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World Series of Poker 2018: Nachlese

28.09.2018 - Bei der diesjährigen 49. Ausgabe der WSOP mussten die Deutschen sich gegen enorm starke Konkurrenz verteidigen. Doch insgesamt war es ein Event der Superlative.

  • Die Chips wurden hoch gestapelt bei der WSOP 2018  ©

    Die Chips wurden hoch gestapelt bei der WSOP 2018 © Pixabay

  • Die deutsche Pokerszene freut sich über gleich drei Sieger beim Main Event  ©

    Die deutsche Pokerszene freut sich über gleich drei Sieger beim Main Event © Unsplash

Für den Durchschnittsdeutschen war der Sommer 2018 vor allem der einer verkorksten Fußball-WM. Doch lange bevor die Ball-Sause begann, zog es die Pokerspieler ins Mekka des Jeton-Geklickes, nach Las Vegas, genauer gesagt ins Rio All-Suite Hotel. Dort, wo sich vom 29. Mai bis 17. Juli die Weltelite des Pokerspiels ein Stelldichein gab, purzelten dieses Jahr die Rekorde. 

1. Die Zahlen

Fangen wir mit den normalerweise nüchternen Nummern an – die in diesem Jahr gar nicht so trocken schienen. Denn im Rio All-Suite zeigte sich, dass der Stern des professionellen Pokerspiels weiterhin im Steigen begriffen ist.

• Insgesamt wurden 78 Turniere von Texas Hold’em, Omaha Hold’em, Seven Card Stud, Razz, 2-7 Triple Draw, H.O.R.S.E. und 8-Game abgehalten – 2017 waren es noch 74, damit neuer Rekord.

• 123.865 Mal wurden Entries (Startgelder) gezahlt, auch das eine weitere Steigerung

• Die Spieler stammten in diesem Jahr aus 104 Teilnehmerländern – das entspricht mehr als der Hälfte aller Länder der Erde.

• Drei Spieler konnten nicht nur ein Bracelet einheimsen, sondern gleich zwei (Joe Cada, Justin Bonomo und Shaun Deeb).

• Das Main Event, das vom 12. Bis 14. Juli ausgetragen wurde, zog ganze 7874 Spieler, darunter 301 Frauen, an, ebenfalls ein neuer Rekord

• Insgesamt wurden an den Tagen 266,88 Millionen US-Dollar an Preisgeldern erspielt

Und wie ebenfalls in den vergangenen Jahren konnte auch die Plattform 888poker.com während des Turniers einen Anstieg der Spielerzahlen messen – kein Wunder, denn die WSOP-Turniere wurden alle per Stream übertragen und animierten so Unzählige rund um den Globus, das Turnier zu nutzen, um selbst Poker zu spielen. In den folgenden Zeilen feiern wir eine kleine Nachlese zu diesem Mega-Event zwischen Texas Hold’em und 7 Card Stud.

2. Die Sieger

Nicht nur bei den Zahlen war die WSOP 2018 an vielen Stellen rekordverdächtig, sondern auch von den Teilnehmern her. Nehmen wir John Cynn: Der 33-jährige Amerikaner war zwar weit davon entfernt, ein unbeschriebenes Blatt der Pokerwelt zu sein, doch konnte er zuvor „nur“ zwölf Money Finishes vorweisen. Sein bisher bestes Ergebnis war ein elfter Platz im 2016er Main Event. Dieses Jahr allerdings rockte er die Show, als er am Ende eines zehnstündigen Poker-Krimis (mit 442 gespielten Händen abermals ein neuer Rekord) Tony Miles besiegte, indem er dessen Bluff durchschaute und sich somit sein erstes WSOP-Bracelet sichern konnte – nebst einem Preisgeld von saftigen 8,8 Millionen US-Dollar.

