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"Polizeiruf" Magdeburg: Langsam verwelken die Rosen

11.02.2019 - In Magdeburg führt eine Frauenleiche mit zusammengeschnürten Beinen die Kommissare Brasch und Köhler zu einem alten, nie aufgeklärten Fall.

  • Dem Opfer wurden die Beine zusammengeschnürt. © MDR / Stefan

    Dem Opfer wurden die Beine zusammengeschnürt. © MDR / Stefan Erhard

  •  © MDR / Stefan

    © MDR / Stefan Erhard

Zwei Teenie-Mädchen finden auf einem abgelegenen Platz eine Frauenleiche. Die führt Kommissare Brasch (Claudia Michelsen) und Köhler (Matthias Matschke) zu einem älteren, nie aufgeklärten Fall: Damals wurde eine Prostituierte ermordet. Beiden Opfern wurden die Beine zusammengeschnürt. Ob das etwas Symbolhaftes sei, fragt Brasch den Pathologen. Da kenne er sich nicht aus, erwidert der. Vielleicht Aggressionen gegen die Mutter mutmaßt Psychologe Wilke später. Die Spur von damals führt rasch zu Transfrau Pauline Schilling. Die wurde damals am Tatort angetroffen, gestand sogar die Tat. Doch wegen "Verfahrensfehler" - sie wurde von der Polizei schwer misshandelt - wurde das Verfahren eingestellt. Nun betreibt Pauline einen Blumenladen, wo Brasch sich den titelgebenden Strauß Rosen kauft.

Dass Pauline nicht mit den Polizisten reden will und lange nicht mit der Wahrheit herausrückt, ist nicht verwunderlich. Denn nach der Misshandlung damals verhalten sich die Polizisten in der Gegenwart nicht gerade sensibler, was ihre Transidentität angeht. Bei der ersten Begegnung spricht Köhler sie gleich schroff an, "Sie waren mal Paul". Polizei-Ausbilder Ulf Meier, dessen Job Brasch und Köhlers Chef Lemp bald übernehmen will, spricht gar von "Mischwesen" und Lemp fügt an: "Kann sich heute ja jeder aussuchen, was er sein will: Hat die Oma eben das blaue Mützchen umsonst gestrickt". Lediglich Brasch bemüht sich um ein wenig Empathie, indem sie Pauline anbietet als Frau mit ihr zu reden.

Vagina-Neid als Mordmotiv?

Dass Transpersonen heute noch so diskriminiert werden, ist zwar leider nicht unrealistisch, es wäre jedoch schön gewesen, hätte der Film hier ein positives Gegenbeispiel gesetzt. Denn Menschen, denen bei der Geburt das falsche Geschlecht zugewiesen wurde, werden gerade in Krimis fast immer als Opfer dargestellt. So wirkt Pauline wie jemand, der sein Glück nie finden wird. Ihr Kind darf sie nicht sehen, warum bleibt unklar. Liebe findet sie auch nicht, weil der Liebhaber nicht zu ihr stehen kann. Als Motiv kommt den Ermittlern dann auch noch in den Sinn, sie wäre neidisch auf die Vagina des Opfers gewesen.
Die Psychotherapeutin, die Transmenschen betreut, wird als arrogant dargestellt, weil sie ihnen die geschlechtsangleichende Operation erlaubt. Wie sollten die Menschen ihre psychischen Problem überwinden, wenn ihnen nicht erlaubt würde, im richtigen Körper zu leben, fragt sie.

Pauline kannte zwar beide Mordopfer, ansonsten ist jedoch unklar, warum sie die Täterin sein sollte, da sie keinerlei Motiv hat. Erst gegen Ende kommt Brasch dem wahren Täter auf die Spur. Da ist dem Zuschauer längst klar, wer da die ganze Zeit die Strippen gezogen hat. Jedoch nicht, weil sich Verdachtsmomente addieren, sondern weil die bedrohliche Musik darauf hindeutet - und es außerdem keinen anderen Verdächtigen gibt. Der Soundtrack ist in diesem Film ohnehin etwas aus dem Ruder gelaufen. Er untermalt Szenen mit völlig unpassender Stimmung und übertönt die Dialoge. Das einzige eindrucksvolle Bild in diesem Film ist der Strauß Rosen, den Brasch den ganzen Film mit sich herumschleppt, weil sie niemanden findet, der dieses Geschenk verdient hat. Vorgesetzter Lemp nicht, weil der nach 30 Jahren etwas anderes machen möchte. Darauf reagiert Brasch wie ein Kleinkind. So verhält sie sich leider auch den Rest des Films. Dass die Kommissare nachts alleine herum streifen und Verdächtige konfrontieren, kennt man ja aus dem "Tatort". Brasch dringt nun aber auch noch ohne Anlass in die Wohnung eines Verdächtigen ein und Köhler bedroht den Verdächtigen mit der Pistole, weil ihn dessen Hund ein bisschen ankläfft.

Realitätsfern, aber mit Action

Wenn man die Realitätsferne mal außer Acht lässt, ist dieser "Polizeiruf 110" durchaus unterhaltsam und am Ende gibt es dann auch noch ein bisschen Action und eine schöne Explosion. Das kann das undurchdachte Drehbuch aber auch nicht retten.

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