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Traurige Kinder im "Tatort: Niemals ohne mich"

20.03.2020 - Der "Tatort: Niemals ohne mich" (Sonntag, 22. März, 20.15 Uhr im Ersten) zeigt zerstörte Familien, bei denen die Kinder durch den Streit ihrer Eltern auf der Strecke bleiben.

In dieser chaotischen Zeit der Corona-Krise freut sich jeder über alles Gewohnte, wie das sonntägliche Ritual "Tatort" zu gucken. Doch auch wenn der aktuelle Fall sehr gut ist, währt die Freude von kurzer Dauer. Denn was diese Woche gezeigt wird, belastet in der derzeit angespannten Situation zusätzlich. Es geht um getrennte Eltern, die lieber miteinander Krieg führen, anstatt sich um die Kinder zu kümmern und das Leid der Jüngsten, die unter den Loyalitätskonflikten zu zerbrechen drohen. Dazu zeigt die ARD auch Armut und die anspruchsvolle, oft unbefriedigende Arbeit des Jugendamts.

 

Darum geht's im "Tatort: Niemals ohne mich"

Die Kölner Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Schenk) geraten bei ihrem neuen Fall zwischen die Fronten von Eltern, die Sorgerechtsstreitigkeiten austragen. Eine Frau wird unter einer Brücke mit einem Radmutterschlüssel erschlagen. Sie heißt Monika Fellner (Melanie Staub) und war Mitarbeiterin im Jugendamt in der Abteilung Unterhaltsvorschusskasse. Da sie sehr hartnäckig versuchte versäumte Zahlungen der Sorgeberechtigten einzutreiben, hatte sie viele Feinde. Das gab ihr den Ruf eines Bullterriers, zudem spionierte sie heimlich Familien aus.

 

Ihr Chef Markus Breitenbach (Christian Erdmann) und ihre Kollegin Ingrid Kugelmeier (Anna Böger) drücken da schon eher mal ein Auge zu. Beispielsweise bei dem Architekten Rainer Hildebrandt (Peter Schneider), der seit der Trennung die Hauptsorge für seine Kinder trägt und keinen Job in Teilzeit findet. Seine Frau will nicht zahlen, deswegen lebt er von Hartz IV. Monika Fellner hatte herausgefunden, dass Hildebrandt  als Bauzeichner Schwarzgeld dazu verdiente.

Ebenfalls ein Motiv hat Stefan Krömer (Gerdy Zint), der seiner Ex Julia Beck (Karen Dahmen) keinen Unterhalt zahlt, aber mit einem teuren Auto umherkurvt. Fellner forderte das Geld zurück. Und auch die 19-jährige Mutter Tülay Firat (Yeliz Simsek) scheint dem Amt etwas zu verheimlichen.

Hintergrund

Markus Breitenbach (Christian Erdmann), der im "Tatort" die Abteilung Unterhaltsvorschuss des Jugendamts leitet, sagt: "In Deutschland zahlt nur jeder vierte Unterhaltspflichtige den vollen Betrag für seine Kinder".

 

Die Konsequenz daraus erklärt der WDR: "Alleinerziehende können in Deutschland Unterhaltsvorschuss beantragen, wenn der Ex-Partner nicht für die Kinder aufkommt. Die Grundidee ist: Die Behörden springen ein, leisten die Zahlungen und holen sich das Geld zu einem späteren Zeitpunkt vom anderen Elternteil wieder. Doch nach Angaben des Bundesfamilienministeriums klappt das oft nicht. In rund 61 Prozent der Fälle bleibt der Staat auf den Kosten sitzen. Als Grund wird meist ein zu niedriges Einkommen der Ex-Partner angegeben. 2017 wurde der Unterhaltsvorschuss reformiert."

Übrigens: Henny Reents, die gerade bei der Serie "Nord bei Nordwest" ausgestiegen ist, spielt hier die Frau von Breitenbach.

 

 

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Schon der ARD-Mittwochs-Film "Weil du mir gehörst" behandelt das Elend der Kinder durch die Manipulation eines Elternteils. Der "Tatort: Niemals ohne mich" geht noch einen Schritt weiter. Er zeigt nicht nur den Kampf um die Kinder, sondern auch um das Geld. Dieser Fall liefert ein breites Spektrum an Einzelschicksalen: Die ausweglose Situation von Alleinerziehenden, die trotz Arbeit am Existenzminimum stehen. Verärgerte Väter, die keinen Unterhalt zahlen wollen oder können. Ein Architekt, der für seine Kinder Zuhause bleiben will, aber dann von Hartz IV leben muss, junge Eltern ohne Geld, eine Mutter mit Uniabschluss, die Kisten packt. Die hier sehr gut skizzierten Geschichten erschüttern. Es wird deutlich, dass es jedes Elternteil jederzeit treffen kann. Zudem schwingt auch die Schieflage der Gesetze mit. Eine rundum gelungene Sozialstudie, die vor allem den getrennt lebenden Eltern unter die Haut gehen dürfte.

 

 

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