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Generationenkonflikt

20.09.2018 - Mit der jüngsten Generation hat sich beim Renault Mégane R.S. vieles geändert. Der Kompakte ist nun so nah am perfekten Hot Hatch wie nie zuvor.

  • Der Renault Mégane R.S. im Test ©

    Der Renault Mégane R.S. im Test © Renault

  • Die Schalensitze bieten viel Seitenhalt ©

    Die Schalensitze bieten viel Seitenhalt © Renault

  • Ein Blick in den Innenraum ©

    Ein Blick in den Innenraum © Renault

  • Mit Doppelkupplungsgetriebe startet der R.S. bei rund 35.600 Euro ©

    Mit Doppelkupplungsgetriebe startet der R.S. bei rund 35.600 Euro © Renault

  • Das zentrale Endrohr entlässt einen guten Klang ©

    Das zentrale Endrohr entlässt einen guten Klang © Renault

SP-X/Köln. Erinnerungen können trügerisch sein. Handelt es sich bei dem zurückliegenden Ereignis um ein positiv behaftetes, tendieren wir dazu, es immer stärker zu verklären, je länger es zurückliegt. Wie bei meiner letzten Fahrt mit dem Renault Mégane R.S. der vorigen Generation. Das war im Herbst 2014 und seitdem ist bei den Hot Hatches, also den Kompaktsportlern, viel passiert. Seat Leon Cupra, Honda Civic Type R oder VW Golf GTI: Diverse neue kompakte Sportler gab es in den vergangenen vier Jahren zu fahren, mancher besser als die anderen, aber alle extrem spaßig. Eins hatten die jungen Wilden allerdings gemeinsam. Sie mussten sich mit der zweiten Generation des Renault Mégane R.S. vergleichen lassen, die nicht erst seit der völlig vogelwilden „Trophy R“-Variante zum absoluten Oberhaupt der Fahrspaß-Folklore aufgestiegen war. Nicht selten ging der Vergleich für den unerfahrenen Herausforderer schlecht aus und der alte Löwe konnte sein Revier noch einmal verteidigen. Soll heißen: Der letzte Mégane R.S. ist in der Erinnerung ein nahezu perfekter Hot Hatch. Ein rauer Spielgefährte mit allen Zutaten, die man sich bei einem Kompaktsportler wünscht: direkte Lenkung, sportliches Fahrwerk, knackige Handschaltung und wilder Motor. Anfang des Jahres ließ Renault nun die dritte Generation des R.S. (in der vierten Generation des Mégane) auf die Straße und die Fußstapfen waren erwartungsgemäß groß. Dazu die Sorge, die Renault-Sport-Fans seit der verunglückten, weil zu weichgespülten vierten Generation des einst so verehrten Clio R.S. umtrieb: Wird auch der Mégane vom knallharten Tracktool zum sanften Kompakten, mit dem man auch den Alltag ganz locker bewältigen kann? Nein – und doch, irgendwie. Von vorne. Die Zutaten, die die Franzosen für den neuen Mégane R.S. ausgesucht haben, unterscheiden sich gleich in mehreren Bereichen von jenen Ingredienzien, die den „Alten“ zu einem so hervorragenden Sportwagenkiller im Golfklassenkleid gemacht haben. Da sind einerseits die fünf Türen, die der neue R.S. zwingend und jederzeit trägt, den legendären Vorgänger gab es ausschließlich als dreitüriges „Coupé“. Trotz der familienfreundlicheren Türpolitik ist der dritte Mégane R.S. wohl der aktuell hübscheste Hot Hatch. Dicke Backen, ein pralles Heck und eine aggressiv gezeichnete Front mit großen Lufteinlässen lassen den Franzosen deutlich ernsthafter erscheinen als Hyundais i30N oder Seats Leon Cupra. Lediglich der Honda Civic Type R ist styletechnisch noch wilder unterwegs. Während die Türen mehr wurden, spart Renault mit dem neuen Modell woanders, und zwar am Hubraum. Statt des charakterstarken, aber etwas klangarmen Zweiliter-Turbos sitzt unter der Motorhaube nun ein 1,8-Liter-Benziner mit Aufladung, der es dennoch schafft, den Mégane 3 R.S. in der Leistung zu überbieten: 205 kW/280 PS zu 201 kW/273 PS. Neuigkeiten gibt es auch bei der Kraftübertragung. Und hier zeigt sich, dass die Renault-Sport-Verantwortlichen durchaus aus dem Purismus-Desaster beim Clio 4 R.S. gelernt haben. Im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder ist der neue Mégane sowohl mit