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"Polizeiruf 110": Hypnose-Wirrwarr um misshandelten Jungen

17.09.2019 - Ein Junge, der offenbar lange gefangen gehalten und misshandelt wurde, wird von der Polizei aufgefunden. Um herauszufinden, wer ihm das angetan hat, wird er hypnotisiert und die Streifenpolizistin, die für den Fall verantwortlich ist, scheint den halben Film nur zu träumen. "Der Ort, von dem die Wolken kommen" spaltet die Zuschauer.

  • Polou wird vom 15-järigen Dennis Doms, der hier sein Film-Debut gibt, herausragend gespielt. © BR/Roxy Film / Hendrik

    Polou wird vom 15-järigen Dennis Doms, der hier sein Film-Debut gibt, herausragend gespielt. © BR/Roxy Film / Hendrik Heiden

Wenn in einem "Tatort" oder "Polizeiruf 110" noch keine Leiche aufgetaucht ist und es gleich mit einer niedlichen Katze startet, weiß man als Zuschauer, diese Katze überlebt nicht lange. So ist es dann auch in "Der Ort, von dem die Wolken kommen". Ein Junge ertränkt die Katze im Fluss. Dann isst er Styropor. So beginnt dieser wirre Krimi über einen offensichtlich aus Gefangenschaft entflohenen Jungen.

Warum die junge Streifenpolizistin Bessie (Verena Altenberger) den Fall übertragen bekommt, bleibt ihr so unklar wie dem Zuschauer. "Wie bei Großstadtrevier", meint die Psychologin. "Da gibt es auch immer ein Happy End." Das erwartet man beim "Polizeiruf" eher nicht.

Zunächst völlig verstört und schweigend, spricht der Junge, der auf fünfzehn geschätzt wird, aber erhebliche Entwicklungsverzögerungen aufweist, dann doch. Er nennt sich Poulo und scheint nicht viel von der Welt zu kennen. Das erinnert an den Fall Natascha Kampusch. Oder den oscargekrönten Film "Raum".

Allerdings wird das Potential dieses Themas völlig verschenkt. Über weite Strecken geht es im Film nur darum, aus Poulo herauszubekommen, wo er gefangen gehalten wurde. Denn er erzählt Bessie etwas von anderen Kindern, die diese nun retten muss. Aber Poulo redet kaum und kann weder den Täter noch den Ort beschreiben. Da kommt die Psychologin mit der Idee, ihn zu hypnotisieren. Obwohl die Frau vom Jugendamt dagegen ist, wird das durchgezogen. Denn unter Hypnose würde er schon alles verraten, denkt sich Bessie.

Zuvor gab es schon mehrere Sequenzen, die dann von Bessie nur geträumt waren, wohl weil der eigentlichen Handlung die Spannung fehlte. Ab der Hypnose wird es dann allerdings völlig verschwurbelt. Da wird ein Psychologie-Verständnis gezeigt, das seit den 70ern überholt ist. Dann scheinen sich Bessie und Pulo auch noch eine Hypnosewelt zu teilen. In der wird Bessie mit ihrem Kindheitstrauma konfrontiert, dass ihr Vater ihr nie bei ihrer Balett-Vorführung zugesehen hat. Da fallen dann so dolle Dialoge wie: "Fangen Sie jetzt nicht an, von Liebe zu reden." und "Die Angst vor dem Wolf ist auch ein Schlag." Wenn sich der Zuschauer da schon wundert, warum ein untergetauchter Waffenhändler, der Kinder misshandelt, so redet, wird er dann noch mehr verwirrt, wenn sich herausstellt, dass das alles nur Bessies Hypnosetraum war.

Mit der Darstellung psychischer Erkrankungen und der Arbeit von Psychotherapeuten nehmen es "Tatort" und "Polizeiruf" ja selten genau. Da wird dann meist irgendeine vage Diagnose als Erklärung für die Tat in den Raum geworfen, die aber nichts mit dem dargestellten Verhalten des Täters zu tun haben. Hier hat man nun vollends auf einen Realitätsbezug verzichtet.

Der einzige Lichtblick in diesem Film ist Poulo-Darsteller Dennis Doms. Der spielt seine Rolle als leicht behinderten völlig verstörten Jungen großartig. Ein Nachwuchs-Talent, das man im Auge behalten sollte. Seine Performance kann diesen "Polizeiruf", der zu den schlechtesten seit Langem gehört, allerdings auch nicht retten.

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