Die Liste der weiteren Sieger, die bei den anderen Events ein Bracelet ergattern konnten, führt uns auch gleich zum nächsten Punkt in unserer Liste:

3. Die Deutschen

Die Fußball-WM war dieses Jahr den deutschen Sportlern nicht sonderlich gewogen, anders hingegen die WSOP, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so wirkt: Kein deutscher Spieler überlebte den sechsten Turniertag. 33 Deutsche konnten jedoch im Main Event Preisgelder einheimsen – das höchste erlangte Michael Feil, der 108.745 US-Dollar verbuchen konnte. Und auch ansonsten war es ein „Okay-Event“ für die Bundesrepublik: Von den 78 Turnieren, die vor dem Main Event ausgetragen wurden, konnten bei dreien Deutsche als Sieger vom Tisch aufstehen und zwar:

• Johannes Becker beim Mixed Triple Draw Lowball mit einem Preisgeld von 180.455 US-Dollar

• Arne Kern beim No-Limut Hold’em Millionaire Maker mit 1,17 Mio US-Dollar

• Guiseppe Pantaleo beim Tag-Team No-Limit Hold’em (zusammen mit der Inderin Nikita Luther) mit 175.805 US-Dollar

Damit rangiert Deutschland im internationalen Ranking des Turniers weit vorne. Nur China, Frankreich und Kanada konnten ebenfalls bei mindestens zwei Turnieren der WSOP 2018 Bracelets mit nach Hause nehmen. Alle anderen Nationen gewannen nur bei höchstens einem Match – während das Heimatland des Poker, die USA, wie üblich die große Masse dominierten.

4. Poker und Deutschland

Insgesamt muss man sagen, dass Poker in Deutschland in den vergangenen Jahren stark aufgeholt hat. Allerdings war das auch bitter nötig, denn die deutsche Pokergeschichte ist eine sehr kurze. Das liegt daran, dass es hierzulande vor allem mit Skat ein bereits sehr starkes, breit etabliertes Kartenspiel gab und zudem eine recht einzigartige Besonderheit: Das deutsche Blatt, das hierzulande tief wurzelte, während praktisch die gesamte Welt auf das französische Blatt setzte – worauf wiederum das beim Poker verwendete amerikanische Blatt basiert. Aufgrund dieser beiden Tatsachen behielt Skat buchstäblich die Oberhand gegenüber Poker in Deutschland bis weit in die 1990er hinein – obwohl es, gerade im Umfeld US-amerikanischer Militärbasen in der BRD, auch immer wieder öffentlich zugängliche Turniere gegeben hatte.

Dann aber überrollte eine regelrechte Pokerwelle den Planeten um den Jahrtausendwechsel herum und Deutschland wurde mitgerissen. Man erkannte, dass beim Pokerspiel Strategie und Logik vonnöten sind, was das Spiel in den Mainstream katapultierte. Weiter befeuert wurde die Poker-Lust der Deutschen dadurch, dass die Online-Welt immer mehr auf dieses Spiel setzte – für das außerhalb Deutschlands kaum gespielte Skat blieb da nur vergleichsweise wenig Raum, auch weil das Prinzip sich nicht gut ohne Blickkontakt umsetzen lässt.

5. Deutsche Zukunft

Drei von 78. Das klingt zwar nicht nach viel. Aber es ist für die Szene dennoch ein überdeutlicher Hinweis: deutsche Spieler werden auf den internationalen Turnieren immer besser, sind häufiger vertreten. Und generell wächst die deutsche Pokerszene von Jahr zu Jahr. Anders formuliert: Die Anfangstage, in denen sich erst einmal eine Kultur herausbilden musste, sind vorbei. Jetzt geht es darum, zu beweisen, dass es keine jahrhundertelange Verwurzelung innerhalb eines Landes braucht, um in einem Spiel gut zu werden. Und da können die deutschen Nachwuchstalente durchaus auf imposante Erfolge verweisen. In den USA beäugt man längst die Germans mit einer Mischung aus Argwohn und offener Neugierde. Denn einen guten Gegner am Tisch mag man dort immer gerne. Und der Ausblick, künftig am Schluss häufiger einen Deutschen als letzten Gegner vor sich zu haben, statt wie immer einen „Fellow American“, beflügelt nicht wenige. Denn dann kommt zum Poker-Spaß noch die Nationalehre hinzu, für die Spielspannung kann das nur förderlich sein.  

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