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Suzi Sausebraus

13.09.2018 - Unbeschwert, leicht und äußerst amüsant: So zeigte sich der neue Suzuki Swift Sport im Test. Für echte Asphalt-Asketen gibt es allerdings doch ein paar Nachteile.

  • Der Suzuki Swift Sport im Test ©

    Der Suzuki Swift Sport im Test © Suzuki

  • Ein Blick in den Innenraum ©

    Ein Blick in den Innenraum © Suzuki

  • Die Sportsitze sind ordentlich gepolstert ©

    Die Sportsitze sind ordentlich gepolstert © Suzuki

  • 140 PS hat der kleine Floh unter der Haube ©

    140 PS hat der kleine Floh unter der Haube © Suzuki

  • Der Suzuki Swift Sport startet bei 21.400 Euro ©

    Der Suzuki Swift Sport startet bei 21.400 Euro © Suzuki

SP-X/Köln. Der Suzuki Swift Sport ist definitiv ein possierliches Tierchen. Schon in der Basis – und daher aufpreisfrei – in quietschgelbem „Champion Yellow“ lackiert, dazu die verspielte Optik mit großen Augen, kurzen Überhängen und dicken Endrohren. Ein Gute-Laune-Auto, das selbst an verregneten Spätsommertagen eine leuchtende Antithese zum dunkelgrau-weiß-silbernen Einheitsbrei deutscher Straßen ist. Und die Fröhlichkeit spiegelt sich nicht nur im Exterieur-Design wieder, auch das Fahren und Leben mit der neuesten Generation des witzigen Winzlings ist meist ein Quell der Freude. Warum? Nun, auf der Habenseite in Sachen Performance stehen das erfreulich niedrige Leergewicht von 970 Kilogramm (ohne Fahrer und Treibstoff) sowie der überraschend drehfreudige 1,4-Liter-Turbo mit 103 kW/140 PS. Der liegt zwar leistungsmäßig deutlich unterhalb der Konkurrenz, für flotte Landstraßen-Runden reicht die Kraft aber mehr als aus. Verbunden werden Chassis und Motor vom Fahrer, durch eine handfeste Sechsgang-Handschaltung und ein Fahrwerk, dessen Vorzüge sich im sportlichen Gebrauch erst auf den zweiten Blick offenbart. Die Federn erscheinen in den ersten zügig gefahrenen Kurven zu weich, die Lenkung zu unkommunikativ und die Dämpfer zu großzügig bei der Entscheidung, welche Wellen der Fahrer im Popometer spüren soll und welche nicht. Doch die recht lax wirkende Einstellung zum Thema Leistungssport ist kein Problem des Swift Sport per se, sondern eher auf das Vorurteil des Fahrers zurückzuführen, ein sportlicher Kleinwagen müsse im Sinne der Performance so hart, direkt und diszipliniert sein wie ein Renault Clio R.S. Trophy oder ein Abarth 595 Competizione. Dass es auch anders ganz wunderbar geht, zeigt der Swift Sport Kurve um Kurve. Zugegeben: Für Durchzug, Dämpfer-Setup, Gangwechsel und Lenkungs-Feedback gibt es jeweils einzelne Paradebeispiele, an die der kleine Japaner nicht heranfahren kann, das Gesamtpaket stimmt beim Swift Sport dennoch. Er ist eher Freund als Sparringspartner. Mehr Joggen als Sprint. Einfach freundlicher als die anderen. Und wie man so von Kurve zu Kurve saust, den gelben Floh vor der nächsten Ecke mit tänzelndem Heck zusammenstaucht und leicht schaukelnd auch die nächste Biegung mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit nimmt, da fragt man sich schon, was man mit der ganzen Armada an Assistenzsystemen anfangen soll, die Suzuki dem Swift Sport, sagen wir mal, spendiert hat. Das klingt freundlicher als „aufgezwungen“, bedeutet aber im Umkehrschluss trotzdem, dass man als junger Autofahrer mit Lust auf einen sportlichen Kleinwagen – betrachtet man nur das Verhältnis von Pferdestärke (140) zu Euro (21.400) – einen schlechteren Deal macht als bei anderen Fahrzeugen im Segment. Objektiv gibt es kein Argument, Suzuki dafür zu kritisieren, dass der Swift Sport bis oben hin vollgestopft ist mit allerlei Helferlein. Trotzdem wäre ein Swift Sport für etwa 17.000 Euro mit Infotainment, Sitzheizung, Sportschalen, fünf Türen, ordentlichem Kofferraum, liebevoller Optik (ja, hat er alles) aber ohne – oder zumindest nur optionalem – Spurhalteassistent, Abstandstempomat oder Auffahrwarner mit Sicherheit ein begehrteres Fahrzeug in der anvisierten Zielgruppe. Leider ist die Preispolitik der Japaner nicht die einzige Baustelle, die dem Swift Sport im Haifischbecken der flotten Kleinwagen das Leben schwer machen dürfte. Während der Swift von außen gleich als Aushänge-Athlet der Baureihe zu erkennen ist, müssen Fahrer und Passagiere im Innenraum erst einmal einen Blick aufs Datum im Kalender werfen. Man könnte es retro nennen, altbacken trifft es allerdings besser. Die Materialien an Armaturenbrett, Mittelkonsole und Türverkleidung sind bei einem Preis von über 20.000 Euro beinahe frech, die Ausdünstungen des günstigen Plastiks besonders im Sommer während der ersten paar Minuten Fahrt eine Qual. Und auch bei den Emotionen, die andere Kleinstsportler über eine direkte Lenkung oder einen kernigen Auspuffsound erschaffen, steht der Swift hinten an. Der turbogeladene Vierzylinder klingt bestenfalls okay, ein Sportauspuff sollte beim Facelift mindestens an Bord sein. Obwohl wir uns über den lieblosen Innenraum, den Preis und die halbseidene Performance-Attitüde ausgelassen haben, stellte sich eine gewisse Traurigkeit ein, als der Swift Sport den Redaktionsfuhrpark wieder verlassen musste. Irgendwie bringt er doch viel von dem zusammen, was ein simples, spaßiges Auto ausmacht. Keine Spitzenleistungen in speziellen Bereichen aber ein ausgeglichenes Gesamtbild, das den Suzuki zu einem Begleiter für jeden Tag macht, der nach vielen Stunden am Schreibtisch durch seinen jugendlichen Übermut einfach für gute Laune sorgt. Suzuki Swift Sport – Technische Daten: Fünftüriger, fünfsitziger Kleinwagen, Länge: 3,89 Meter, Breite: 1,74 Meter, Höhe: 1,50 Meter, Radstand: 2,45 Meter, Kofferraumvolumen: 265 Liter 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, 103 kW/140 PS, maximales Drehmoment: 230 Nm bei 2.500 – 3.500 U/min, Sechsgang-Getriebe, Vorderradantrieb, Vmax: 210 km/h, 0-100 km/h: 8,1 s, Durchschnittsverbrauch: 5,6 l/100 km, CO2-Ausstoß: 125 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Preis: ab 21.400 Euro Kurzcharakteristik: Warum: erfrischend simpler Fahrspaß, coole Optik Warum nicht: billige Materialien im Innenraum, Assistenten verpflichtend Was sonst: Seat Ibiza, Opel Corsa GSi, Ford Fiesta ST-Line, Abarth 595