Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Jazz-Standards als Folk-Solo: M. Ward singt Billie Holiday

22.12.2020 - Zuerst ein starkes Album mit eigenen Liedern, nun eine geglückte Folk-Verbeugung vor der legendären Jazzsängerin Billie Holiday: M. Ward hat sich 2020 nicht nur ein Fleißkärtchen verdient.

  • M. Ward hat einige Songs von Billie Holiday dekonstruiert. Foto: Holly Andres/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    M. Ward hat einige Songs von Billie Holiday dekonstruiert. Foto: Holly Andres/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Viele Musiker waren im Corona-Jahr sehr produktiv - mit gleich zwei Alben wie Taylor Swift oder ungeplanten, aber grandiosen Homeoffice-Aufnahmen wie Paul McCartney. Auch der US-Sänger, Songwriter und Gitarrist M. Ward beglückte seine Fans.

Nach der sehr gelungenen Platte «Migration Stories» aus dem April ist nun mit «Think Of Spring» (Anti-/Indigo) eine weitere, aus elf Stücken bestehende Songsammlung auf dem Markt. Diesmal sind es aber keine eigenen Lieder von Matthew Stephen Ward aus Ventura County/Kalifornien, sondern «nur» Cover uralter Jazz-Standards.

Gemeinsam ist diesen Tracks, dass sie vor über 60 Jahren von der legendären tragischen Sängerin Billie Holiday (1915-1959) interpretiert wurden. Ganz konkret geht «Think Of Spring» auf das späte Holiday-Meisterwerk «Lady In Satin» (1958) zurück.

Ward - ein sensibler, wenn auch nicht herausragender Sänger und dafür umso virtuoserer Gitarrist - dimmt die zum Teil als Genre-Klassiker berühmten Lieder konsequent aufs Folk-Format herunter. Er versucht also gar nicht erst, unsterbliche Stücke wie «I Get Along Without You Very Well», «You've Changed» oder «You Don't Know What Love Is» im Stil der Jazz-Diva aufzufassen, geschweige denn sie so zu singen.

Und das tut seinen Versionen hörbar gut. Ward hat mit seiner angerauten, verträumten Folkie-Stimme eine ganz eigene Statur, um solchen Ikonen längst vergangener Songwriter-Genies neues Leben einzuhauchen. Da er seinen Gesang nur mit einer Akustikgitarre begleitet, kommt auch kein Chet-Baker-Feeling auf - der fragile Jazz-Trompeter und Sänger hatte einige dieser melancholischen Lieder ebenfalls einst großartig interpretiert.

«Lady In Satin» erschien 1958 als orchestrale Jazz-Platte über die große Plattenfirma Columbia Records - und Matt Wards spartanisch-reduzierte «Reimagination» jetzt bei einem feinen Indie-Label. Wenn «Think Of Spring» dazu führt, dass sich Musik-Gourmets auch das Original mal wieder (oder erstmals) anhören, hat der Amerikaner schon mal ein Ziel erreicht.

Er habe «Lady In Satin» selbst erst mit ungefähr 20 entdeckt, sagt der 47-Jährige. «Ich erinnere mich, dass ich den Klang ihrer Stimme fälschlicherweise für eine wunderschön perfekt verzerrte E-Gitarre gehalten habe - etwas Außerweltliches, das da über einem sonderbar traurigen Ozean von Streichern hereinflutete, und ich hing für immer am Haken.» Nun, knapp drei Jahrzehnte später, ist Ward eine zarte, berührende Billie-Holiday-Hommage geglückt.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren