Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

"Tatort" Berlin: Sterben tut man immer allein

12.11.2019 - Kommissar Karow bemerkt wochenlang nicht, dass sein Nachbar tot in seiner Wohnung liegt. Ein "Tatort"-Fall, der in ein düsteres Kapitel der DDR zurückreicht und Karow dazu zwingt, sich mit seinem Tod auseinanderzusetzen.

  • Kommen sich ungewohnt nah: Kommissare Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) © rbb / Marcus

    Kommen sich ungewohnt nah: Kommissare Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) © rbb / Marcus Glahn

  • Otto Mellies spielt überzeugend den durchtriebenen Ex-DDR-Richter  Gerd Böhnke. © rbb / Marcus

    Otto Mellies spielt überzeugend den durchtriebenen Ex-DDR-Richter Gerd Böhnke. © rbb / Marcus Glahn

Ein älterer Mann wird von zwei osteuropäischen Mädchen ausgeraubt. Ein anderer älterer Mann über 80 verwest in seiner Wohnung, direkt daneben wohnt Kommissar Robert Karow. Doch der bekommt davon erst etwas mit, als die Leiche abtransportiert wird. Denn die geschäftstüchtige Vermieterin will die Wohnung so schnell wie möglich wieder vermieten. Da wird die Leiche, wie so oft in Deutschland, nicht gründlich untersucht und auch schon mal eine Schusswunde übersehen. Der Ekelfaktor ist hier groß. In der Wohnung wimmelt es vor Maden und Fliegen. Da ist der einfache Putzmann, den die Vermieterin engagiert natürlich überfordert und flüchtet. Etwas scheint mit dem Mann nicht zu stimmen, denn er verfällt in Wahnvorstellungen und hat außerdem eine seltsame Beziehung mit seiner Frau (toll gespielt von Britta Hammelstein). Die scheint zu wissen, was gut für ihn ist - auf keinen Fall eine Therapie - und will nur hören, dass er ohne sie nicht leben könne. Außerdem kannten die beiden den Toten.

Karow begibt sich immer wieder in die Wohnung des Opfers - er wohnt ja nebenan - und ist wild entschlossen, den Fall aufzuklären. Dass der alte Mann so lange tot in seiner Wohnung liegen konnte, ohne dass es jemand gemerkt hat, auch Karow als sein Nachbar nicht, geht ihm unerwartet nah. Karow ist ja eher der Einzelgänger und hält sich Menschen mit seiner schroffen Art auf Abstand. Doch nun bekommt er Angst, ebenfalls allein zu sterben. Kollegin Rubin bietet ungewohnten Rückhalt. Sie wäre für ihn da, er müsse nicht allein sterben. Eine innige Umarmung folgt. Doch wie es immer so ist, noch bevor daraus mehr werden kann, hat Karow einen Geistesblitz. Das Zimmer ist kleiner als seines, also schlagen die beiden die Wand ein und voilà, da finden sie alte Akten aus der DDR hinter der Wand. Der Ermordete entpuppt sich selbst als Mörder. In der DDR wurde er zum Tod verurteilt. Doch offenbar wurde das Urteil nicht vollstreckt. Verdächtig wird da der Richter (überzeugend gespielt vom 88-jährigen Otto Mellies) von damals, der hat auch noch die jugendlichen Mädchen als Geisel genommen, die ihm zu Beginn des Films seinen Orden geklaut hatten. Allerdings ist das ihm von Rubin unterstellte Motiv, das nicht vollstreckte Todesurteil nun in Selbstjustiz nachgeholt zu haben, in diesem sonst recht gut durchdachten Film doch etwas weit hergeholt.

Dieses düstere Kapitel der DDR-Geschichte ist hier alles andere als abgeschlossen. Damals ermordete das heutige Opfer die Familie des psychotischen Putzmanns. Im Zuge der Wiedervereinigung kam er auf freien Fuß. Karow und Rubin kommen gerade noch rechtzeitig auf die entscheidende Spur, um den wahren Täter zu finden.

DDR-Todesurteile, Diebesbanden aus Osteuropa, eine dubiose Vermieterin, und Rubins Bewerbung auf eine andere Stelle, wo sie unerwartet Probleme bekommt, weil sie Jüdin ist - das sind viele Themen für einen einzigen Film. Dennoch schafft es "Das Leben nach dem Tod" all diese Elemente zu verweben, ohne zu komplex zu werden. Die Beziehungen und Gefühle der Figuren stehen stets im Vordergrund. Das lässt auch Karow endlich etwas menschlicher erscheinen. Auch verliert der Film durch die vielen verschiedenen Verdächtigen nicht an Spannung. Am Ende darf sich Rubin dann mal wieder mit einem zwanzig Jahre jüngeren Mann in der Disco vergnügen. So kennt und mag man den Berliner "Tatort".

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren