 2004 bis 2014 war er Nationalspieler, bestritt 113 Länderspiele. Kaum jemand sonst weiß so genau, wie sich die Atmosphäre in der Kabine anfühlt, was während eines Turniers in den Sportlern vorgeht und wie Trainer Joachim Löw tickt. Ein exklusives Interview mit dem Fußballstar.

 

Interview mit Philipp Lahm

Wie fühlt es sich für Sie an, diese Weltmeisterschaft vom Spielfeldrand aus zu beobachten und nicht mehr aktiv dabei zu sein?

Gut! Dieses Jahr erlebe ich die WM zum ersten Mal seit 2002 wieder vor dem Fernseher. Ich freue mich auf das Turnier, auf die deutsche Mannschaft und auf die sommerliche WM-Atmosphäre. Die Spiele bei der WM waren immer ein wunderbares Erlebnis – besonders als wir Weltmeister geworden sind!

 

Sie werden als Experte berichten, sind dabei allerdings nicht im WM-Studio, sondern in Ihrer Heimat am Tegernsee. Wie läuft es dort genau ab?

Jessy Wellmer und ich unterhalten uns in entspannter Atmosphäre über das Turnier und das ganze Drumherum. Und wir sprechen über unsere Mannschaft: vor einem Spiel, bei einem Sieg oder auch bei einer Niederlage. Hierbei wird mir meine Erfahrung von sechs großen Turnieren helfen.

 

Trotzdem werden Sie sich auf die einzelnen Spiele vorbereiten. Wie sieht das genau aus?

Erst mal vergegenwärtige ich mir immer wieder, was es bedeutet, bei einem so großen Turnier dabei zu sein. Dazu recherchiere ich über die Qualität der unterschiedlichen Mannschaften und bereite mich so vor, dass ich alle Perspektiven kenne.

 

Wie nah sind Sie während der WM denn an der deutschen Mannschaft dran? Haben Sie noch persönlichen Kontakt zu den Spielern oder zum Trainerstab?

Das Auftaktspiel gegen Mexiko werde ich in Moskau im Stadion als Teil der DFB-Delegation miterleben. Unsere Mannschaft werde ich auch besuchen, da ich ja viele Spieler noch kenne. Natürlich weiß ich aber, dass sich die Spieler ungestört vorbereiten wollen und ihre Ruhe brauchen.

 

Sie können als einer der wenigen nachvollziehen, wie sich die Spieler während des Turniers fühlen. Beschreiben Sie es bitte für uns!

Im Idealfall ist es so wie 2014 in Brasilien. Es entsteht ein guter Mix aus Konzentration, Fokussierung auf die Aufgabe und toller Atmosphäre wie im Campo Bahia. Man wächst als Mannschaft zusammen, entwickelt eine eigene Dynamik, die einen von Spiel zu Spiel trägt und das Finale gewinnen lässt. Das ist natürlich das, was ich jetzt vermisse.

Interview: Mirja Halbig

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