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"Tatort" München: Künstliche Intelligenz auf Abwegen

22.10.2018 - Im neuen Münchener "Tatort" versuchen Batic und Leitmayr zu einer künstlichen Intelligenz vorzudringen, denn sie ist der einzige Zeuge im Fall eines verschwundenen Teenagers.

  • Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) stehen der künstlichen Intelligenz ratlos gegenüber. © BR / Hendrik Heiden/Bavaria Fiction

    Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) stehen der künstlichen Intelligenz ratlos gegenüber. © BR / Hendrik Heiden/Bavaria Fiction GmbH

Im neuen München-Tatort "KI" dreht sich alles um künstliche Intelligenz. Das Thema wurde kürzlich schon im Berliner "Tatort" mit einem intelligenten Kaffee-Automaten aufgegriffen. Nun haben es Batic und Leitmayr mit einer hochentwickelten KI zu tun, die von einem EU-Projekt entwickelt wurde.

Zunächst scheint es ein untypischer Fall für die Münchener Ermittler zu sein. Denn es geht nicht um einen Mord, sondern um ein verschollenes 14-jähriges Mädchen. Als der Vater seine Tochter Melanie abholen wollte, ist sie verschwunden. Gerade mit einer unschönen Trennung beschäftigt, weiß kein Elternteil, was in Melanie wirklich vorging. Weil der Vater des Mädchens ein Kollege ist, werden Batic und Leitmayr schon dazugerufen, obwohl sie noch keine 24 Stunden verschwunden ist. Auf dem Rechner des Mädchens finden sie ein verdächtiges Programm. Auf dem Bildschirm ist nur ein Kreis zu sehen. Aber das Programm spricht, eine künstliche Intelligenz, die sich Maria nennt. Offenbar hatte Melanie viel Zeit mit ihr verbracht. Und Maria könnte der einzige Zeuge ihres Verschwindens sein. Die Ermittler versuchen also, Maria zum Reden zu bringen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn die Intelligenz kann zwar auf sämtliches Wissen der Welt zugreifen, versteht aber keine Moral.

Die Spur führt die Kommissare zu einem Forschungsprojekt. Mit einem Supercomputer haben Forscher eine künstliche Intelligenz erschaffen. Doch das Programm ist gehackt worden und Tausende konnten darauf zugreifen. Die Wissenschaftler des Projektes X-Map wissen angeblich von nichts. Für Melanie wurde die KI zu einer Freundin; zu ihrer einzigen Vertrauten. Während die Ermittler auch die die Spuren von Sexualstraftätern verfolgen, verhält sich auch die hochintelligente Hackerin Anna (Janina Fautz), die an der KI mitarbeitet äußerst verdächtig. Hat sie selbst das Programm der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt? Warum hat sich Melanie am Abend ihres Verschwindens schön gemacht und für wen? Die Ermittlungen treten auf der Stelle, bis sich die KI auf unglückliche Weise einmischt... Der "Tatort" stellt die Frage, wie weit man der automatischen Datenverarbeitung der Maschine vertrauen sollte. Die vermeintlich objektive Intelligenz ist manipulierbar und eben doch keine reale Person.

In einer geometrisch klaren Ästhetik von langen blau blinkenden Rechnerzeilen und der kreisförmigen Abbildung der KI zeigt sich die Stärke dieser "Tatort"-Folge. Die älteren Kommissare Batic und Leitmayr scheitern an der Kommunikation mit der KI. Sie versteht keine langen Fragen, versteht nicht die Dringlichkeit der Situation, sie reagiert nur auf das, was ihr eingegeben wird. Der Fall um Melanie und die künstliche Intelligenz wirken immer mehr voneinander entkoppelt. Spannender als die Ermittlungen um Melanie ist die Handlung um "Maria" und die Hackerin mit der zweifelhaften Liebe zu ihrem Programm. Am Ende stehen dann nur noch menschliche Abgründe. Neue Fragen oder Antworten  um das Thema künstliche Intelligenz liefert der Film leider nicht. Da waren andere "Tatorte" schon mutiger.