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«Eiserne Lady» des Eiskunstlaufs: Jutta Müller wird 90

10.12.2018 - Sie ist die erfolgreichste Eiskunstlauf-Trainerin der Welt und eine Legende in der Geschichte des DDR-Sports. 57 Medaillen gewann Jutta Müller mit ihren Läufern, darunter Katarina Witt, Gaby Seyfert, Anett Pötzsch und Jan Hoffmann. Am Donnerstag feiert sie 90. Geburtstag.

  • Katarina Witt (L) mit ihrer ehemaligen Trainerin Jutta Müller im Chemnitzer Eissportzentrum. Foto: MDR © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Katarina Witt (L) mit ihrer ehemaligen Trainerin Jutta Müller im Chemnitzer Eissportzentrum. Foto: MDR © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Jutta Müller war eine der schillerndsten und erfolgreichsten Trainerinnen des DDR-Sports.

Linientreue und SED-Mitgliedschaft hielten die «Eiserne Lady» des Eiskunstlaufs nicht davon ab, mit Pelzmantel in den Arenen der Welt an der Seite ihrer Schlittschuh-Größen Katarina Witt, Anett Pötzsch, Gaby Seyfert oder Jan Hoffmann die Erfolge zu feiern. 57 Medaillen bei EM, WM und Olympischen Spielen sind die einmalige Bilanz von Jutta Müller, die am 13. Dezember ihren 90. Geburtstag feiert.

«Sie hat Talent erkannt und war selbst getrieben, dass man dies nicht vergeudet», erklärte Kati Witt im Interview der Deutschen Presse- Agentur das Erfolgsgeheimnis ihrer einst strengen und autoritären Trainerin. «Da war sicherlich ein großer Teil eigener Ehrgeiz bei ihr dabei, aber eben so, dass sie sich verantwortlich fühlte, das Beste gemeinsam mit dem Sportler herauszuholen.» Sie sei eine Trainerin aus Passion gewesen, die «eigentlich nur ans Eiskunstlaufen gedacht und nichts dem Zufall überlassen» hatte.

Die in Chemnitz geborene Jutta Müller führte das «schönste Gesicht des Sozialismus» 1984 und 1988 zu Olympiasiegen wie 1980 auch Anett Pötzsch. Zudem holte sie mit ihrer Tochter Gaby Seyfert und Jan Hoffmann jeweils Olympia-Silber und Titel bei Europa- und Weltmeisterschaften. Und fast alle ihre prominenten Schüler waren am Samstag gekommen, um sie bei einer Hommage auf dem Eis in Chemnitz zu ehren und an ihre vielen Erfolge zu erinnern. «Ohne sie hätte ich nie diese Weltkarriere erreicht», versicherte Kati Witt.

«Sie verkörperte diese Erfolge der DDR, sie wusste, wie man Erfolg produziert», sagte Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union, über Jutta Müller. «Und das DDR-System war wie für sie gemacht, bot ihr alle Möglichkeiten, weil Eiskunstlauf den Touch des Schillernden hatte.» Es sei deshalb im «tristen Staat der DDR etwas Besonderes gewesen, dem Westen da etwas vormachen zu können».

Nach dem Mauerfall spielte Jutta Müller keine große Rolle mehr, trainierte aber in Chemnitz noch jahrelang Nachwuchsläufer. «Leider gehörte auch sie zu den Weltklassetrainern aus der DDR, die man nach der Wende bedauerlicherweise kalt gestellt hat», kritisierte Kati Witt. Für ihr Comeback bei den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer hat sie ihre Ex-Trainerin engagiert, damit Jutta Müller «den verdienten Respekt noch einmal zu spüren bekommt».

Nachträglich für falsch hält auch Dönsdorf, dass die DEU der Trainer-Legende aus dem Osten nicht mehr die Bühne gegeben hat, die sie verdient hätte: «Man hätte mehr von ihrem Know-how rüberretten können.»

Auch Jutta Müller haderte damit, im vereinten Deutschland ins Abseits gestellt worden zu sein. «Natürlich war ich ein Kind des alten Systems, aber ich hätte mehr Verständnis dafür erwartet, dass ich mich während des Umbruchs in vielen Dingen neu zurechtfinden musste», sagte sie, die sich heute kaum noch zu Wort meldet, einmal.

Sie war 1946 in die SED eingetreten war und wurde 1949 DDR-Meisterin im Paarlauf mit Irene Salzmann, weil es nach dem Krieg keine männlichen Partner gab. Im Einzel erreichte sie bei den DDR- Titelkämpfen 1953 als Dritte die beste Platzierung. Als Trainerin führte Jutta Müller zuerst ihre Tochter Gaby Seyfert 1969 und 1970 zu WM-Gold.

«Ich habe viel verlangt und viel gegeben», beschrieb sie ihre Beziehung zu ihren Läufern. Den Ton und die Richtung gab aber immer Jutta Müller an. Bei Kati Witt ist aus einer Hassliebe zu Athletenzeiten ein großer Respekt, eine große Verehrung und eine große Dankbarkeit geworden - aber keine Freundschaft: «Lustigerweise sieze ich sie noch immer.»

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