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Schlimme Finger

18.05.2018 - Obacht, gefährlicher Trend! Immer mehr Menschen fragen: „alles gut?!“ Wollen die ernsthaft eine Antwort? Warnung auch vor Lieblingsmenschen und Pimmelpummeln.

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Manche Sachen lernt man irgendwann als Kleinkind und dann sind die drin. ‚Danke‘, ‚bitte‘, ‚guten Tag‘ und ‚auf Wiedersehen‘ zum Beispiel. Etwa im Teenageralter weiß man auch: wenn man einem Bekannten begegnet, lautet die korrekte Frage „Wie geht’s?“

 „Wie geht es Dir?“ ist eine offene, schöne, aufrichtige Frage und man darf antworten, was man will. „Super, hab‘ grad die Steuerklärung fertig.“ Oder „och, wenn Du so fragst: Liebeskummer, Auto kaputt und auf Arbeit… boah, Katastrophe!“

Das sind prima Antworten, da kann man mit arbeiten und anständig übers Leben plaudern. Bei „alles gut?“ geht das nicht. „Alles gut?“ will „ja, alles gut“ hören. In Amerika machen sie das schon immer so. Auf „how are you?“ sind dort genau drei Antworten gestattet, auch wenn man grad im Sterben liegt:  fine, great oder excellent.

Nun, Damen und Herren, das können wir besser. Lasst uns auf unsere schönen deutschen Tugenden besinnen. Jawohl, die gibt es. Wir sind vergrübelt, verzweifelt, romantisch. Wir beißen in Brot mit Kruste, statt auf wabbeligem Toastbrot rumzulutschen. Wir sind Probleme gewohnt, wir werden gern intim und haben keine Angst, zu erfahren, wie es Anderen geht. Wir nicht!

Anderes Problem: das beknackte Wort „Lieblingsmensch“ macht sich immer breiter. Erst doofte es nur auf Bechern und anderem Geschenkkram rum, jetzt habe ich es zum ersten Mal auch in einem Magazin lesen müssen. Lieblingsmensch. Wer so was mag, schreckt auch vor „Herzensperson“ und verschwurbelten Sinnsprüchen nicht zurück. „Lass einen Tautropfen sich mit Deiner Seele verbinden und sie zu einem Ganzen machen.“ Bald traue ich mich nicht mehr ins Internet.

Und jetzt zum Wetter. #metoo macht weiter Laune. Aktuell hat sich eine bekannte Schauspielerin geoutet. Ein wichtiger deutscher TV-Fuzzi hat sie mit „na, Süße, boah, hast du wieder hohe Schuhe an“ begrüßt. Hm, wer sowas nicht hören mag, behilft sich bitte einfach mit “danke, Pimmelpummel“. Wenn man etwas mehr körperlichen Stressabbau braucht: „Ich mag Deine Schuhe auch“ und Absatz in den Fuß des Kaspers bohren. Ein bisschen Boah mit Wumms ist ja, was er wollte.