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Wo die Welt in Ordnung bleibt

29.06.2018 - Verwirrung, wegen all der kleinen und großen Umstürze des Lebens? Ab ins Freibad. Da ist alles, wie schon immer.

  • Kinder baden in einem Freibad. Foto: Jens Wolf/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Kinder baden in einem Freibad. Foto: Jens Wolf/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In meinem Freibad gibt es viel zu sehen. Es ist ein Naturbad, es gibt kein Entertainment-Gedöns, nur einen breiten Steg übers ganze Becken. Der Steg ist die große Bühne. Sehr dicke Männer lassen sich wie fröhliche Walrosse ins Wasser fallen. Sie rollen mit Schmackes hinein oder machen Arschbomben, und wenn sie auftauchen, brüllen sie zu ihren Freunden auf dem Steg hin. „Los, Jerryberry, komm rein! Knallman, Tschetschenkolenko, los! Macht!“ Sie haben alle Spitznamen, die Jungs und Männer. „Hey, Opa Schneck! Was‘ los, Kid Dummso?!“

Die dicken Frauen machen so was nicht. Sie schleichen am Beckenrand ins Wasser. Ich frage mich: würden sie eigentlich auch gerne Arschbomben machen und bisschen rumgrölen? So ganz im tiefsten Inneren? Nein, sie sehen entschieden aus, das wird leider nichts mehr.

Die Jugendlichen im Freibad üben Leben. Die Hormone sprozzen nur so, die Luft brennt. Die Jungs versuchen, die Mädchen ins Wasser zu schubsen. Die Mädchen kreischen und laufen weg. Wenn der Junge die Verfolgung aufgibt, kehren sie zurück und reizen ihn neu. Die Aufgaben sind klar verteilt: die dünnen, hübschen Mädchen stoßen niemals jemanden ins Wasser. Nur die dicken Mädchen schubsen. Sie schubsen die Jungs und hoffen, dass ihnen dann auch mal nachgelaufen wird, auf dem Steg. Aber das passiert nie, nie. Die Mädchen habe auch keine Spitznamen, jedenfalls brüllen sie sie nicht. Im Freibad ist alles wie vor 50 Jahren, da kann die Geschlechterdebatte hübsch einpacken. 

Im Wasser tun die Männer mit Begeisterung, was sie immer und überall tun: einfach mal machen. Gerne Dinge, von denen sie keine Ahnung haben. Zum Beispiel Kraulen. Kraulen muss man üben, es ist eine Technik. 98 Prozent aller Männer können nicht kraulen. Sie tun es trotzdem und versuchen, sich und allen anderen zu imponieren. Die Frauen schwimmen derweil gemächlich Brust. Genossinnen, so kommen wir nicht weiter, insgesamt gesehen. Wenn schon keine gute Figur, sollte man im Freibad doch irgendetwas haben, mit dem man beeindrucken kann. Deshalb habe ich mal einen Kraulkurs gemacht. Sehr empfehlenswert. Seitdem pflüge ich langsam an allen Dilettanten vorbei, irgendwie ein sexy Gefühl.

Wer sein Gefühl für Sexyness mal wieder auf den Vordermann bringen möchte: Montag, 2. Juli, 22.00 Uhr, Tele 5. Da läuft „Making Judith!“ von Klaus Lemke. Es geht ums Filmgeschäft. Aber eigentlich eher darum, dass alles geht. Auch, wenn eigentlich nichts mehr geht. Hauptsache, man improvisiert und macht das sexy. Also: wichtiger Film.