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ESC-Experte: Chancen für S!sters in Israel

23.02.2019 - Der Siegersong erstickt in Tränen - doch das Duo S!sters qualifiziert sich mit dem Lied «Sister» für das ESC-Finale in Israel. Dort werden den jungen Frauen durchaus Chancen eingeräumt.

  • Das Duo S!sters steht nach dem Vorentscheid für den Eurovision Song Contest "Unser Lied für Israel" auf der Bühne. Foto: Britta Pedersen © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Duo S!sters steht nach dem Vorentscheid für den Eurovision Song Contest "Unser Lied für Israel" auf der Bühne. Foto: Britta Pedersen © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa) - Nach einem tränenreichen Sieg im Vorentscheid zum European Song Contest macht sich das Duo S!sters voller Hoffnungen auf den Weg zum Finale in Israel. Dort sollen die beiden Sängerinnen Carlotta (19) aus Hannover und Laurita (26) aus Wiesbaden am 18. Mai für Deutschland im Eurovision Song Contest (ESC) antreten.

Die S!sters setzten sich am Freitagabend gegen sechs Konkurrenten im Vorentscheid durch, der von wenig Glamour und einem überschaubaren Anteil musikalischer Glanzleistungen geprägt war. Die Zuschauerquote für die ARD blieb bei «Unser Lied für Israel» eher bescheiden.

ESC-Experte Irving Wolther sieht aber Chancen für die Endrunde in Tel Aviv. «Wir kennen erst ein gutes Dutzend Beiträge in dem Feld, das sich bisher qualifiziert hat. Da stehen wir gar nicht so schlecht da», sagte Wolther der Deutschen Presse-Agentur am Samstag in Berlin. «Die Beiden müssen sich erst einmal wirklich finden. Stimmlich hat das schon sehr gut harmoniert, das haben ja auch die Zuschauer honoriert und die Fachjury. Bis Tel Aviv wird das dann auch noch besser zusammenwachsen», sagte Wolther, der seine Doktorarbeit über den Song-Contest geschrieben hat.

Die Tatsache, dass zunächst der Song komponiert und dann das Duo dafür gecastet wurde, hat nach Wolthers Einschätzung eine lange Tradition, «auch, dass der Song so heißt wie die Gruppe». Der ESC-Experte erinnerte an Dschingis Khan 1979, «die wurden ja auch extra für Jerusalem damals gecastet». Diesmal gehe es wieder nach Israel. «Wir sind da in einer schönen Tradition, und damals sind wir Vierte geworden, schauen wir mal, was in Tel Aviv dabei rauskommt.»

ESC-Spezialist Ralph Siegel sieht die Erfolgschancen für das Duo dagegen skeptisch. «Ich wünsche ihnen viel Glück», sagte der 73-jährige Komponist der dpa am Samstag in München. Ihm schwane aber nichts Gutes. «Ich glaube, es wird ein paar Kids gut gefallen, aber ob die breite Masse international damit leben kann?», sagte Siegel über das Lied. «Es wird nicht leicht werden.»

Siegel gilt als Veteran des deutschen ESC-Betriebs. Aus seiner Feder stammt das Lied «Ein bisschen Frieden», mit dem die Sängerin Nicole 1982 als erste Deutsche den Grand Prix gewann.

Die Fernsehzuschauer fieberten dem ESC noch nicht entgegen. Die zweistündige, von Barbara Schöneberger und Linda Zervakis moderierte Sendung sahen gerade mal 2,84 Millionen Zuschauer, der Marktanteil lag bei nur 9,6 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte die Live-Übertragung des Vorentscheids noch 3,17 Millionen Zuschauer (9,9 Prozent) - und das, obwohl zeitgleich die Gala zur «Goldenen Kamera» im ZDF übertragen wurde.

Laurita, die ihren Nachnamen nicht nennt, zeigte sich nach dem Sieg überrascht: Sie haben nicht ans Gewinnen denken können. Partnerin Carlotta Truman sagte: «Ich bin jetzt besonders motiviert. Und in Israel werden wir 3000 Prozent geben.»

Carlotta und Laurita waren schon als Kinder erfolgreich. Sie gewannen den Deutschen Rock- und Pop-Preis und beim «Kiddy Contest». Laurita tritt auch als Backgroundsängerin von Lena Meyer-Landrut auf, die im Beiprogramm einen der stärksten Songs des Abends präsentierte.

Über den Gewinner entschieden Fernsehzuschauer, eine Eurovisions-Jury sowie eine Experten-Jury. S!sters traten gegen Aly Ryan, BB Thomaz, Linus Bruhn, Gregor Hägele, Lilly Among Clouds und Makeda an.

Die Experten-Jury vergab die Maximalwertung nur an die Songs von S!sters, Makeda, Linus Bruhn und Lilly Among Clouds. Die Eurovisions-Jury sah Aly Ryan vorn, bei der Publikumswertung waren es die S!sters. Dafür wurden nach Angaben des NDR 375 000 Stimmen per Telefon abgegeben. Alle drei Jurys wurden mit Favoriten und Nächstplatzierten jeweils zu einem Drittel gewertet.

Die Teilnahme des Duos hatte der für den ESC zuständige NDR erst lange nach den anderen Kandidaten bekanntgegeben. Im S!sters-Fall stand erst der Song, dann wurden die Sängerinnen gesucht. Der zuständige NDR-Redaktionsleiter Thomas Schreiber verteidigte die Startreihenfolge mit S!sters am Ende. «Ich würde gerne mit dem Mythos aufräumen, dass die Startpositionen ausschlaggebend für das Ergebnis ist.» Bei sieben Teilnehmern könne man sich an alle erinnern.

Schreiber bedauerte, dass kein deutschsprachiger Song dabei war. «Die Interpreten haben sich dagegen entschieden. Es gibt von uns keine Vorgabe, in welcher Sprache gesungen wird.» Auch Siegel vermisste deutschsprachigen Lieder. «Es sollte doch hin und wieder dem Publikum die Chance gegeben werden, die Texte gleich zu verstehen», sagte er. «Ich fand es immer ein bisschen traurig, dass die deutsche Sprache praktisch verbannt wird.»

Vor den rund 1000 Zuschauern im karg gehaltenen TV-Studio traten als Stargäste Musiker wie Udo Lindenberg im Duett mit Popsänger Andreas Bourani, der ESC-Vierte Schulte («You Let Me Walk Alone») und die ESC-Gewinnerin von 2010, Lena Meyer-Landrut («Satellite»), auf.

Stimmlich machte ESC-Experte Wolther - wie auch andere Gesangskenner - Schwächen im Teilnehmerfeld aus. «Das waren alles recht junge Interpreten, zum Teil kommen sie aus Castingshows», sagte Wolther. «Viele etablierte Künstler scheuen die Teilnahme an einem Wettbewerb, das finde ich schade.» Sie sollten «mal die Pobacken zusammenkneifen und sich in das Abenteuer stürzen».

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