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Nur mal gucken

26.04.2019 - Immer schön offen bleiben für neue Menschen und Dinge – oft kommt dabei immerhin raus, dass es in der eigenen Blase doch eigentlich recht prima zugeht.

  • Foto: Patrick Pleul/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Foto: Patrick Pleul/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Neulich saß ich auf einer kleinen Feier in Gesellschaft freundlicher, mir nur entfernt bekannter Menschen. Schnell stellte sich heraus, dass alle Anwesenden außer mir einen Hund haben oder hatten. Alle waren sich einig, dass Hunde so ziemlich das tollste sind. „Ich liebe Hunde mehr als alles andere auf der Welt!“, rief die 85jährige Lady neben mir. Was will man noch sagen oder fragen, wenn jemand gegen Ende eines langen Lebens seine Liebesgefühle so zusammenfasst? „Wirklich? Oh, mein Gott, das ist so traurig!“? Einer der Herren liebte neben seinem Hund auch noch seine Räucherkammer und zeigte Fotos von mächtigen, geräucherten Fleisch- und Fischteilen umher. Da hatte ich nun also einige Erkenntnisse darüber gewonnen, was man neben Partner, Freunden, Familie, Kunst, Literatur, Natur und Sex noch so alles lieben kann. Ich kehrte frohgemut in meine Blase zurück.  

Auch wenn ich mir jetzt wie eine Tante vorkomme, die vom ersten Weltkrieg erzählt: Babys badete man in meiner kleinen Blase in einer Babybadewanne, zuhause. Heute bringen Eltern die Kleinen ins Baby-Spa. Für 20 Euro darf das Kindlein dort eine halbe Stunde lang in einem Minibecken mit warmem Wasser floaten. Ist das nur beknackt oder schon obszön? Baby Spas sind natürlich ein sehr viel fluffigeres Thema als Hunger, aber, liebe hippe Eltern, vielleicht mögen wir doch mal ganz kurz wieder auf den Boden der Tatsachen kommen. Wer es im Köpfchen nicht ausrechnen kann, hole jetzt bitte das Smartphone hervor und tippe in den Rechner ein: 1 x Baby-Floaten macht 20 Euro. Plus 2 x Coffee to go a 2,50 Euro = 25 Euro. Dafür kann man ein Kind in Afrika einen Monat lang vor dem Verhungern retten Nur mal so zum Beispiel.

Geld für anderes sparen kann man auch, indem man sich keinen Ratgeber für ein besseres Leben kauft. „Mehr Energie durch Mentaltraining“, „Yoga als Hilfe zur Selbstverwirklichung“ und insgesamt mehr dem eigenen Herzen folgen… umso mehr Ratgeber es gibt, umso bedürftiger werden die Menschen. Halten wir fest: Ratgeber machen wuschig und unzufrieden. Call my bubble vintage, aber Vogelgezwitscher zu lauschen oder ein gutes, bewährtes Gedicht zu lesen, scheint mir wesentlich hilfreicher. Dazu wie immer: ein Gin Tonic. Und schon klappt es wieder mit dem Frühling.   

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