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Korrekt sehr böse sein

09.02.2018 - Ab jetzt wieder für kurze Zeit jeden Donnerstagabend in deutschen Wohnzimmern: intensive Clearing-Sessions.

  • Moderatorin Heidi Klum (l-r), Wolfgang Joop und Thomas Hayo beim Finale der zwölften Staffel von «Germany's next Topmodel». Foto: Marcel Kusch © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Moderatorin Heidi Klum (l-r), Wolfgang Joop und Thomas Hayo beim Finale der zwölften Staffel von «Germany's next Topmodel». Foto: Marcel Kusch © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Natürlich gucken wir trendbewussten Tierchen eifrig Serien auf Netflix oder amazon prime. Das bringt Spaß, ist anspruchsvolle Kost und hinterher kann man sich austauschen. Allerdings kommuniziert man während des Konsums zu wenig und das ist schade. Deshalb empfehle ich dringend, ab sofort in Gemeinschaft die neue Staffel von Germanys next Topmodel anzusehen. Inhaltlich leichte Kost: ein alterndes Model (Heidi Klum) in stets zu kurzen Röckchen wählt aus einer Gruppe extrem schlanker Dummnüsschen die Geschmeidigste aus. Erstmals dürfen dieses Jahr auch zwei junge Frauen mit einem Hauch von Speck auf den Rippen mitmachen - anständigerweise leidet eine von ihnen sehr unter ihrer Moppeligkeit. Heidi sagt „streng Dich an!“, die Modelmädchen sagen „Mega!“ und „Ich werd jetzt alles geben!“. Natürlich vermittelt GNTM ein tragisches Frauenbild (dünn & doof). So, das haben wir jetzt geklärt.

Ich gucke seit vielen Jahren GNTM bei einer Freundin, gemeinsam mit anderen Müttern und Töchtern. Wir alle sind wohlerzogene, kluge Frauen mit zu dicken Oberschenkeln oder sonstwie nicht optimalen Figuren. Im Normalfall wissen wir uns gut zu benehmen und würden niemals über schlicht gestrickte Menschen oder deren Körper lästern. Nur Donnerstags kommt das Tier in uns hervor. Von dem, was in GNTM gesprochen wird, verstehen wir akustisch nichts, denn wir müssen laut all das Böse rauslassen, das in uns wohnt. Wir sprechen dabei niemals direkt miteinander, jede ruft in den Raum, was ihr gerade so in den Kopf kommt:

„Aaaah, grausam! Die sieht aus wie Gollum.“

„Zu viel Oberschenkel!“

„Österreicherische Frauen nerven. Immer! Voll die Zicken.“

„Die läuft wie Helge Schneider.“

„Überhaupt! Was hat die da bitte an?!“

„Armes Mädchen. So dumm!“

„Die kann Playboy-Bunny werden. Sonst nix.“

„Menno, es muss doch nicht jeder Transgender Model werden. Es gibt doch auch noch schöne andere Berufe. Maurer zum Beispiel.“

„Die sieht aus, wie ein Kanarienvogel. Deshalb heißt die auch Trixi.“

Warum derlei Grausamkeit so wichtig ist? Man muss die schlimmen Sachen in geschlossenen Räumen rauslassen, damit man dann wieder eine Woche lang politisch und sozial mega korrekt sein kann. Insofern ist GNTM eine saubere, hilfreiche Sache.

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