einer klassischen (technisch zum Vorgänger identischen), manuellen Sechsgang-Schaltung als auch mit einem Doppelkupplungsgetriebe mit der gleichen Anzahl an Fahrstufen zu haben. Letztere war auch in unserem Testwagen montiert und hat im Alltag einen guten Job gemacht. Einzige Kritikpunkte: Ein siebter Gang und besser platzierte Schaltwippen wären wünschenswert. Alltagstauglichere Karosserie und Downsizing-Motor. Also doch das gleiche Schema wie beim kleinen Bruder? Keineswegs. So gut der neue Antriebsstrang auch funktioniert, die wahren Kernkompetenzen des Mégane R.S. liegen weiterhin im Fahrwerks- und Lenkungs-Bereich. Hier punktet die dritte Generation nicht nur mit der bereits aus den Vorgängern bekannten, gegen Antriebseinflüsse entkoppelten Lenkachse, auch ein paar coole, neue Features finden sich unter dem hübschen Blechkleid. Da hätten wir beispielsweise die Stoßdämpfer mit hydraulischen Endanschlägen (quasi ein Stoßdämpfer im Stoßdämpfer) aus dem Rallye-Sport, die den Fahrer zu keiner Zeit ein adaptives System vermissen lassen, sondern permanent ein ausgeglichenes und sattes Fahrgefühl vermitteln. Noch besser als das Fahrwerk ist allerdings die Allradlenkung „4Control“, die je nach Geschwindigkeit stabilisierend wirkt oder das Auto noch agiler macht. Bei niedrigen Tempi lenkt die Hinterachse gegen und verkleinert den Wendekreis, bei höheren Tempi zeigen die Hinterräder in die gleiche Richtung wie die Vorderräder und sorgen so für ein stabileres Fahrverhalten. Im Race-Modus lenkt das Heck bis 100 km/h gegen, kein anderer Hot Hatch geht dann so gut ums Eck wie der Mégane. Lediglich der Vorgänger – ja, da ist er wieder – war mit seiner konzeptbedingt leichten Hinterachse ähnlich leichtfüßig unterwegs. Ist der neue Mégane R.S. seinem ergrauten Vater also in allen Belangen überlegen? Nein, ganz so gut ist der Franzose dann doch nicht. Er ist eher als eierlegende Wollmilchsau zu sehen, die fahrdynamisch wohl perfekter, wenn auch nicht mehr ganz so ehrlich ist wie die alte Generation, als Gesamtpaket aber das bessere Auto darstellt, wenn man den Leistungssport auch mit in den Alltag nehmen will. Der Innenraum bietet hier mit einem soliden Infotainment-System und diversen Annehmlichkeiten wie einem (optionalen) Head-up-Display schon recht viel. Pluspunkte gibt es hier auch für die guten Sportsitze, die in der bereits angekündigten Trophy-Variante noch um Vollschalen ergänzt werden. Die es – wie könnte es auch anders sein – bereits schon in diesem Silberrücken von Vorgänger gab. Letztlich bekommt man mit dem neuen Renault Mégane R.S. einen hervorragenden Kompaktsportler, der zwar etwas sanfter und vernünftiger geworden ist als das alte Modell, es auf der Landstraße oder der Rennstrecke aber dennoch richtig krachen lassen kann. Los geht es für das Modell mit Doppelkupplungsgetriebe bei 35.590 Euro, mit etwas Ausstattung lässt sich aber auch die 40.000-Euro-Grenze problemlos knacken. Hier rächt sich die moderne Technik, denn die Konkurrenz von Seat, Honda und vor allem Hyundai gibt es deutlich günstiger. Renault Mégane R.S. – Technische Daten: Viertüriger, fünfsitziger Kompaktsportler mit Vorderradantrieb, Länge: 4,36 Meter, Breite: 1,88 Meter, Höhe: 1,43 Meter, Radstand: 2,67 Meter, Kofferraumvolumen: 384 Liter 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, 205 kW/280 PS, maximales Drehmoment: 390 Nm bei 2.400 - 4.800 U/min, 0-100 km/h: 5,8 s, Vmax: 255 km/h, Durchschnittsverbrauch: 7,2 l/100 km, CO2-Ausstoß: 161 g/km, Abgasnorm: Euro 6 Preis: ab 35.590 Euro mit Doppelkupplungsgetriebe Kurzcharakteristik: Warum: ein rundum gelungenes und dabei noch alltagstaugliches Spaßfahrzeug Warum nicht: Motor wirkt etwas angestrengt, Navi nicht auf Höhe der Zeit Was sonst: Honda Civic Type R, Hyundai i30 N, Peugeot 308 GTi oder ein gebrauchtes Vorgängermodell

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