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Ulrich Tukur: Das getriebene Allroundtalent

30.10.2019 - So haben Sie den Schauspieler noch nicht gesehen. Arte zeigt ein sehr persönliches Porträt über den Ausnahmekünstler, der sich nicht nur beim Film einen großen Namen gemacht hat.

Ulrich Tukur (62) bezeichnet sich selbst als getrieben. Und schaut man sich seinen Lebenslauf, seine Werke, sein Können und seine Termine an, dann wird sofort klar: Ja, dieser Mann wirkt rastlos. "Wenn eine starke Aktivität da ist, die mich ausfüllt, habe ich Ruhe", erklärt er in der Arte/NDR-Dokumentation "Der Schauspieler Ulrich Tukur – Träumer und Suchender, Blick hinter den Showmenschen" (Sonntag, 3. November, 22.20 Uhr, Arte) von Eva Gerberding.  Die Autorin ist seit 30 Jahren mit dem Ausnahmeschauspieler befreundet und gibt diesem Porträt dadurch eine besondere Tiefe, Intensität und Ehrlichkeit. Selten sprach Tukur so offen über sich, sein Privatleben und sein künstlerisches Schaffen.

 

Kommissar Murot & historische Rollen

Ohne Frage, Ulrich Tukur ist einer der angesehensten Schauspieler seiner Generation. Die Zuschauer kennen ihn vor allem seit 2010 in seiner Paraderolle als Felix Murot im hessischen "Tatort" (zuletzt im "Tatort: Angriff auf die Wache 08"). Die Fälle werden zum Teil sehr experimentell erzählt, was von Tukur auch ausdrücklich so gewünscht ist. Für einen "normalen" Kommissar würde er wohl nicht zur Verfügung stehen.

 

Besondere Charaktere spielte er auch in zahlreichen historischen Filmen: Bundeskanzler Helmut Schmidt, General Rommel, John Rabe (der "Oskar Schindler Chinas"), Kult-Zoologe Bernhard Grzimek und der RAF-Terrorist Andreas Baader gehörten dazu. Seine Vorliebe für Geschichte erklärt er so: "Ich träume mich aus der Gegenwart weg. Die Welt ist so wahnsinnig hässlich geworden."

In Griechenland ist er seit dem 3. Oktober als Wolfgang Schäuble in Costa-Gravas' Film "Aduls in the Room über die griechische Finanzkrise (deutscher Starttermin steht noch nicht fest) im Rollstuhl zu sehen. Für die Verfilmung des von Siegfried Lenz posthum veröffentlichten Roman "Der Überläufer" stand er dieses Jahr für die ARD vor der Kamera. Derzeit dreht er neben Sibel Kekilli und Kostja Ullmann Meeresleuchten, einen TV-Film über einen Flugzeugabsturz.

Am 20. Februar erscheint in der Schweiz der Film "Jagdzeit" in dem er neben Stefan Kurt die Hauptrolle spielt. Außerdem plant Ufa Fiction mit ihm den TV-Mehrteiler "Zellers Reeperbahn", in dem er einen Sänger in den 60er Jahren auf St. Pauli darstellt.

Das Allroundtalent Ulrich Tukur

Aber Ulrich Tukur, der mit bürgerlichem Namen Ulrich Gerhard Scheurlen heißt, ist in der Tat so viel mehr, als nur ein Schauspieler. Er musiziert, tourt mit seiner Band, schreibt Romane, gibt Lesungen. Knapp zehn Jahre lang leitete er als Intendant die Hamburger Kammerspiele und ist Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste.

 

Seit Anfang Oktober steht sein neuer Roman "Der Ursprung der Welt" in den Regalen. Es ist bereits seine vierte Buchveröffentlichung und handelt von einem Mann, der 2033 vor dem Chaos in Deutschland nach Paris flieht. Und auch Hörbücher gehören zu seinem Repertoire.

