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"Tatort" Offenbach: Wilde Western-Hommage

22.10.2019 - "Tatort"-Kommissar Murot macht auf John Wayne. "Angriff auf Wache 08" ist eine Hommage an diverse Western-Klassiker. Es kommt zu einer wilden Schießerei um eine Polizeiwache.

  • Die verstörte Jenny (Paula Hartmann), Brenner (Peter Kurth, Mitte) und Felix Murot (Ulrich Tukur) sind unter Beschuss. © HR / Bettina

    Die verstörte Jenny (Paula Hartmann), Brenner (Peter Kurth, Mitte) und Felix Murot (Ulrich Tukur) sind unter Beschuss. © HR / Bettina Müller

  • Um zu überleben muss Murot (Ulrich Tukur, Mitte) eine ungewöhnliche Allianz mit Kannibale Kermann (Thomas Schmauser, rechts) schließen. © HR / Bettina

    Um zu überleben muss Murot (Ulrich Tukur, Mitte) eine ungewöhnliche Allianz mit Kannibale Kermann (Thomas Schmauser, rechts) schließen. © HR / Bettina Müller

Ein Einsatzkommando stürmt eine Wohnung. Es wird wohl eine kriminelle Bande vermutet. Ohne ersichtlichen Grund eröffnen die Polizisten das Feuer. Darüber gelegt der Motown-Hit "My Girl". Damit ist der Ton des Films gesetzt. Eine aberwitzige, skurrile Hommage an diverse Western-Klassiker.

Während Murot seinen alten Kollegen Brenner (Peter Kurth), mit dem er früher gegen die RAF ermittelt hat, auf einer zum Museum umfunktionierten Polizeiwache besucht, geschehen diverse Dinge gleichzeitig. Ein Gefangenentransporter mit Schwerkriminellen hat eine Reifenpanne. Dann ist da auch noch die etwa 13-jährige Tochter aus einer christlichen Familie. Als sie und ihr Vater ein Eis kaufen möchten, entdecken sie den erschossenen Verkäufer, woraufhin die Täter den Vater erschießen und das Mädchen kurzerhand zurückschießt.

Derweil schwelgen Murot und Brenner in der Vergangenheit. Brenner hat für Murot eine Kugel abgefangen, die immer noch in seinem Körper steckt. "Das werde ich dir nie vergessen", ist Murot gerührt. Brenner hätte damals aber auch nicht verborgen, dass er Sympathien für die andere Seite hatte, also für die RAF.

Man ahnt es schon, alle sammeln sich auf der Polizeiwache. Das junge Mädchen, die wahnsinnigen Kriminellen mit Maschinengewehr und dann auch noch die Schwerkriminellen aus dem Transporter. Es kommt zum Showdown, eine wilde Schießerrei in bester Western-Manier. Kein Wunder, der Filmtitel gemahnt an einen Film aus den 70ern von John Carpenter ("Assault - Anschlag bei Nacht", engl: "Assault on Precinct 13"), in dem ebenfalls eine Polizeiwache vor einer kriminellen Gang verteidigt werden muss. Der Film ist wiederrum eine Hommage an den John-Wayne-Film "Rio Bravo". Daneben werden noch diverse Horror-und Thriller-Klassiker zitiert. Da ist Drehbuchautor Clemens Meyer, der sonst Romane schreibt, ganz in seinem Element. Er taucht selbst in einer Gastrolle als skurriler Radio-Moderator auf, der zur Sonnenfinsternis Schutzbrillen verlost und am Ende eine entscheidende Rolle spielt. Inszeniert hat den Film Thomas Stuber, der auch am Buch mitschrieb. Die beiden haben schon erfolgreich beim Kinofilm "In den Gängen" zusammengearbeitet, der mit diversen Preisen ausgezeichnet wurde.

Eingeschlossen mit den Kriminellen, darunter "Der Kannibale von Peine", ein alter Bekannter Murots, einigen Beamten und dem jungen Mädchen, ohne Telefon und Handy, versucht Brenner über Morsezeichen Hilfe zu rufen. Das Szenario bietet so einiges Potential für Situationskomik. Etwa wenn der "Kannibale" seine Hilfe anbietet, wenn es darum geht, das angeschossene Ohr von Polizistin Cynthia Roth (Christina Große) zu versorgen, oder wenn alle historischen Waffen des Museums zur Verteidigung herangeschafft werden.

Teilweise verliert sich der Film aber in langatmigen Sequenzen und aufgesetzt wirkenden Dialogen. Eine realistische, plausible Handlung darf man hier auch nicht erwarten. Aber das ist am Ende gar nicht so schlimm. Es geht ganz um die Atmosphäre, die Action und die Hommage.

Abgesehen davon ist "Angriff auf Wache 08" ein typischer Murot und damit ein untypischer "Tatort". Immer wieder wird in Wiesbaden/Offenbach mit Filmzitaten gespielt (wie bei der "Murmeltier"-Folge). Ob das gefällt, ist Geschmackssache. Einige lieben, andere hassen diese Experimente. Unterhaltsam ist dieser neue Murot-"Tatort" auf jeden Fall.

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