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"Tatort" Wiesbaden: Und täglich grüßt der Banküberfall

18.02.2019 - Der "Tatort" bricht mit allen Konventionen und lässt seinen Kommissar Murot (Ulrich Tukur) in einer Zeitschleife festsitzen. Ein Experiment, das gehörig schief gehen könnte, es aber zum Glück nicht tut.

  • Ein ums andere Mal stellt sich Murot dem Tag. © HR / Bettina

    Ein ums andere Mal stellt sich Murot dem Tag. © HR / Bettina Müller

  • Um herauszufinden, wer die Bankräuber sind, greift Murot zur Kettensäge, weiß ja am nächsten Tag niemand mehr. © HR / Bettina

    Um herauszufinden, wer die Bankräuber sind, greift Murot zur Kettensäge, weiß ja am nächsten Tag niemand mehr. © HR / Bettina Müller

Schon der seit beinahe 50 Jahren immer gleiche Vorspann verrät: Dieser "Tatort" ist anders. Da laufen die immer rennenden Beine plötzlich rückwärts. Die Spiralen verdrehen sich und sagen an, mit Realität kommt man hier nicht mehr weit.

Die "Tatort"-Folgen mit Ulrich Tukur wollen immer etwas anders machen. Das gelingt ihnen mal mehr, mal weniger gut. Diesmal also eine Zeitschleife à la "Und täglich grüßt das Murmeltier". Tukur muss hier aber nicht wie Bill Murray seine Liebe finden, sondern natürlich ein Verbrechen aufklären. Oder vielmehr verhindern. Ein Banküberfall, der eigentlich reine Routine sein solle (Tukur über den Bankräuber: "Kennst du einen, kennst du alle") endet blutig. Doch der Kommissar bekommt gleich noch eine Chance. Er erlebt denselben Tag noch einmal. Stolpert noch einmal über den herumliegenden Pantoffel, sieht noch einmal die joggende Nachbarin, den wegrennenden kleinen Jungen, die Scheibenwischer-Punkerin. Und noch einmal versucht er zu verhindern, dass es beim Banküberfall Tote gibt. Doch ein ums andere Mal gelingt es ihm nicht.

Zeitschleifen sind seit dem legendären Murmeltier in zahlreichen Filmen und Serien verwendet worden. Gerade kam auf Netflix die Serie "Russian Doll" heraus, in der eine Frau ihren eigenen Tod verhindern muss. Dabei war "Groundhog Day" gar nicht der erste Zeitschleifen-Film, und dieser "Tatort" wird sicher nicht der letzte sein. Denn wer würde nicht gerne einen grauenhaften Tag noch einmal erleben und alles besser machen?

Ein gelungenes "Tatort"-Experiment

Dass das in "Murot und das Murmeltier" nicht schief geht und zur sich immer wiederholenden Langeweile verkommt, ist Dietrich Brüggemanns Buch und Regie zu verdanken. Der Film hat die Meinung der Zuschauer und Kritiker gespalten, entweder man liebt oder hasst ihn. Dabei lohnt es sich, bis zum Ende durchzuhalten. Der komische Ton und die Absurdität der Ereignisse machen diesen genresprengenden "Tatort" so gut. Denn wie es einer der Sanitäter im Film sagt: "Tatort, Polizeiruf, SOKO, Der Alte, alles dasselbe". Die ewig gleiche Krimiroutine. Da ist man über ein gelungenes Experiment wie dieses mehr als dankbar. Die Selbstironie ist es auch, die das bekannte Zeitschleifenthema hier sehenswert macht.

Einmal hält sich Kommissar Murot einfach aus allem raus, macht einen Ausflug, bestellt sich Kaffee, Schnaps, Tee und Croissants, verbringt den Tag im Tretboot und klatscht der Bedienung eine Torte ins Gesicht. Einmal entführt er den in jeder Schleife vor der Mutter wegrennenden Jungen und bringt ihn einfach mit zum Bankraub. Auch ein Kopfschuss am Morgen rettet ihn nicht aus der Schleife. Aus Frust schießt Murot gleich nochmal auf das immer wieder klingelnde Handy.

Dann ist da der Bankraub an sich. Der Täter ist selbst in der Zeitschleife und es liegt ihm nichts daran, sie zu durchbrechen. Während Murot zu der Überzeugung gelangt, dass alles eine Bedeutung hat, und dass man, wo man reinkommt auch wieder rauskommt, kontert der Bankräuber: "Das ist doch völliger Quatsch. Es gibt viele Dinge, wo man rein gerät und nie wieder reinkommt. Schulden, Gletscherspalten, Alkoholsucht, Familie ..."

Kommissar Murot wird zum Geiselnehmer

Murot rastet zwar zwischendurch mal aus, und mutiert selbst zum Geiselnehmer und Bankräuber, gibt jedoch nicht auf. Denn jeder Tag sollte anders sein - aus der Routine, die er am Anfang noch herbeibeschwor, muss man sich befreien. Mehr und mehr gibt es kleine Abweichungen. Einmal stürzt die Joggerin über ihre immer offenen Schnürsenkel zu Tode. "Ich habe alles gemacht wie immer und Sie liegen jetzt hier tot rum", ärgert sich Murot da. "Es gibt also Variationen", folgert er. Um diese Variationen geht es im Film. Jede Kleinigkeit, die man anders macht, kann etwas Großartiges oder etwas Furchtbares auslösen. Was bleibt ist, den Moment zu genießen und nicht in Routine zu verfallen. Auch wenn diese Murot am Ende rettet.

Wenn er endlich ohne einen Toten aus der Schleife herauskommt und die Kollegen wissen wollen, wie er das gemacht hat, antwortet er nur: "Ich habe einfach das gemacht, was ich jeden Tag mache. Routine"

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