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In Malé zeigen sich die Malediven von einer anderen Seite

20.11.2018 - Wer auf die Malediven fliegt, übernachtet in abgeschotteten Resorts, schwelgt häufig im Luxus, genießt Cocktails am Strand. Kaum jemand besucht die Hauptstadt Malé. Hier tobt das echte Leben. Der Gegensatz könnte kaum größer sein.

  • Blick auf Malé, die Büroturm-Stadt der Malediven im Indischen Ozean. Foto: Bernhard Krieger © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Blick auf Malé, die Büroturm-Stadt der Malediven im Indischen Ozean. Foto: Bernhard Krieger © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Islamisches Zentrum in Malé: Die Malediven sind ein streng muslimisches Land - auch wenn Urlauber dies auf den Resortinseln kaum mitbekommen. Foto: Julian Guisado Arnast/MMPRC © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Islamisches Zentrum in Malé: Die Malediven sind ein streng muslimisches Land - auch wenn Urlauber dies auf den Resortinseln kaum mitbekommen. Foto: Julian Guisado Arnast/MMPRC © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Golfen auf den Malediven? Das geht im «Shangri-La's Villingili Resort & Spa». Foto: Markus Gortz/Shangri-La © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Golfen auf den Malediven? Das geht im «Shangri-La's Villingili Resort & Spa». Foto: Markus Gortz/Shangri-La © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Wettbewerb um die Gäste: Das Resort «Huvafen Fushi» wartet mit einem Unterwasser-Spa auf. Foto: Huvafen Fush © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Wettbewerb um die Gäste: Das Resort «Huvafen Fushi» wartet mit einem Unterwasser-Spa auf. Foto: Huvafen Fush © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Luxus-Ferienvilla im Fairmont-Resort «Sirru Fen Fushi»: Die Malediven haben sich jahrelang als Premium-Destination vermarktet. Foto: Paul Thuysbaert/Accor Hotels © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Luxus-Ferienvilla im Fairmont-Resort «Sirru Fen Fushi»: Die Malediven haben sich jahrelang als Premium-Destination vermarktet. Foto: Paul Thuysbaert/Accor Hotels © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Bekannte Postkarten-Kulisse: Urlauberin an einem Resortpool auf den Malediven. Foto: Maldives Marketing & Public Relations Corporation © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Bekannte Postkarten-Kulisse: Urlauberin an einem Resortpool auf den Malediven. Foto: Maldives Marketing & Public Relations Corporation © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Motorroller rattern über die Sinamalé-Brücke, die Malé mit der Insel Hulhulé verbindet. Foto: Ministry of Housing/MMPRC © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Motorroller rattern über die Sinamalé-Brücke, die Malé mit der Insel Hulhulé verbindet. Foto: Ministry of Housing/MMPRC © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Eine Stadt mitten im Meer: Anflug auf Malé, die Hauptstadt der Malediven. Foto: Brian Knutsen/MMPRC © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Stadt mitten im Meer: Anflug auf Malé, die Hauptstadt der Malediven. Foto: Brian Knutsen/MMPRC © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Urlaub am Traumstrand: Die Malediven sind ein beliebtes Ziel für Hochzeitsreisende. Foto: Maldives Marketing & Public Relations Corporation © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Urlaub am Traumstrand: Die Malediven sind ein beliebtes Ziel für Hochzeitsreisende. Foto: Maldives Marketing & Public Relations Corporation © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Urlauber, die auf die Malediven fliegen, werden meist direkt vom Flughafen mit einem Wasserflugzeug oder Boot zu den Hotelinseln gebracht - die Hauptstadt Malé sehen sie nicht. Foto: Bernhard Krieger © dpa - Deutsche...

    Urlauber, die auf die Malediven fliegen, werden meist direkt vom Flughafen mit einem Wasserflugzeug oder Boot zu den Hotelinseln gebracht - die Hauptstadt Malé sehen sie nicht. Foto: Bernhard Krieger © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Die Malediven bestehen aus mehreren Atollen, die oft kaum mehr als einen Meter aus dem Wasser ragen. Foto: Maldives Marketing & Public Relations Corporation © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Malediven bestehen aus mehreren Atollen, die oft kaum mehr als einen Meter aus dem Wasser ragen. Foto: Maldives Marketing & Public Relations Corporation © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Malé ist die Hauptstadt der Malediven - eine Großstadt mitten im Indischen Ozean. Foto: dpa-infografik © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Malé ist die Hauptstadt der Malediven - eine Großstadt mitten im Indischen Ozean. Foto: dpa-infografik © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Manche mögen es exklusiv, erst recht auf den Malediven: Baum-Restaurant im Resort «Nimaya». Foto: Paul Reiffer/Minor Hotels © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Manche mögen es exklusiv, erst recht auf den Malediven: Baum-Restaurant im Resort «Nimaya». Foto: Paul Reiffer/Minor Hotels © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Auf den kleinen Malediven-Inseln scheinen abends mit der Sonne auch alle lauten Geräusche im Indischen Ozean zu versinken. Wunderbare Stille. Ganz anders in Malé.

Wenn die Hitze am Ende des Tages erträglich wird, erwacht die Hauptstadt des Inselstaats. Dann schwirren Tausende Motorroller wie ein aufgescheuchter Wespenschwarm durch die engen Straßenschluchten. Ihr Geknatter hallt von den Wänden der Häuser wider. Rund 30.000 motorisierte Zweiräder sind in Malé unterwegs. Ein Auto besitzt kaum jemand. Wozu auch? Die Straßen sind eng, voll und kurz. So mancher Autofahrer in der Stadt hat noch nie in den vierten Gang geschaltet.

