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MIXTAPE 16 – Die haben durchgehalten

03.07.2018 - Von der Quasi-Erfolgsgarantie, wenn du einfach nur durchhältst und kontinuierlich, konsequent deinen Weg gehst (ein bisschen mehr gehört dann schon dazu aber ohne wird es eben nie was). Eine Band, DIY und langsam Gewachsenes mit richtigen Wurzeln. LEONIDEN
(Toma Moon)

  •  © Mondbasis Hamburg / Steffen

    © Mondbasis Hamburg / Steffen Gottschling

Am Anfang ist da eine Schülerband. Zwei Brüder und ein paar Freunde entdecken die Musik und die Mädels aus der Parallelklasse fahren da voll drauf ab. Irgendwann kommen ein paar eigene Songs, die werden immer besser und am Ende der Schulzeit mündet das dann in so ner Art Local-Hero-Parade. Ohne die Schule im Nacken, merken sie schnell, niemand hat auf sie gewartet aber sie hängen sich rein und können sich sowieso nichts anderes vorstellen, als Musik zu machen… Ich weiß, die Story könnte auch von „Tokio Hotel“ sein, ist sie aber nicht. Ich spreche von „Leoniden“ und das ist zwar alles höchstwahrscheinlich ungefähr so abgelaufen, aber diese Geschichte ist frei erfunden. Wikipedia sagt, die gibt’s seit 2005, mehr weiß ich dazu nicht. Mittlerweile sprechen wir hier von 200.000 monatlichen Hörern bei Spotify und rund 10 Millionen Plays. Das alles „do it yourself“ und ohne Plattendeal bei einem der großen Majorlabels. Die Band selbst bringt das ganz schön auf den Punkt: So ein Label ist vor allem da, um das alles vorzufinanzieren, das muss nämlich fein zurück gezahlt werden, wenn du die Kohle nicht wieder einspielst. Aber mal ehrlich, wenn du n Kredit brauchst, gehst du zur Bank…
 

Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung, wann mir „Leoniden“ das erste Mal um die Ohren flogen aber ich weiß noch genau, welcher Song es war. „1990“ ist aktuell noch immer einer meiner Favoriten. Auch wenn die Nummer zu Beginn gar nicht so richtig mein Beuteschema ist, haut der Refrain einfach dermaßen rein, dass es mir sogar wurscht ist, was da textlich so vor sich hin plätschert. Respekt Leute, genau sowas verstehe ich unter einer großartigen Hookline. Warum zu ihrer Musik immer wieder erstmal „The Mars Volta“ auch von der Band selbst als Äquivalent in die Runde geworfen werden, weiß ich nicht, ich höre da eigentlich eher „Sparta“ raus aber am Ende sind beide aus „At The Drive In“ hervor gegangen und genau mit denen sind Leoniden irgendwie auch verwand. Allerdings sind sie das irgendwie auch wieder nicht. Wahrscheinlich ist das alles eher auf Vergangenes zurückzuführen, was sich meinem Zugriff aber entzieht, denn konserviertes Hörbares gibt es leider erst ab 2016. Jakob, der Sänger, ist erst 2014 dazu gestoßen und dann versucht man natürlich, des einheitlichen Bildes wegen, ältere Sachen aus dem Fokus zu nehmen, was auch irgendwie Sinn macht. Ein wenig PostHardcore steckt da schon noch drin und das rockt auch bisweilen ganz gut, aber…

Eigentlich sprechen wir hier von Popmusik und eigentlich haben die auch grad ne neue Single draußen („Kids“), die auch wirklich gelungen ist und über die ich hier wohl eigentlich hätte schreiben sollen, um den Jungs ein bisschen Promo zu verschaffen aber „1990“ gefällt mir nun mal besser und das hier ist meine Kolumne, Punkt.

 

Toma Moon, Inhaber und Geschäftsführer der Mondbasis Hamburg, ist vor allem kreativer Kopf, Produzent, Soundfetischist und Kommunikator. Als detailverliebter Perfektionist und konsequenter Geschmacksverstärker holt er auch das letzte Quäntchen Talent aus seinen Schützlingen heraus und ist als Dozent und Musikproduzent seit vielen Jahren mit Projekten wie der SchoolTour, dem Robert Johnson Guitar Award oder dem Wacken Music Camp in der Nachwuchsförderung engagiert... Mit viel Feingefühl, Geschmackssicherheit und Entscheidungskraft schafft der Musikproduzent, Tonarzt, A&R Manager, Multiinstrumentalist und Business Punk immer wieder großartige Klangbilder, schnell eine angenehme Atmosphäre und gilt als nicht aus der Ruhe zu bringender Problemlöser. Mehr Infos hier: Wikipedia

mondbasis-hamburg.de