Liebe zur Musik

Neben diesen vielen Aktivitäten findet er stets Zeit zum Musizieren: "Am meisten Spaß hat mir immer Musik gemacht. Mit meinen Jungs, also mit den Musikern, wenn es dann groovt und swingt und zusammengeht das ist einfach toll." 1995 gründete Tukur das Quartett "Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys" mit denen er sieben verschiedene Tonträger herausgebracht hat und auch schon auf so großen Bühnen wie der Elbphilharmonie in Hamburg gestanden hat. Seit seiner Kindheit spielt Tukur Klavier. Die Lehrerin habe ihn geschlagen, wenn er nicht geübt hat. Zudem singt und spielt er Akkordeon bei der "ältesten Boygroup der Welt" - wie er seine Band scherzhaft nennt.

 

Der Durchbruch auf der Theaterbühne

Noch während seines Studiums an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, drehte Tukur 1982 den Kinofilm "Die weiße Rose". "Ohne das Dritte Reich hätte ich diese Karriere nicht gemacht. Das ist zwar traurig, aber wahr", erklärt Tukur. Es war vor allem die Rolle des SS-Offiziers Kittel im Theaterstück "Ghetto", die ihn als Schauspieler fest etablierte. Regisseur Peter Zadek nahm Tukur nach diesem Stück noch rund zehn Jahre unter seine Fittiche und verlangte ihm einiges ab: "Peter Zadek hat mich sehr gefordert, jeder Gang zur Probe war wie ein Gang zum Zahnarzt", sagt Tukur.

Doch die Mühe wurde belohnt: 1986 wählten die deutschen Theaterkritiker ihn zum Schauspieler des Jahres. Es folgten Auszeichnungen wie die GOLDENE KAMERA 1996 und 2011, der Goldene Bär der Berlinale 1986, der Adolf-Grimme-Preis 2000 und 2015, der deutsche Fernsehpreis 2004, der deutsche Filmpreis 2006 und 2009 und viele mehr.

 

Privat: Von Hamburg über Venedig zurück nach Berlin

Dem Theater (seine künstlerische Heimat war vor allem das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg), konnte der Schauspieler irgendwann nichts mehr abgewinnen. Er fand die neuen Inszenierungen zu reißerisch und verließ die Bühne.

Gewohntes langweilt den Schauspieler schnell. Nachdem er jetzt 20 Jahre mit seiner Frau, der Fotografin Katharina John, in Venedig und auf einem Bauernhof in der Toskana gewohnt hat, reicht es ihm. Schließlich hat er die italienische Sprache und Kultur ausgiebig gelernt und sucht jetzt in Berlin neue Herausforderungen.

In seiner Jugend lebte er schon in den USA, wo er sich in seine Abschlussballbegleitung Amber Wood verliebte, sie heiratete und mit ihr die Töchter Lilli und Marlene bekam. "Wir waren zu jung, es war eine Jugendliebe, wir passten nicht wirklich zusammen, obwohl sie bezaubernd war", erklärt Tukur das Scheitern seiner ersten Ehe. Seine Entscheidung den Schlussstrich zu ziehen, führte aber auch zu einem distanzierten Verhältnis zu seinen Töchtern.

Tukur hätte gern eine Eule, möchte sie aber nicht mit Mäusen füttern müssen, also bleibt ihm sein Hund Toto. Als Kind tapezierte Tukur die Wände seines Zimmer mit Todesanzeigen. Er beschäftige sich schon immer mit dem Sterben: "Von Anfang an fand ich es eine Zumutung in eine Welt geworfen zu werden, die irgendwann wieder ausgeknipst wird." Einziger Trost: Sein beispielloses künstlerisches Vermächtnis wird erhalten bleiben.

Weitere Sendungen mit Ulrich Tukur:

"Der Stellvertreter": Sonntag, 3. November, 20.15 Uhr, Arte

Zu Gast in der "NDR Talk Show": Freitag, 01. November, 22 Uhr, NDR 

 

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