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Trau, schau, wem: Fake-Bewertungen im Netz

11.12.2019 - Längst ist das Internet für die meisten Menschen zur Informationsquelle Nummer Eins geworden – so auch bei der Auswahl des nächsten Reiseziels oder eines Restaurants. Bei der Vielfalt der Online-Informationen sind Bewertungen anderer User ein nützliches Hilfsmittel, doch leider ist es mit der Lauterkeit der angeblich unabhängigen Bewerter nicht immer weit her. Mit Fake-Bewertungen versuchen Hoteliers, Gastronomen und andere Anbieter ihre Produkte aufzuhübschen.

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Fake-Bewertungen made in Belize

Den Betreibern von Vergleichsportalen sind die zunehmenden Fake-Bewertungen ein Dorn im Auge, sorgen sie doch dafür, dass die Reputation ihrer Portale leidet und damit wertvolle Werbekunden verlorengehen. Nun platzte dem Reiseportal Holidaycheck der Kragen und klagte vor dem Münchner Landgericht gegen die Firma Fivestar – mit Erfolg. Das dubiose Unternehmen sitzt – Ironie der Geschichte – im wegen seiner Maya-Hinterlassenschaften und tropischen Strände durchaus sehenswerten mittelamerikanischen Kleinstaat Belize und stellt auf Bestellung getürkte Hotelbewertungen her, was die Münchner Richter als rechtswidrig erachteten.

Fivestar darf künftig keine Bewertungen mehr von Menschen verkaufen, die nicht tatsächlich in dem jeweiligen Hotel oder Ferienhaus übernachtet haben. Das Unternehmen muss dafür Sorge tragen, dass die entsprechenden Fake-Bewertungen gelöscht werden. Fivestar muss außerdem Holidaycheck Auskunft geben, von wem die erfundenen Bewertungen stammten. Die Entscheidung erging in Form eines so genannten Versäumnisurteils. Trotz Ladung war kein Vertreter von Fivestar zur Verhandlung erschienen – nun ja, in Belize ist das Wetter derzeit ja auch deutlich schöner als in München.

Amazon jagt die Fake-Bewerter

Das Urteil gegen die Fake-Spezialisten aus Mittelamerika ist nur die Spitze des Eisbergs. Lug und Trug sind im Internet leider an der Tagesordnung und nur allzu oft stecken Profis hinter den Spitzenbewertungen für Produkte, die in Realität gar nicht so gut sind. Bestes Beispiel ist Amazon: Schätzungen zufolge sind circa 20 Prozent der dortigen Bewertungen getürkt. Nicht von ungefähr geht der Internet-Riese pro Jahr gegen etwa 13 Millionen unrechtmäßige Bewertungen vor.

Die Profis, die sich gern hinter Pseudonymen wie maren69 oder Donald T. verstecken, gehen dabei äußerst geschickt vor, bedienen sich unterschiedlicher IP-Adressen und Autoren, die nicht selten untereinander virtuell befreundet sind, um so Authentizität zu heucheln. Sie nutzen dabei eine Schwäche der Internet-User aus, die einer BITKOM-Studie zufolge Bewertungen im Internet mehr vertrauen als dem Plazet von Freunden und Verwandten. Hinzukommt, dass viele Menschen, die im Internet vor einer Kaufentscheidung stehen, keine Lust haben allzu viel Zeit in die Recherche zu stecken.

Spitzenplatz dank Fake-Bewertung

Dabei ist es eine einfache wie wertvolle Regel sich nicht nur auf die Bewertungen auf einem Portal zu verlassen. Mit Suchmaschinen wie Google findet man im Handumdrehen Bewertungen auf anderen Portalen und, wenn man Glück hat, sogar Warnungen vor dubiosen Anbietern, die ihre Produkte mit verbotenen Kniffen aufgehübscht haben.

Nicht immer sind die Fälschungen professionell gemacht und für den Laien schnell zu erkennen, wenn er ins Detail geht. So gibt es zum Beispiel in meiner Heimatstadt eine Unzahl von Pizzerien, aber ausgerechnet die stinknormale und nicht besonders gute Pizzeria bei mir um die Ecke führt in einem bekannten Vergleichsportal die Liste als beste Pizzeria der Stadt an.

Wie kann das sein? Vielleicht mit der freundlichen Unterstützung von Fake-Bewertungen. Auffällig ist die Zahl der Bewerter, die insgesamt nur eine oder nur ganz wenige Bewertungen insgesamt abgegeben haben. Häufig haben Jupp T. und Waltraud H. kein Profilfoto und wenige befreundete User vorzuweisen.

Trau, schau, wem

Wie immer hat die Authentizität der Bewertungen etwas mit der Pflege durch die Portalbetreiber zu tun. In diesem Fall scheinen die Standards des Betreibers nicht allzu hoch zu sein – leichtes Spiel für die Fake-Bewertungen. Andere Portalbetreiber sind da nicht so vertrauensselig. Holidaycheck und Amazon haben wir ja schon als positive Beispiele genannt. Erwähnt sei auch das Portal Yelp, das bei der Suche nach einem guten Restaurant helfen kann, da hier besonders aktive und qualitativ gut schreibende Mitglieder den sogenannten Elite-Status erhalten.

Es lohnt sich also genauer hinzusehen und nicht vorschnell ein Hotelzimmer oder einen Tisch in einem Restaurant zu reservieren. Und vielleicht sollte der eine oder andere einfach öfter auf Freunde, Bekannte und Verwandte hören, wenn er sich eine Bohrmaschine oder einen Bad-Unterschrank kaufen möchte. Die Meinung eines wohlmeinenden Menschen sollte uns doch mehr wert sein als die von unbekannten Quellen aus dem Netz.

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