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MIXTAPE 15 – Freudestrahlend in den Abgrund

25.06.2018 - Stellt euch vor, ihr schreibt nen Brief und müsst den dann selbst zum Empfänger bringen. Da ist einfach keiner, der den Job macht. Ihr habt euch die Zeit genommen, stundenlang in Schönschrift formuliert und dann kommt plötzlich der Punkt, an dem ihr merkt, ihr müsst die Tante in New York tatsächlich selbst besuchen, um ihr den zu geben.

  •  © Mondbasis Hamburg / Steffen

    © Mondbasis Hamburg / Steffen Gottschling

Ich spreche ja des Öfteren darüber, wie viele Bands und Solokünstler nach kurzem Intensivsprint wieder in der Versenkung verschwinden, bevor sie überhaupt irgendwo stattgefunden haben. Wenn du nicht lang genug durchhältst und kontinuierlich von dir hören lässt, wird das einfach nix mit der Karriere. Ihr habt ja keine Ahnung, wie weit dieser Weg eigentlich ist. Immer wieder laufen mir junge Bands über den Weg, die das jetzt mal so richtig angehen, die jetzt alles auf eine Karte setzen, alles andere links liegen lassen und jetzt mal ein ganzes Jahr nur die Musik fokussieren. Das wäre doch gelacht, wenn man es dann nicht schafft, erfolgreich zu sein. Das ist ein bisschen so wie mit den Lemmingen, die freudestrahlend in den Abgrund hüpfen.
 

Im kreativen Prozess geht es immer nur um den Song, um die Melodien, das Arrangement, und den Sound. Wenn so ein Song dann fertig ist, ist da riesige Euphorie und Motivation und wenn das Ding auch noch aufgenommen ist und am Ende da eine Platte entsteht, springen alle im Kreis. Was für eine Band und was für ein tolles Album. Und dann denken sie so, jetzt kann uns nichts mehr aufhalten, schöne große Welt, wir kommen. Und dann? Dann sitzen sie da mit ihrer Platte und fragen sich, wie’s nun weitergeht. Niemand interessiert sich dafür, keine Sau hat darauf gewartet. Aber das ist doch alles so gut geworden, alle, die‘s bisher gehört haben, sind doch hellauf begeistert. Hört euch das an, ihr werdet es lieben! Aber da ist niemand, die einzelnen Aufrufe, die da bei YouTube dazu kommen, sind von der Band selbst, vom Aktualisieren, um zu sehen, ob es jetzt endlich abgeht und die Welt das gehörig feiert

Darauf sind die nicht vorbereitet. Das erzählt ihnen nämlich keiner, weder in der Musikschule, noch beim Studium. Es geht immer nur darum, der Beste zu sein, perfekt zu spielen und den richtigen Ausdruck zu finden. Die üben bis zum Umfallen und es hat einfach nie einer für nötig gehalten, davon zu sprechen, dass die Skills in Sachen Marketing und Management für den Erfolg eigentlich viel wichtiger sind, als die Songs selbst. Am Ende musst du das auch verkaufen. Da ist heute keine große Plattenfirma mehr, die in vielversprechende Newcomer investiert und richtig Aufbauarbeit leistet. Da musst du dich als Künstler über viele Jahre eigentlich schon komplett selbst etabliert haben, um den lang ersehnten Plattenvertrag dann doch noch zu bekommen. Ich finde das auch nicht gut aber ich kann es leider auch nicht ändern. Wer am lautesten brüllt, bekommt die Aufmerksamkeit, da spielt es keine Rolle, ob du schön gebrüllt hast.

Toma Moon, Inhaber und Geschäftsführer der Mondbasis Hamburg, ist vor allem kreativer Kopf, Produzent, Soundfetischist und Kommunikator. Als detailverliebter Perfektionist und konsequenter Geschmacksverstärker holt er auch das letzte Quäntchen Talent aus seinen Schützlingen heraus und ist als Dozent und Musikproduzent seit vielen Jahren mit Projekten wie der SchoolTour, dem Robert Johnson Guitar Award oder dem Wacken Music Camp in der Nachwuchsförderung engagiert... Mit viel Feingefühl, Geschmackssicherheit und Entscheidungskraft schafft der Musikproduzent, Tonarzt, A&R Manager, Multiinstrumentalist und Business Punk immer wieder großartige Klangbilder, schnell eine angenehme Atmosphäre und gilt als nicht aus der Ruhe zu bringender Problemlöser. Mehr Infos hier: Wikipedia

mondbasis-hamburg.de

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