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Der Knigge für die Uni-Bibliothek

24.12.2018 - Der Döner ist hier ebenso verboten wie ein Müsliriegel: Die Hochschul-Bibliothek ist meist ein Ort mit strengen Regeln. Experten erklären, was, wann, wo tabu ist und warum gerade Flirten erlaubt ist.

  • Lautes Telefonieren verstößt in den meisten Uni-Bibliotheken gegen die Regeln. Foto: Markus Hibbeler © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Lautes Telefonieren verstößt in den meisten Uni-Bibliotheken gegen die Regeln. Foto: Markus Hibbeler © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Jan Schaumann ist Coach und Stiltrainer in Berlin. Foto: André Obermüller © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Jan Schaumann ist Coach und Stiltrainer in Berlin. Foto: André Obermüller © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Bruno Wipfler setzt sich bei der Studierendenvertretung der Universität Stuttgart für die Belange von Studierenden ein. Foto: Daniel Friedrich © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Bruno Wipfler setzt sich bei der Studierendenvertretung der Universität Stuttgart für die Belange von Studierenden ein. Foto: Daniel Friedrich © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Laut telefonieren, zur Stärkung ein belegtes Brötchen essen, sich am Platz häuslich einrichten, dann aber stundenlang in der Mensa versacken: Dinge, die in einer Uni-Bibliothek eigentlich tabu sind - aber trotzdem immer wieder vorkommen.

Bibliotheken haben ihre eigenen Wege, damit umzugehen. «Die wichtigste Voraussetzung bei der Nutzung der Bibliothek ist gegenseitige Rücksichtnahme», sagt Andreas Sprick, Dezernent Benutzung an der Bibliothek der Universität Duisburg Essen. Sprich: Jeder sollte sich an die Regeln halten. «Das erfordert von uns Mitarbeitern, dass wir die Einhaltung auch kontrollieren.»

Viel Wert wird auf Ruhe gelegt, in bestimmten Bereichen ganz besonders. In den Einzelarbeitsbereichen ist nur stilles Arbeiten gestattet. «Dies wird ganz überwiegend so eingehalten - auch soziale Kontrolle unter den Studierenden sorgt hier für das gewünschte Verhalten», erzählt Sprick.

Arbeitsplätze reservieren

Ein weiteres Tabu in der Bibliothek: Arbeitsplätze blockieren. «Ärgerlicherweise scheinen viele Studierende besonders in den Zeiten vor Prüfungen oft Plätze zu reservieren, obwohl sie stundenlang nicht da sind», sagt Bruno Wipfler von der Studierendenvertretung der Universität Stuttgart. Dabei sei gerade in dieser Phase der Andrang besonders groß. Wer erst im Laufe des Tages in die Bibliothek kommt, hat laut Wipfler kaum eine Chance, einen freien Platz zu finden - obwohl an einigen Tischen gerade keine Studierenden sitzen. Viele Universitäten versuchen, dieses Problem etwa mit Pausenscheiben in den Griff zu bekommen: Studierende tagen den Zeitpunkt ein, zu dem sie die Bibliothek verlassen. Wer nach 60 Minuten noch nicht zurück ist, verliert das Recht auf den seinen Arbeitsplatz.

Ein weiterer Punkt, der schnell für Ärger sorgen kann: Bücher, die Bibliotheksbenutzer achtlos in ein falsches Regal stellen. Vielerorts gibt es dafür aber Sammeltische oder entsprechende Regale. «Die Medien werden dann vom Bibliothekspersonal zurückgestellt. Das ist zwar aufwendig, aber im Vergleich zu einer Vielzahl achtlos verstellter Medien die bessere Alternative», sagt Sprick.

Essen Tabu, flirten erwünscht?

In einer Bibliothek halten sich sehr viele Menschen gleichzeitig auf - sie bekommen irgendwann Hunger, sind auch mal erkältet und möchten womöglich Kontakt zu einem unbekannten Kommilitonen am Nachbartisch aufnehmen. Was ist hier erlaubt? «Beim Essen halte ich grundsätzliche Regeln für sinnvoll», sagt Stiltrainer Jan Schaumann aus Berlin. «Wenn in einer Bibliothek nicht gegessen werden soll, dann ist das so. Punkt. Unabhängig davon, ob es ein Müsliriegel oder ein Döner ist.» Denn: Was man selbst vielleicht als wenig störend empfindet, kann für den Nachbarn zur Belastung werden.

Flirten in der Bibliothek ist nach Meinung des Knigge-Experten aber kein Tabu: «Uni und Arbeitsplatz sind der größte Bekanntschaftsmarkt überhaupt - deshalb ist es absolut in Ordnung, in der Bibliothek zu flirten.» Wichtig sei es auch dabei, niemanden zu stören. «Es steht völlig außer Frage, dass man sich dabei ruhig verhalten sollte», sagt Schaumann.

Ansteckungen vermeiden

Anders sieht es aus, wenn jemand erkältet ist - und sich trotz der Ansteckungsgefahr in die Uni schleppt. «Grundsätzlich gilt: Man sollte andere so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte», sagt Schaumann. «Es ist absolut nicht okay, wenn man mit ansteckender Krankheit in die Bibliothek geht und dann vielleicht Kommilitonen mit ins Verderben reißt.» Wenn man überhaupt in der Lage ist, zu arbeiten, heißt es in diesem Fall: Einfach mal zu Hause Bücher wälzen.

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