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Uwe Kockisch: Ein Mann für alle Fälle

17.04.2019 - Ob als Stasi-Offizier, Mörder in "So weit das Meer" oder in seiner Paraderolle als Commissario Brunetti, der am 18. April in "Donna Leon: Ewige Jugend" seinen 25. Fall löst: Unser Star der Woche Uwe Kockisch überzeugt in jeder Rolle.

Was muss das für ein furchtbares Gefühl sein, die eigene Tochter vergewaltigt und verletzt im Wald zu finden? "Das sind Bilder, die sich einbrennen. Das wird man nicht mehr los", sagt Uwe Kockisch. Im Krimidrama "So weit das Meer" spielt er Wolf Harms, einen Vater, dem genau das widerfährt. Der verzweifelte Harms tötet den jungen Mann, den er für den Täter hält. Selbstjustiz – ein brisantes Thema in einem aufwühlenden Fernsehfilm.  (bis zum 11. Juli in der ZDF-Mediathek)

 

Smart und populär: Uwe Kockisch als Commissario Brunetti

Am 18. April (20.15 Uhr im Ersten) ist Kockisch außerdem wieder als Commissario Brunetti zu sehen. "Ewige Jugend" heißt der 25. Fall aus der Donna-Leon-Reihe, Kockisch ist seit der fünften Folge im Jahr 2003 dabei. Er sieht es als seine Aufgabe, nicht in Routine zu verfallen und Brunetti weiter "für die Zuschauer interessant zu halten."

 

Als italienischer Kommissar bringt er eine gewisse Lässigkeit in seine Darstellung ein, macht aber auch kein Geheimnis daraus, dass die Filme stark vom Schauplatz Venedig leben: "Das ist schon ein besonderer, ein magischer Ort", sagt er. Für Kockisch ist die Lagunenstadt zur zweiten Heimat geworden. Wenn er in Italien drehe, fühle er sich zu Hause und genieße die Atmosphäre.

 

An den Donna-Leon-Filmen schätzt er auch, dass es keine Actionkrimis sind. "Brunetti hat keine Pistole, sondern nutzt seinen Kopf und löst die Fälle dank seiner Beobachtungen und Lebenserfahrung." So dankbar er für diese populäre Rolle ist, so froh ist er auch, nicht auf den smarten Brunetti festgelegt zu sein. So zeigt er sich etwa in der Serie "Weissensee", in der er seit 2010 den ehemaligen Stasioffizier Hans Kupfer spielt, von einer ganz anderen Seite. "Brunetti und Kupfer – diese Figuren sind Galaxien voneinander entfernt", so Kockisch. "Die haben rein gar nichts miteinander zu tun. Es ist wunderbar, dass ich diese beiden fast gleichzeitig spielen kann."

 

Nun ist mit der Rolle des Mörders in "So weit das Meer" ein weitere Facette hinzu gekommen. Harms, der den vermeintlichen Ver- gewaltiger seiner Tochter erschossen hat, wird nach 15 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Er hatte Unrecht mit einem anderen Unrecht gerächt. Natürlich ist Selbstjustiz niemals rechtens und auch moralisch zu verurteilen. Aber emotional ist die Tat dieses Mannes für viele Menschen, besonders für Eltern, nachvollziehbar – auch für Kockisch: "Ich kann mir vorstellen, dass ein Mensch in dieser Situation so handelt. Ich selbst würde hoffentlich nicht so reagieren. Aber wer kann sich da schon sicher sein?"

 

Er verurteilt Harms nicht, denn er versteht sich stets als Verteidiger seiner Figuren. "Aber natürlich darf man es sich nicht zu einfach machen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu falschen Mitteln greifen, weil das fatale Folgen hat." Harms hat nicht nur ein Leben ausgelöscht und die Familie seines Opfers zerstört, er ließ auch seine eigene Familie im Stich, als er ins Gefängnis musste. Dann stellt sich auch noch heraus, dass er den Falschen getötet hat – und der wahre Täter noch nicht gefunden wurde.

Eine Sache des Gefühls

"Die Geschichte lässt Fragen offen", sagt Kockisch. Dadurch regt sie den Zuschauer zu eigenen Gedanken an, beteiligt ihn am Geschehen und wirft immer wieder die Frage auf: Wie hätte ich wohl an der Stelle des Vaters gehandelt? "Der Film gibt keine bequemen Antworten. Das mag beunruhigend sein, aber so ist das Leben", sagt Kockisch, der die TV-Produktion weniger als Krimi und mehr als Drama sieht: "Film ist Emotion, er soll emotional berühren." Und dafür braucht er nicht viele Worte, sondern setzt lieber auf atmosphärische Dichte und symbolhafte Bilder.

 

Für Kockisch stehen jetzt ein weiterer bereits abgedrehte Donna-Leon-Fall "Stille Wasser" und die Fortsetzung von "Weissensee" an. Die Drehbücher sind noch in Arbeit. "Das braucht Zeit, das geht nicht von heute auf morgen." Im Januar ist der Schauspieler 75 Jahre alt geworden. Erstaunlich. "Das kümmert mich nicht", sagt Uwe Kockisch. Ermüdungserscheinungen kennt er nicht. Das Älterwerden zu ignorieren scheint ein wirksames Mittel gegen das Altern zu sein.

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