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Durchgeknallt

07.12.2018 - Es gibt vielerlei Arten von Wahnsinn. Das ist grundsätzlich prima, vor amerikanischen Bestsellern sei jedoch gewarnt.

  •  © picture alliance / dpa / Monika Skolimowska

    © picture alliance / dpa / Monika Skolimowska

Ich fange mal mit dem ganz gemütlichen Wahnsinn an. Der Eisenbahnnerd in meinem Bett hat mir ein Foto von seinem Adventskranz geschickt: ein Kreis aus hölzernen Spielzeugeisenbahnschienen, es gibt vier Teelichthalter, auf den Gleisen rattern zwei Minilokomotiven. Der Mann ist verheiratet. Das Jahr über erledigt er alles, was im Haushalt so anfällt, seine Frau geht segeln oder liegt auf der Couch. Dafür darf dann im Advent die Eisenbahn auf den Tisch. Das ist natürlich ein total okayer Deal.

Kommen wir zu hochgradigerer Narretei. Eigentlich sollte der verschwurbelte kanadische Psychologe Jordan Peterson kein Erdhörnchen aus seinem Loch hervorlocken können. Tatsächlich wieselt der Mann aber gerade durch die internationalen Medien. Das kommt, weil Jordans Ratgeber „12 rules for life“ ein Bestseller ist. Jetzt gibt es das Buch tragischerweise auch auf deutsch. Seine Botschaft richtet sich an orientierungslose Männer und lautet so: Männer! MÄNNER! Aufrecht gestanden! Seid männlich! Seid tough und dominant und stellt endlich die Ordnung der Welt wieder her. Ihr könnt das, denn ihr SEID die Ordnung. Frauen sind a) das Chaos und b) zu emphatisch, um irgendwas außer Babybetreuung geregelt zu kriegen.

Nein, liebe Erdhörnchen, das alles habe ich mir nicht ausgedacht, Douchebag Jordan hat es wirklich genauso gesagt. Wie viele Ratgeber, die in den USA erfolgreich sind, ist auch sein Buch ein Marshmallow: man denkt, man hält eine anständige Süßigkeit in den Händen, kaut dann aber nur auf Wabbel herum und fühlt sich sehr schnell irgendwie ungesund und elend.

Wir werden uns jedenfalls auch 2019 noch mit der Frage beschäftigen müssen, wo und wie das Gerangel zwischen Männern und Frauen enden wird. Wie kann man den Frust auf beiden Seiten freundlich befrieden? Wohin mit all den Nervensägen?

Meine Vorschläge sind in der Regel die besten, also: Teilen wir uns die Welt auf. Die Frauen bekommen ein paar der sonnigen Länder, dort können sie Blumenkränze flechten, Pralinen essen, in Ruhe lesen und Netflix gucken. Insgesamt haben sie viel Zeit für schöne Sachen, es fällt ja reichlich unnötiges weg, wenn kein Mann in der Nähe ist. Die Männer dürfen in Kanada und der Arktis Bären jagen und ihre eigene Ordnung schaffen. Gelegentlich besucht man sich, für die Kinderbetreuung wird sich eine Lösung finden.

Bis dahin lasst uns nicht vergessen: dies hier ist nicht Vietnam. Der Advent ist die Zeit des Portweines und der Milde. Auch die schlimmste Knallcharge will letztendlich ja nichts anderes, als liebgehabt werden.

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