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MIXTAPE 42 – Traditionalisten überall

04.02.2019 - Das klingt irgendwie negativ oder? Warum eigentlich? Als ich letztens zwischen all den anderen Ü40 Menschen in der Großen Freiheit alten Punksongs lauschte, kam mir so ein Gedanke… (Toma Moon)

  •  © Mondbasis Hamburg / Jessica Baran-Surel

    © Mondbasis Hamburg / Jessica Baran-Surel

Warum gehen all die verschiedenen Menschen in dem Alter eigentlich auf so ein Konzert? Warum sind die nicht bei Helene Fischer oder wenigstens Udo Lindenberg? Die hören doch nicht ernsthaft in ihrer Freizeit anarchistische Punksongs so in der Küche beim Essenmachen für die Familie oder? Wie ich da hingeraten bin, hab ich ja letzte Woche schon eruiert, aber der Laden war ja nicht ausverkauft, weil da alle Leute nur mitgegangen sind. Und wir reden hier von einem Querschnitt der gesamten Bevölkerung - Bänker, Schuhverkäuferinnen, Handwerkerinnen, Versicherungsmakler, Elektrotechnikerinnen und Rosenverkäufer (es waren bestimmt auch Rosenverkäufer da, die sind doch überall). So unterschiedlich die da alle waren und so verschieden ihre Leben so aussehen mögen, eins hatten alle gemeinsam: irgendwann in ihrem Leben hatten sie mal was mit dieser Musik am Hut. Das verbindet alle in so einem Raum auch und ist irgendwie eine schöne Momentaufnahme aber warum ist das so? Weil am Ende alle Traditionalisten sind. Nostalgisch schwelgen sie in Erinnerung an ihre wilden Jahre und pflegen diese als letzten Strohhalm, der sie mit dieser Zeit verbindet…
 
 

Auch der allgemeine Musikgeschmack lässt sich zurückführen auf die wilden Zeiten, die man so hatte. Im Grunde kann man schon nur Anhand der Musik auf einer Party blind heraushören, aus welcher Generation die Leute stammen. Auch wenn da natürlich genauso aktuelle Musik läuft, so ist die Playlist doch immer gespickt mit den Songs von damals, zwischen 12 und 25. Ich glaub, wenn das so nicht wäre, würde all die vergangene Musik einfach vergessen werden.

Das ist natürlich auch die Gefahr bei Spotify & Co. Auch wenn ich selbst immer die vielen Vorteile des Streamings herausstreiche. Wenn du Musik nicht mehr kaufst und damit auch nicht mehr sammeln kannst, sind deine Erinnerungen, die mit jedem einzelnen deiner Lieblingssongs einhergehen, komplett abhängig von den Streaming Anbietern. Was machen wir eigentlich, wenn diese Art des Musikkonsums stirbt, so wie vorher das Grammophon, das Tonband, die Kassette, etc.? Im Gegensatz zu all den Vorgängern bleibt vom Streaming nichts übrig, weil nichts davon dir gehört, weil du nur hören kannst, was dir die Datenbank zur Verfügung stellt. Wenn die nicht mehr existiert, sind auch die Songs nicht mehr da.

Was mache ich jetzt mit diesen Gedanken? Doch wieder einen Raum in der Wohnung opfern und ganz viele Schallplatten horten? Immerhin kriegst du heute bei Neukauf gleich ne MP3 Datei dazu. Das dürfte einen musikalisch aber ganz schön einschränken, denn Spotify & Co haben schon viel mehr Einfluss auf die Produktionen und die Art der Veröffentlichung, als man vermutet. Wie ich jetzt wieder zu den Traditionalisten zurückfinden soll, ist mir völlig schleierhaft. Ein Gedanke folgt dem nächsten und irgendwie gehört das alles zwar zusammen aber die scheiß Headline geht leider nur noch als Anfangsgedanke durch, nicht als Überschrift. Ach egal, das ist meine Kolumne, ich lass das so stehen…

 

Toma Moon, Inhaber und Geschäftsführer der Mondbasis Hamburg, ist vor allem kreativer Kopf, Produzent, Soundfetischist und Kommunikator. Als detailverliebter Perfektionist und konsequenter Geschmacksverstärker holt er auch das letzte Quäntchen Talent aus seinen Schützlingen heraus und ist als Dozent und Musikproduzent seit vielen Jahren mit Projekten wie der SchoolTour, dem Robert Johnson Guitar Award oder dem Wacken Music Camp in der Nachwuchsförderung engagiert... Mit viel Feingefühl, Geschmackssicherheit und Entscheidungskraft schafft der Musikproduzent, Tonarzt, A&R Manager, Multiinstrumentalist und Business Punk immer wieder großartige Klangbilder, schnell eine angenehme Atmosphäre und gilt als nicht aus der Ruhe zu bringender Problemlöser. Mehr Infos hier: Wikipedia

mondbasis-hamburg.de

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