Pulsierende Inselstadt

In Malé leben fast 100.000 Menschen auf einer Fläche von zwei Quadratkilometern. Die maledivische Hauptstadt ist einer der am dichtesten besiedelten Fleckchen der Erde. Mit Moscheen, Appartement-Häusern und Bürokomplexen ist Malé ein zubetonierter Sandhaufen im Indischen Ozean, auf dem es spät abends wimmelt wie in einem Termitenhügel. Dann schwärmen die Malediver ins Nachtleben aus. An jeder Ecke gibt es einfache Restaurants, Cafés und Teestuben - aber keine Bars. Alkohol ist auf Malé verboten. Die Malediven sind ein streng muslimisches Land. Alkohol gibt es in der Hauptstadt nur auf der Flughafen-Insel Hulhulé, wo das «Island Hotel» wohl allein von den Einnahmen seiner Bar leben könnte.

Premium-Tourismus

Während Malediver Shisha rauchend beim Tee in Malé zusammensitzen, wird gerade auf All-inclusive-Resortinseln draußen in den 26 Atollen ordentlich gebechert. Auf den meisten der weit mehr als 100 Touristeninseln, auf denen sich immer nur eine Hotelanlage befindet, wird aber moderat getrunken. Auf den Malediven gibt es keinen Ballermann-Tourismus. Der Inselstaat hat sich geschickt als Premium-Destination etabliert.

Trotz aller politischer Turbulenzen hielten alle Staatschefs stets daran fest, die Malediven als Top-Tourismus-Destination zu positionieren. Heute dominieren in den Atollen Vier- und Fünf-Sterne-Hotels. Die Hauptstadt ist nur rund 20 Minuten mit dem Wasserflugzeug oder rund eine Stunde mit einer schnellen Jacht entfernt. Dennoch liegen Welten zwischen dem Urlauberleben und dem Alltag der Einheimischen in Malé. Und das gilt nicht nur für das Alkoholverbot der Malediven, von dem die Touristeninseln ausgenommen sind.

Parallelwelt der Luxusresorts

In den Luxusresorts wird ein westlich-liberaler Lebensstil gepflegt. Die meisten Urlauberinnen tragen an den Stränden weniger Stoff am Körper als viele Malediverinnen in Malé auf dem Kopf. Der Jahrzehnte lang moderat praktizierte Islam wird zunehmend strenger ausgelegt.

Auf den Ferieninseln ist davon wenig zu spüren. Urlauber kommen mit dem normalen Leben auf den Malediven kaum in Berührung. Nach der Landung auf dem Flughafen von Malé reisen sie in der Regel umgehend per Wasserflugzeug oder Schnellboot weiter.

Ausflüge in die Hauptstadt machen nur wenige. Erst recht, seitdem das Auswärtige Amt dazu rät, von nicht notwendigen Reisen nach Malé abzusehen. Grund für die Warnung waren Unruhen in der Hauptstadt Anfang 2018. Reiseveranstalter und Resorts haben daraufhin ihre Ausflugsprogramme eingestellt.

Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt

Dabei wäre Malé durchaus einen Abstecher wert. Fähren pendeln im Minutentakt zwischen der Flughafen-Insel und der Hauptstadt. Ganz in der Nähe der Anlegestelle befinden sich das Islamische Zentrum mit der imposanten Moschee Masjid al-Sultan Mohammed Thakurufaanu Al Azam. Gegenüber liegt Rasrani Bageechaa, einer der wenigen größeren Parks, und auf der anderen Seite der frühere Präsidentenpalast. Die alte Freitagsmoschee Hukuru Miskiiy versteckt sich in der Mitte der Insel. Das aus Korallensteinen errichtete Gotteshaus wurde Mitte des 17. Jahrhunderts auf Befehl von Sultan Ibrahim Iskandar I. erbaut.

Ehrgeizige Städtebauprojekte

Auch heute noch werden auf den Malediven immer wieder mal kleinere Moscheen gebaut. Der Bauboom im Inselstaat aber hat nichts mit Religion, sondern mit Rendite zu tun. Allein 2017 wurden zwei Dutzend neue Resorts eröffnet. Praktisch jede große Hotelkette hat mindestens ein Resort auf den Malediven. Um im Wettbewerb zu bestehen, sucht jedes Haus nach einem Alleinstellungsmerkmal.

Die Resort-Bauprojekte in den Atollen bleiben Urlaubern meist verborgen. Zu riesig ist die Ausdehnung des Landes. Über eine Länge von fast 900 Kilometern in nordsüdlicher Richtung erstrecken sich die Malediven. Von den knapp 1200 Inseln sind nur rund 220 bewohnt.

Unübersehbar ist dagegen die Bauwut auf und rund um Malé. An vielen Ecken wird mit Sandaufschüttungen Land gewonnen. Die Flughafeninsel wurde mit der Hauptstadtinsel durch eine mehrspurigen Brücke verbunden, die erstmals Malé an die gigantischen Neubausiedlungen auf der Flughafeninsel anschließt. Bis 2020 soll dort Wohnraum für 100.000 Menschen geschaffen werden. Auch Touristen sollen von dem gigantischen Städtebauprojekt profitieren, durch Freizeitkomplexe. Ob die Urlauber diese nutzen werden, ist fraglich. Wer besucht schon ein Vergnügungszentrum mit Fast-Food-Läden, wenn er stattdessen ein paar Minuten mehr auf einer Trauminsel verbringen kann?

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