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MIXTAPE 27 – Menschen, die zum Himmel starren

18.09.2018 - Manchmal gehst du vor die Tür, schaust zum Himmel und, na ja, dann gehst du wieder rein, weil, irgendwie bringt dich das grad auch nicht weiter… (Toma Moon)

  •  © Mondbasis Hamburg / Steffen Gottschling

    © Mondbasis Hamburg / Steffen Gottschling

Man kann immer so schön ganz pathetisch rumphilosophieren aber wenn der Himmel blau vor sich hin strahlt, ist das zwar wirklich schön, nur mehr eben dann auch nicht. Künstler sind immer emotional. Man kann das nicht abstellen. Alles, was du tust und womit du konfrontiert wirst, berührt dich auch tief in deiner Seele. Mal hast du Höhenflüge und mal bist du ganz tief unten. Künstler sind quasi Lebensextremisten. Die Höhen sind höher als bei anderen Menschen und die Abgründe tiefer. Wenn du gerade einen Song geschrieben hast, ist das großartig und ein erhabenes Gefühl. Wenn du ihn ein paar Leuten zeigst, bist du ganz aufgeregt und emotional wie ein kleines Kind, das meint, grad die Entdeckung gemacht zu haben, sich aber nicht ganz sicher ist, ob das wirklich so toll ist, wie es sich grad anfühlt. Wenn du ihn dann auf der Bühne spielst, bist du nackt und unglaublich verletzlich und entweder kommt jetzt der absolute Höhenrausch oder du fällst in ein tiefes Loch. Und alles ist einzig und allein davon abhängig, wie die Leute auf deinen Song reagieren. 

 

Das ist natürlich nicht nur bei Musikern so, sondern kunstübergreifend aber was soll ich euch von Dingen erzählen, zu denen mir der konkrete Bezug fehlt… Jedes Konzert ist wie eine Prüfung und jede Prüfung ist eine Herausforderung, die entweder nur ganz viel Adrenalin freisetzt (es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn du deinen Song auf der Bühne spielst und der volle Saal singt mit) oder gar unvorstellbare Angst auslöst. Aber Angst ist kein guter Begleiter. Angst ist hierzulande sowieso meist irreal und man kann sich eigentlich jedes Mal die Frage stellen: „Bringt mich das um?“ Natürlich tut es das meist nicht und der Welt ist es scheißegal, die dreht sich einfach trotzdem weiter. Aber diese kleine Frage kann einen zumindest ein wenig erden und aus dem Gedankenteufelskreis holen. 

Warum erzähl ich das eigentlich alles? Weil vielen nicht bewusst ist, was ein paar Worte bewirken können. Ein böser Kommentar oder gar Shitstorm kann wirklich übel sein und Künstler haben keinen Schutzschild, sie nehmen alles persönlich. Es liegt in der Natur der Sache, dass du dich nackt machen musst, um überhaupt mit deinen Kreationen Menschen zu berühren. Ob es dann gefällt oder nicht, ist reine Geschmackssache. Zwischen Erfolg und Misserfolg liegt nur ein Staubkorn und die meisten Musiker haben beides immer wieder aufs Neue erlebt. Die Aufgabe besteht dann darin, es zu überleben. Ich hab das auch alles irgendwann mal irgendwie überlebt und heute genieße ich es einfach nur, meine Musik zu teilen, so wie viele meiner Kollegen auch. Aber das gelingt nicht jedem und so manche Seele geht daran kaputt.

Also seid nicht so hart mit euren Urteilen und Scheiße nochmal, sagt es laut, wenn es euch gefällt, davon leben wir!

 

Toma Moon, Inhaber und Geschäftsführer der Mondbasis Hamburg, ist vor allem kreativer Kopf, Produzent, Soundfetischist und Kommunikator. Als detailverliebter Perfektionist und konsequenter Geschmacksverstärker holt er auch das letzte Quäntchen Talent aus seinen Schützlingen heraus und ist als Dozent und Musikproduzent seit vielen Jahren mit Projekten wie der SchoolTour, dem Robert Johnson Guitar Award oder dem Wacken Music Camp in der Nachwuchsförderung engagiert... Mit viel Feingefühl, Geschmackssicherheit und Entscheidungskraft schafft der Musikproduzent, Tonarzt, A&R Manager, Multiinstrumentalist und Business Punk immer wieder großartige Klangbilder, schnell eine angenehme Atmosphäre und gilt als nicht aus der Ruhe zu bringender Problemlöser. Mehr Infos hier: Wikipedia

mondbasis-hamburg.de

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