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«Nationalstraße»: Harte Schale, weicher Kern

08.06.2020 - Ein Muskelpaket wohnt in einer Plattenbausiedlung am Rande von Prag. Dort steigt er zu voller Größe auf, als sein Viertel in Gefahr gerät.

  • Vandam (Hynek Cermak, l) ist ein Mann mit losem Mundwerk. Foto: 42film GmbH/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Vandam (Hynek Cermak, l) ist ein Mann mit losem Mundwerk. Foto: 42film GmbH/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Belgier Jean-Claude Van Damme ist bekannt für so große wie ansehnliche Muskelpakete und schlagkräftige Action- und Kampfkunstfilme wie «Karate Tiger»). Der Protagonist in «Nationalstraße» hat seinen Spitznamen nach genau diesem legendären Actionhelden gewählt: Vandam.

Dieser Vandam lebt in einer nicht sehr pittoresken Plattenbausiedlung am Rande von Prag. Verlassen hat er diese Gegend sein ganzes Leben lang nie. Wenn Vandam in der Früh auf seinen Balkon tritt, dann begrüßt er seine Nachbarschaft mit den Worten: «Guten Morgen, ihr Arschlöcher!».

Angelehnt an sein großes Vorbild, so sieht sich auch dieser Vandam als Meister der Liegestütze (200 am Stück!). Nicht nur, dass dieser Kerl ohne Haare auf dem Kopf ein äußerst loses Mundwerk hat («Frieden ist nur eine Pause zwischen zwei Kriegen»), auch seine beiden Fäuste lässt dieser tätowierte Bär von einem Mann gern mal spielen. Vandam indes verfügt noch über eine gänzlich andere, eine viel gefühlvollere Seite. Und so ist der Haudrauf mehr heimlich denn offen verliebt. Verliebt in Lucka.

Ausgerechnet die Kneipe dieser, von Vandam so verehrten Lucka ist in Gefahr als es skrupellose Immobilienentwickler auf Vandams Viertel abgesehen haben. In der Gaststätte wird Vandam zudem von all seinen Saufkollegen als Nationalheld verehrt, hat er doch einst - zumindest berichtet er stolz davon - die Samtene Revolution mitausgelöst. Jetzt aber, wo sein altgeliebtes Viertel bedroht wird, wo seine Lieblingskaschemme einem neuen Gebäude weichen soll, jetzt erst erwächst Vandam zu voller Größe - geht in den Kampf doch um das, was ihm wirklich am Herzen liegt.

Es handelt sich bei diesem so breitbeinigen wie poetischen Film um das zweite Langwerk des in Berlin lebenden Regisseurs Štěpán Altrichter (Erstling: «Schmitke» von 2014, mit Peter Kurth in der Hauptrolle). Basierend auf einem Roman von Jaroslav Rudiš ging es dem Regisseur bei «Nationalstraße» nach eigenen Worten darum, einen Film zu machen, «der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig, Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.» Seine Premiere feierte der erst ab 16 Jahren freigegebene Einundneunzigminüter beim Filmfestival Cottbus.

Nationalstraße, Deutschland/Tschechien 2019, 91 Min., FSK ab 16, von Štěpán Altrichter, mit Hynek Čermák, Kateřina Janečková, Jan Cina

© dpa-infocom, dpa:200604-99-302240/4

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