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Der liebe Löwe

18.03.2021 - Noch ein Plug-in. Auch die Seat-Submarke Cupra bietet ihre Leon-Version mit dem zweifachen Antrieb an. Wir fuhren die Kombi-Version Sportstourer und wurden wenig überrascht. Was man sowohl positiv als auch negativ sehen kann.

  • Der Cupra Leon Sportstourer kommt als 1.4 e-Hybrid auf eine Systemleistung von 180 kW/245 PS ©

    Der Cupra Leon Sportstourer kommt als 1.4 e-Hybrid auf eine Systemleistung von 180 kW/245 PS © Cupra

  • Nach WLTP stehen 52 Kilometer rein elektrische Reichweite zur Verfügung ©

    Nach WLTP stehen 52 Kilometer rein elektrische Reichweite zur Verfügung © Cupra

  • Der Kombi streckt sich auf eine Länge von 4,64 Metern © Cupra

    Der Kombi streckt sich auf eine Länge von 4,64 Metern © Cupra

  • Von leer auf voll an der Wallbox (3,6 kWh dauert es etwa 3,5 Stunden, an einer normalen Steckdose 6 Stunden ©

    Von leer auf voll an der Wallbox (3,6 kWh dauert es etwa 3,5 Stunden, an einer normalen Steckdose 6 Stunden © Cupra

  • Die Sitze sind ausgezeichnet, der Innenraum gemütlich und gut verarbeitet  ©

    Die Sitze sind ausgezeichnet, der Innenraum gemütlich und gut verarbeitet © Cupra

  • Das Kofferraumvolumen variiert zwischen 470 und 1.450 Litern ©

    Das Kofferraumvolumen variiert zwischen 470 und 1.450 Litern © Cupra

SP-X/Köln. So auf den ersten Blick betrachtet ist dieses Fahrzeug ziemlich nah am Ideal einer eierlegenden Wollmilchsau: tolles Design, sparsamer, auf Wunsch überwiegend elektrischer Antrieb (Umweltprämie!) und hohe Alltagstauglichkeit. Dazu kommt der besondere Kick, denn wir haben es hier zwar mit einem aus dem VW-Konzernbaukasten zusammengestellten Produkt zu tun, aber der Name Cupra als sportliche Untermarke von Seat weckt natürlich besondere Erwartungen. Beste Voraussetzungen also für eine glückliche 14-tägige Liaison mit dem Cupra Leon Sportstourer (ST), also der Kombi-Version des kompakten Seat Leon. Der wiederum ja ein Schwestermodell des Golf, des Audi A3 und des Skoda Octavia ist. Uff, es ist nicht einfach, heutzutage den Überblick über die Modellpalette des VW-Konzerns zu behalten.

Bei einem Plug-in-Hybriden wie unserem Testwagen steht naturgemäß der Antrieb im Mittelpunkt und der zumindest gibt keine Rätsel auf. Denn die Kombination aus 1,4-Liter-Benzinmotor (150 PS) sowie des Elektroantriebs (115 PS) und die sich daraus ergebende Systemleistung von 180 kW/245 PS ist ein aus anderen Konzernfahrzeugen wohlbekanntes Konstrukt, mit allen Vor- und Nachteilen.
Nach WLTP stehen 52 Kilometer rein elektrische Reichweite zur Verfügung, der Nutzer tut gut daran, in der Praxis mit nicht mehr als 35 Kilometern zu rechnen. Reichweitenangst muss er aber nicht haben, zumal das Benzin-Tankvolumen mit 40 Litern nur 5 Liter geringer ist als bei den Verbrenner-Modellen und in der Praxis für mindestens 500 Kilometer reicht. Das Zusammenspiel der beiden Motoren geht zudem äußerst harmonisch vonstatten, die Technik ist schon sehr ausgereift. Aber auch, wenn man gar nicht so viel fährt, nervt das ewige Strom-Nachtanken im Alltag doch, vor allem, wenn man nicht bequem Zuhause laden kann. Da man ja eigentlich den Akku immer gerne voll hätte, muss der Cupra also nach fast jeder Fahrt an die Steckdose, zumindest wenn man wirklich hohe elektrische Fahranteile erzielen will und den Plug-in nicht nur wegen der 0,5-Prozent-Dienstwagenbesteuerung geordert hat.

Der Antrieb unterscheidet sich letztlich so wenig von – sagen wir – einem normalen Seat Leon Sportstourer, dass man angesichts des Sportversprechens der Marke Cupra aber doch einigermaßen enttäuscht ist. Da nutzt auch der alberne künstliche Soundgenerator nichts, mit dem man das Geräusch eines 2,0-Liter-Turbo in den Innenraum gespielt bekommt. Wer sich für einen Plug-in entscheidet sollte doch eigentlich dazu stehen können und zudem die relative Ruhe eines E-Antriebs und eines gut gedämmten Benziners genießen.

Der Akku leert sich wie erwähnt relativ schnell und wenn er leer ist, arbeitet nur noch der Verbrenner, der aus 1,4 Litern Hubraum 150 PS schöpft. Mit dem wegen des Doppelantriebs rund 1.660 Kilo wiegendem Fahrzeug hat er dann seine Probleme, denn der Benzinverbrauch steigt im Alltag schnell an. Wir kamen bei reiner Verbrennerfahrt auf Wert von 7 bis 8 Liter, durch die Zuschaltung des E-Antriebs reduzierte sich der Wert im Durchschnitt auf 5,6 Liter. Im reinen E-Modus verbraucht der spanische Löwe rund 20 kWh auf 100 Kilometern, was nicht gerade wenig ist, vor allem, wenn man nicht günstig Zuhause „tankt“, sondern auf öffentliche Wallboxen angewiesen ist.
Da eine Plug-in-Batterie nie allzu groß auffällt, in unserem Fall beträgt die Kapazität 12,8 kWh, ist sie auch schnell wieder geladen. Von leer auf voll an der Wallbox (3,6 kWh in etwa 3,5 Stunden, an einer normalen Steckdose dauert es 6 Stunden. Da man zudem selten mit komplett leerem Akku vor die Ladesäule fährt, geht es in der Praxis meist noch ein wenig schneller. Trotzdem: Der Cupra Leon hat mit allen Plug-ins gemein, dass sich seine Anschaffung eigentlich nur für Wenigfahrer mit häuslicher Nachlademöglichkeit lohnt, die ab und zu mal auf größere Fahrt gehen. Man fährt in im Alltag automatisch zurückhaltend, was sicher gut für die Umwelt ist, den versprochenen Löwen allerdings allzu lieb dastehen lässt.
Und das wiederum passt nicht zur sportlichen Fahrer-Marke Cupra und auch nicht zum Auto selbst. Denn eigentlich lädt das Fahrzeug ja zu einer größeren (Urlaubs)-Reise ein. Die Sitze sind ausgezeichnet, der Innenraum gemütlich und gut verarbeitet und es gibt zwar weniger Platz als ein einem normalen Sportstourer (wegen der Akkus), aber mit 470 bis 1.450 Liter immer noch genug für die meisten Einsätze.

Wie alle neuen Konzernprodukte des Modularen Querbaukastens hat allerdings auch der Spanier leider jene seltsamen Bedienschwächen und Elektronikprobleme übernommen, die man schon bei Golf und Co. monierte: Angefangen von der schlecht zu steuernden Lautstärkeeinstellung über Mulden unterhalb des 10-Zoll-Displays bis hin zu irritierenden Ausfallhinweisen zu den Assistenzsystemen.
Das trübt den Eindruck enorm und man kann nur hoffen, dass einige Dinge mittels Softwarenachrüstung behoben werden, andere vielleicht im Zuge von Produktüberarbeitungen den Weg (zurück) ins Cockpit finden.  

Cupra Leon Sportstourer 1.4 e-Hybrid – Technische Daten:
Fünftüriger, fünfsitziger Kombi der Kompaktklasse; Länge: 4,64 Meter, Breite: 1,80 Meter, Höhe: 1,45 Meter, Radstand: 2,69 Meter, Kofferraumvolumen: 470 – 1.450 Liter
1,4-Liter-Benziner (110 kW/150 PS) + Elektromotor (85 kW/115 PS) = 180 kW/245 PS Systemleistung, maximales Drehmoment: 400 Nm, 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb, 0-100 km/h: 7,0 s, VMax: 225 km/h, Normverbrauch: 1,1-1,3 Liter, CO2-Ausstoß: 32-34 g/km, Emissionsklasse: A+, Testverbrauch: 5,6 Liter/100 Kilometer
Elektrische Reichweite (WLTP): 52 Kilometer, Ladedauer: 6 Stunden (Haushaltssteckdose), 3,5 Stunden an der Wallbox (3,6 kWh)
Preis: ab 40.095 Euro (abzüglich 7.177 Euro Innovationsprämie)
Preis des Testwagens: 48.367 Euro

Kurzcharakteristik:
Warum: schönes Design, gute Verarbeitung, harmonischer Antrieb, viel Platz, hohe Alltagstauglichkeit
Warum nicht: zu geringe elektrische Praxisreichweite, Schwächen bei Bedienung und Funktionalität, das Cupra-Sportversprechen wird nicht eingelöst
Was sonst: die anderen, gleichstarken Plug-ins aus dem Konzern; oder doch lieber einen klassisch motorisierten Leon Sportstourer, zum Beispiel den 1.5 TSI oder den 2.0 TDI - beide mit 150 PS  

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