Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

"Tatort" Stuttgart: Gefangen im Lügennetz

05.11.2018 - Der Stuttgarter "Tatort" "Der Mann, der lügt" wird aus Sicht des Verdächtigen erzählt. Eine gelungene Abwechslung des klassischen "Tatort"-Formats mit hervorragenden Leistungen der Darsteller.

  • Unter Verdacht: Jakob Gregorowicz (Manuel Rubey) © SWR / Alexander

    Unter Verdacht: Jakob Gregorowicz (Manuel Rubey) © SWR / Alexander Kluge

  • "Der Mann, der lügt" wird komplett aus Sicht des Verdächtigen erzählt. © SWR / Alexander

    "Der Mann, der lügt" wird komplett aus Sicht des Verdächtigen erzählt. © SWR / Alexander Kluge

  • Die Ermittler kommen dem Verdächtigen auf die Spur. © SWR / Alexander

    Die Ermittler kommen dem Verdächtigen auf die Spur. © SWR / Alexander Kluge

Im Stuttgarter "Tatort" wurde am Sonntag der Spieß umgedreht. Man erlebt das Geschehen nicht aus Sicht der Kommissare sondern aus der des Verdächtigen. In "Der Mann, der lügt" ermitteln die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) im Fall eines ermordeten Anlageberaters. Jakob Gregorowicz (Manuel Rubey) gerät ins Visier der Ermittler, weil er im Terminkalender des Ermordeten steht.

Gregorowicz behauptet keineswegs mit dem Opfer verabredet gewesen zu sein, doch bald können ihn die Kommissare des Lügens überführen. Immer mehr verstrickt er sich in falschen Aussagen.

Aber ob der Verdächtige tatsächlich der gesuchte Täter ist, bleibt lange offen. So ist ein "Tatort" gelungen, der bis zuletzt spannend bleibt.

Die Ermittler nehmen zu ihrem 10-jährigen Jubiläum dabei nur eine Nebenrolle ein und erscheinen aus Sicht des Verdächtigen in einem anderen Licht. Getragen wird dieser "Tatort" vor allem durch das grandiose Spiel Manuel Rubeys als Gregorowicz. Ruby wurde durch seine Rolle als Falco bekannt und überzeugt auch im "Tatort". Er verkörpert den Verdächtigen, der durch die sich immer enger um ihn schließenden Ermittlungen langsam die Nerven verliert. Vordergründig ein perfekter bürgerlicher Familienvater mit Frau und Kindern, werden nach und nach seine Abgründe und Lügen offengelegt. Ebenfalls überzeugen kann Martin Eiglers Inszenierung des Stoffes. Er verwebt die unzuverlässige Darstellung des Protagonisten mit passendem Soundtrack und Bildsprache.

Nach den etwas wirren Ausflügen ins SF ("KI") und Horror-Genre ("Blut"), ist dieser Stuttgarter "Tatort" eine willkommene Abwechslung. Er wagt ein Experiment abseits des klassischen "Tatort"-Formats und ist dennoch ein waschechter Krimi. Es geht nur nicht um die Frage, wer der Täter ist, sondern warum er die Tat begangen hat und wie er überführt wird. Das beweist, dass die Kombination aus hervorragenden Drehbuchautoren und Top-Schauspielern im jahrzehntealten "Tatort"-Format noch positiv überraschen kann.

 

No Questions Defined