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Ziemlich golfig

19.09.2019 - Skoda macht im VW-Konzern ziemlich viel richtig und hat sich in Deutschland als stärkste Importmarke etabliert. Dabei helfen vor allem Fahrzeuge, die günstiger, aber nicht schlechter sind als ihre Wolfsburger Verwandten. Der Scala zum Beispiel.

  • Der Skoda Scala tritt gegen den VW Golf an ©

    Der Skoda Scala tritt gegen den VW Golf an © Skoda

  • Die verlängerte Heckscheibe ist Option ©

    Die verlängerte Heckscheibe ist Option © Skoda

  • Der Scala ist der Nachfolger des Rapid Spaceback ©

    Der Scala ist der Nachfolger des Rapid Spaceback © Skoda

  • Der Kofferraum ist groß, aber nicht komplett eben ©

    Der Kofferraum ist groß, aber nicht komplett eben © Skoda

  • Der Scala tritt selbstbewusst auf  ©

    Der Scala tritt selbstbewusst auf © Skoda

  • Technisch ist der Scala dem Polo etwas näher als dem Golf ©

    Technisch ist der Scala dem Polo etwas näher als dem Golf © Skoda

SP-X/Köln. Der Skoda Rapid Spaceback schlug sich als günstige Golf-Alternative in Deutschland eher mäßig. Sein indirekter Nachfolger Scala macht fast alles besser – verlangt dafür aber auch einen höheren Preis.

Mit 4,36 Metern ist er dem Wolfsburger Kompaktklassenprimus in der Länge 10 Zentimeter voraus. Vor dem braucht er sich optisch übrigens nicht verstecken: Das sauber geschneiderte Blechkleid mit scharfen Kanten und intensivem Scheinwerferblick hat die leichte Biederkeit des Rapid abgelegt und schafft nun sichtbar mehr Präsenz. Das gilt auch für das Heck mit der verlängerten Scheibe (Option); beim Vorgänger wirkte das noch wie ein hilfloser Versuch, die Optik etwas aufzuwerten. Beim Scala unterstreicht es den höheren formalen Anspruch der ganzen Karosserie.

Doch nicht nur die Äußerlichkeiten stimmen, auch die inneren Werte wissen zu überzeugen. Vor allem im hinteren Teil des Wagens. Der Knieraum im Fond sprengt die Klassenstandards, während das Dach allerdings für ausgesprochene Sitzriesen etwas zu tief hängt. Vorne sitzt es sich ebenfalls recht luftig, ohne dass man mehr als das in diesem Segment übliche erwarten dürfte. Der Kofferraum fällt mit 467 Litern eine gute Ecke üppiger aus als im Golf und wächst bei umgeklappter Fondbank auf den Klassenbestwert von 1.410 Liter. Allerdings stört dann eine leichte Schräge beim Beladen. Den kleine Malus gleichen eine umklappbare Beifahrerlehne und ein doppelter Ladeboden jedoch mehr als aus. Hinwegsehen kann man auch über die eher mittelmäßige Materialqualität im Innenraum, wo hartes Plastik dominiert, allerdings in ergonomisch günstiger und nüchtern-eleganter Form. Die Bedienung dürfte jedem leichtfallen, der auch nur einmal in einem VW, Skoda oder Seat gesessen hat. Und das gilt auch, wenn das neue Infotainment-System an Bord ist, das mit leicht geänderter Menüführung und vor allem standardmäßiger 3G-Vernetzung aufwartet.

Keine Schwächen zeigt der Skoda auf der Straße. Das Fahrwerk ist eher straff abgestimmt, was für Verbindlichkeit auf kurvigen Etappen sorgt. Gleichzeitig kommt der Komfort nicht zu kurz; auch aufgrund des langen Radstands passiert der Tscheche Verwerfungen und Unebenheiten durchaus lässig. Diese Ausgewogenheit macht ihn zum guten Allrounder: Lange Reisen auf der Autobahn sind ebenso möglich wie flottere Landstraßenetappen, zu denen auch die recht direkte Lenkung gut passt. Positiv fällt in jedem Fall die gute Geräuschdämmung auf; weder Fahrt- noch Motorlärm dringen über Gebühr in den Innenraum – der Skoda wirkt in dieser Beziehung hochwertig wie ein Golf.

Die angenehme Akustik ist umso bemerkenswerter als dass im Testwagen ein Dreizylinderbenziner  montiert war. Zwar sind die kleinen Motoren heutzutage nicht mehr die unruhigen Gesellen früherer Jahre, doch so zurückhaltend wie im Scala sind sie nur selten ausgeprägt. Der 1,0-Liter-Turbobenziner ist aber alles andere als eine Trantüten und überzeugt mit quirligem Temperament. Trotz des geringen Hubraums lässt sich der gekoppelte Motor auch schaltfaul fahren. Der Praxisverbrauch liegt dabei knapp oberhalb von sechs Litern – ein ordentlicher Wert.

Die Reife und Ausgewogenheit gibt es allerdings nicht zum Nulltarif. Die günstigste Scala-Variante (70 kW/95 PS) kostet in der Basis-Ausführung „Active“ 17.350 Euro, kommt dann aber sehr mager ausgestattet daher. Wer auf Kompaktklassen-Standards wie Klimaanlage, Fensterheber rundum und Co. nicht verzichten will, zahlt schon 20.200 Euro für das „Ambition“-Modell. Wählt man dann auch den starken Benziner, werden bereits 21.400 Euro fällig. Für das gleiche Geld gibt es auch schon einen identisch motorisierten Basis-Golf VII mit ein bisschen weniger Ausstattung und etwas weniger Platz. Spürbarer wird die Hierarchie im Volkswagen-Konzern erst bei den luxuriöser ausgestatteten Varianten – in der vergleichsweise üppig bestückten „Style“-Ausführung (ab 23.400 Euro für den 115-PS-Benziner) kann der Scala den Golf schon deutlicher distanzieren. Wenn man den Skoda wählt, sollte man sich also durchaus ein wenig Luxus gönnen.

Technische Daten – Skoda Scala 1.0 TSI:
fünftüriger Kompaktwagen, Länge: 4,36 Meter, Breite: 1,79 Meter (ohne Spiegel), Höhe: 1,50 Meter, Radstand: 2,65 Meter, Leergewicht: ab 1.240 kg, Kofferraumvolumen: 467-1.410 Liter.

1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner: 85 kW/115 PS, maximales Drehmoment: 200 Nm bei 2.000-3.500 U/min, Sechsgang-Handschaltung, 0-100 km/h: 9,8 s, Vmax: 201 km/h, Verbrauch: 5,0-4,9 l/100 km, CO2-Ausstoß: 113-111 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-Temp, Effizienzklasse: B, Testverbrauch: 6,1 l/100 km; Preis: ab 18.550 Euro.

Kurzcharakteristik – Skoda Scala 1.0 TSI:
Warum: viel Platz, ausgewogenes Fahrwerk, quirliger und sparsamer Motor
Warum nicht: einfache Materialien, magere Basisausstattung,
Was sonst: VW Golf oder Seat Leon

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