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Gamerdingers Fußball-Kolumne

18.06.2019 - Ich stelle es mir ja gemütlich vor im Hause Hrubesch: Nach einem ausgiebigen Nachmittagsspaziergang über die Wiesen nahe Neumünster kommt der Horst mit seiner lässig über die Schulter drapierten Angelrute ins Haus, schaut noch kurz auf seine auf der Koppel grasenden Edelbuthaflinger und setzt sich dann in den Fernsehsessel mit Blick auf den ihm 2018 verliehenen Walther-Bensemann-Preis. Aus der Küche kommt die seit ewigen Zeiten angetraute Gattin Angelika mit ein paar Schnittchen und einem Kaltgetränk – und dann gibt es trotz 27 Grad im Schatten fünf Stunden lang Fußball...

  • Der Held des ersten Spieltags: Der Augsburger Marco Richter erzielte beim 3:1 der U21-Nationalmannschaft gegen Dänemark zwei Treffer selbst und bereitete einen vor. © picture alliance / dpa / Giuseppe Maffia /

    Der Held des ersten Spieltags: Der Augsburger Marco Richter erzielte beim 3:1 der U21-Nationalmannschaft gegen Dänemark zwei Treffer selbst und bereitete einen vor. © picture alliance / dpa / Giuseppe Maffia / NurPhoto

Horst Hrubesch dürfte am Montagabend seinen Spaß gehabt haben, denn die Saat seiner Arbeit geht auf: 2016 gewann er als Trainer der U21-Auswahl bei den Olympischen Spielen die Silbermedaille, im März 2018 wurde er für acht Monate Bundestrainer der Frauen-Nationalmannschaft – und blieb mit dem Team ungeschlagen. Die deutschen Mädels sind nun bei der WM in Frankreich ein Genuss. Und das nicht nur im optischen Bereich. Nein, wir müssen nun irgendwann auch mal aufhören, unsere Fußball-Frauen darauf zu reduzieren, ob sie nun ihre schönen Fingernägel pflegen, ihre Augenbrauen gefärbt sind oder blonde Haare haben. Diese Nationalmannschaft hat eben – wie in einem Werbespot beschrieben – Pferdeschwänze, und keine Eier...

Wir sind eine Turniermannschaft

Es geht um den Sport, und da hat die DFB-Elf von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg genau das gezeigt, was man den Männern seit Ewigkeiten unterstellt: „Wir sind eine Turniermannschaft“: Dem fußballerischen Offenbarungseid mit dem 1:0 gegen die auf körperlichen Einsatz reduzierten Chinesinnen folgte eine ganz schwache Vorstellung gegen in der ersten Hälfte hochgradig überlegene Spanierinnen (wieder hieß es am Ende glücklich 1:0), ehe nun gegen den WM-Neuling Südafrika ein 4:0 zu Buche stand. So weit, so schlecht – aber jetzt geht diese WM erst richtig los, und da ist jeder DFB-Elf alles zuzutrauen. Die Weltspitze ist zwar deutlich enger zusammen gerückt und die USA und Frankreich bislang am überzeugendsten, aber ausschließen würde ich den dritten WM-Titel für unsere Frauen derzeit nicht. Obwohl bei der Abwehr regelmäßig gegnerische Spielerinnen allein auf Almuth Schult zulaufen. Am Sonnabend wird dann wohl auch „Superstar“ (gibt es sowas im Frauenfußball...?) Dzenifer Marojan als Not-Reserve auf der Bank sitzen. Die „goldene Muskelfaser“ Kalle Rummenigge im Jahr 1982 lässt grüßen...

Nun auch bei den Frauen: Videobeweis

 Diese Titelkämpfe führen uns aber leider zurück in eine Diskussion, die längst bewältigt schien: nämlich den Geschlechterkampf. Nein, ich werde mich nicht in die Geld-Diskussion einmischen. Natürlich ist die Werbung im Männer-Fußball ganz anders vertreten als beim „schwachen Geschlecht“. Und auch als emanzipierter Mann finde ich es daneben, dass bei den Tennis-Grand-Slam-Turnieren die Zwei-Satz-Damen dieselbe Kohle kassieren wie die deutlich mehr im Blickfeld stehenden Herren. Grundsätzlich werden wir dieses Problem nicht lösen können, aber was ich aus sportlicher Sicht kritisiere: Erstmals wird bei dieser WM der VAR eingesetzt, jedoch: Es gibt keine einzige Videoschiedsrichterin! Es ist doch unglaublich, dass bis heute keine Frau in das seit drei Jahren bestehende Fifa- bzw. Uefa-Programm zur Analyse der (Fehl-)Entscheidungen aufgenommen wurde. So läuft es dann eben so wie in der Bundesliga, und Felix Zwayer sitzt diesmal in einem französischen Keller und wird wie so häufig zum Fehlerflüsterer. So einen lächerlichen Elfmeter wie in der Partie zwischen Frankreich und Norwegen habe ich wohl noch nie gesehen... Und ich pfeife seit Ewigkeiten im Alte-Herren-Bereich, wo es eigentlich alles gibt, was es nicht gibt.

Auftakt der U21-Europameisterschaft

Während unsere Mädels also noch bis zum 7. Juli Zeit haben, ihre Form zu finden, müssen unsere U21-Kicker bereits am Donnerstag wieder ran, dann gegen das serbische Team. Ich muss ja sagen, dass ich mich beim EM-Auftakt der Auswahl von Trainer Stefan Kuntz gegen Dänemark ein bisschen erschrocken habe. Der 3:1-Erfolg war angesichts der Bundesliga-erprobten Spieler selbstverständlich, aber spielerisch war dann doch sehr viel Luft nach oben. Natürlich kann man das Umschaltspiel loben, wenn zwei Treffer aus Standards der Dänen entstehen – aber ich würde gerade vom Nachwuchs viel lieber schöne Dribblings, mutige Einzelaktionen und energisches Durchsetzen sehen. Stattdessen bekomme ich genau das geboten, was mir in den Nachwuchsleistungszentren der Bundesligaklubs schon von den 15-Jährigen vorgesetzt wird: Einheitsbrei mit Hacke-Spitze, Rückpässen und langen Diagonalbällen ins Niemandsland. Nein, so sollte der (deutsche) Fußball der Zukunft trotz aller jugendlichen Frische lieber nicht aussehen.

 Ich als Hamburger habe mich dann aber doch gefreut - speziell über die wirklich guten Leistungen von Jonathan Tah, Luca Waldschmidt und Uwe-Seeler-Enkel Levin Öztunali. Wären die Jungs in der aktuellen Transferperiode nicht vielleicht 'was für den HSV...?

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