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Gamerdingers Fußball-Kolumne

26.03.2019 - „Zieh den Kopf aus der Schlinge, Bruder John – nimm das nächste Pferd und reite schnell davon….“! Wer aus der reiferen Generation kennt den alten Gassenhauer nicht, den Udo Jürgens 1974, übrigens das Jahr des zweiten WM-Titels für die damalige BRD, zum Besten gab. Möglicherweise spukte die deutsche Country-Hymne auch dem Bundestrainer vor dem EM-Qualifikationsspiel am Sonntag in Amsterdam im Kopf herum, denn die Medienschelte und Gesamtumstände, die ihn zum Umbau seines Teams „zwangen“, waren alles andere als angenehm. Sogar sein Stuhl wurde trotz eines gut dotierten und langfristen Vertrags öffentlich ins Wackeln gebracht. Selbst, wenn das so gewesen wäre: Joachim Löw saß wie ein Fels in der Brandung auf der Trainerbank, gestikulierte, korrigierte und wirkte alles andere, als von „Fluchtgedanken“ getrieben.

  • Nico Schulz (l.) absolvierte sein bestes Länderspiel. Der Hoffenheimer krönte seine Leistung mit dem Siegtor in der Schlussminute © picture alliance/Revierfoto/Revierfoto/dpa /

    Nico Schulz (l.) absolvierte sein bestes Länderspiel. Der Hoffenheimer krönte seine Leistung mit dem Siegtor in der Schlussminute © picture alliance/Revierfoto/Revierfoto/dpa / Revierfoto

Momentaufnahme

Der Bundes-Jogi hatte auch keinen Grund zu flüchten, denn er hatte auf das richtige Pferd gesetzt. Dabei ging es gar nicht mal so um die neue Aufstellung, sondern um die veränderte Einstellung. Schon nach fünf Minuten hatte ich die erste begeisterte Kurznachricht auf dem Handy, als der Kollege das „beste Spiel seit dem Confed-Cup“ gesehen haben wollte. Das war natürlich Quatsch und genauso eine Momentaufnahme wie insgesamt dieser letztlich glückliche 3:2-Sieg beim niederländischen Erzrivalen im Gesamtkontext der vergangenen 17 Länderspiele (mit gerade mal fünf Siegen...) nach der WM-Qualifikation zu sehen ist.

Die EM-Qualifikation ist damit quasi nach dem ersten Spiel geschafft, aber es war natürlich nicht alles Gold, was da glänzte. So gut, wie auch der Schachzug mit den ins Zentrum rochierenden Außenstürmern Serge Gnabry und Leroy Sané funktionierte, so schlecht war dann auch die neuformierte Innenverteidigung.

Überforderung

Sowohl Thilo Kehrer auf der rechten Außenbahn als auch Antonio Rüdiger und Matthias Ginter im defensiven Zentrum offenbarten, dass sie derzeit keine Akteure sind, die auf höchstem Weltniveau mithalten können. Zudem hatte Löw in seinem ganzen Offensivmut – der ja zumindest in Hälfte eins auch belohnt wurde – auch noch Joshua Kimmich, der seine Weltklasse hinten rechts bereits nachgewiesen hat, wieder völlig unnötig auf die „Sechs“ neben Toni Kroos beordert und damit gleich zwei Positionen geschwächt. Ich behaupte mal, dass den 59-jährigen Bundestrainer noch gehörige Bauchschmerzen in Sachen Innenverteidigung befallen werden. Mats Hummels und/oder Jerome Boateng lassen grüßen...!

Mutmacher

Auch wenn der Sieg vom Sonntag über einiges hinweg täuschte, war ich doch sehr positiv überrascht, mit welchem Nachdruck Joachim Löw die Veränderungen – personell wie taktisch – nun vorantreibt. Das hätte ich ihm so nicht (mehr) zugetraut. Insbesondere die Offensiv-Variante mit Sané, Gnabry und dem anlaufenden „Mittelstürmer“ Goretzka und eben zeitgleich auf die arrivierten Kräfte Reus und Werner zumindest zunächst zu verzichten, hat mich beeindruckt. Das war ein echter Mutmacher in Sachen EM-Qualifikation!

Wermutstropfen

Wermutstropfen war für mich die Tatsache, dass Marco Reus und auch Ilkay Gündogan (der zuletzt ja noch die Kapitänsbinde trug) nicht von Beginn an gespielt haben. Die vermeintlichen Oberschenkel-Probleme von Reus mag ich nicht so recht glauben, denn seine Einwechslung in der 88. Minute kann nicht ernsthaft zum Sinn gehabt haben, das Spiel noch unbedingt gewinnen zu wollen. 

Lehren

Wenn es also neben den Defensiv-Baustellen eine Lehre oder gar Lehren aus diesem großartigen Sieg zu ziehen gibt, dann doch wohl die, dass im Grunde genommen die Einwechslung von Gündogan den Sieg erst ermöglichte. Er war es nämlich, der mit seiner individuellen (Welt-)Klasse das Spiel der deutschen Mannschaft in ruhigeres, stabileres Fahrwasser lenkte. Ein Mann mit seiner Technik und Übersicht gehört in die erste Elf und nicht auf die Bank! Die zweite Lehre ist mit meinem persönlichen Wunsch gleichzusetzen: Endlich ist BVB-Kapitän Marco Reus fit – nun lass ihn bitte auch spielen, Jogi! Dann gibts auch beim nächsten Mal wieder Tulpen statt Nulpen aus Amsterdam. Die dritte Lehre geht in Richtung Thomas Müller, den Udo Jürgens wohl schon auf derselben Vinyl-Platte von 1974 mit dem besagten Bruder John besang: „Es geht auch ohne Dich - sehr gut

Knapp neben dem Platz

Zwei Dinge habe ich nach dieser Länderspiel-Woche aber noch auf dem Herzen: Erstens ist da der Rucksack von Leroy Sané. Dieser zeigt mal wieder, dass beim DFB irgendetwas nicht stimmt, denn es wäre doch ein Leichtes, wenn der Teammanager ansagt, zum Treffpunkt im normalen Trainingsanzug zu erscheinen. Andererseits ist mir der Rucksack völlig egal, denn jedem Nationalspieler sei der Reichtum gegönnt. Und in der Realtion zu meinem Gehalt war mein acht Jahre alter Rucksack bestimmt deutlich teurer als Sanés. Ich kann nur leider nicht so gut Fußball spielen... 

Und dann ist da noch der Kollege Andre Voigt: Er machte den Rassismus-Eklat beim 1:1 gegen Serbien in Wolfsburg publik. Völlig zu recht, aber das Problem kann leider nicht auf Länderspiele reduziert werden und schon gar nicht auf drei Leute. Wie Sie alle wissen, bin ich gern mal als Schiedsrichter in der Kreisklasse aktiv und habe mit dem Videobeweis zu kämpfen - aber noch viel mehr mit den diversen Nazi-Sprüchen, die dort an der Tagesordnung sind. Natürlich alles im Eifer des Gefechts... Dies ist aber leider kein Fußball-Problem, sondern ein Gesellschaftsproblem. Dennoch: Hut ab, Andre Voigt!

Basketball gucke ich deswegen aber doch nicht - und freue mich wieder auf die Fußball-Bundesliga (und mein Senioren-Spiel als Schiedsrichter...) am nächsten Wochenende!

 

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