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Candy Crash: „Was ich zwischen den Beinen habe, darf nicht bestimmen was ich anziehe“

30.10.2019 - Candy Crash ist lustig und politisch zugleich, trotzt dem Patriarchat und zeigt jungen Menschen, dass sie wichtig und wertvoll sind.

Die Dragqueen kämpft mit den anderen Kandidatinnen in der sechsteiligen Show „Queen of Drags“ (ab 14. November, 20.15 Uhr, ProSieben) um eben diesen Titel. Wir trafen die 32-Jährige zum Interview.

 

Candy Crash im Interview

Wie ist dein Drag-Name entstanden?

Vor acht Jahren! Damals war ich frisch in Berlin, und bin mit einem Candy-String – also einem dieser Dinger zum Anknabbern zum ersten Mal in Drag ausgegangen. Der Nachname Crash entstand, weil ich noch einen Nachnamen für Facebook brauchte, und Crash als Platzhalter benutzte. Weil er sich jedoch schnell etablierte, heiße ich jetzt Candy Crash.

 

Was symbolisiert Candy?

Drag ist für mich lustig und politisch zugleich. Auf der einen Seite liebe ich es, mich zu schminken und meine feminine Seite zu zelebrieren. Auf der anderen Seite trotze ich dadurch dem Patriarchat und stelle Geschlechterrollen infrage. Ich hoffe hiermit manchen Menschen einen Denkanstoß geben zu können und jungen Menschen, die queer sind, zu zeigen, dass sie genauso wichtig und wertvoll wie der Rest der Gesellschaft sind - wenn nicht sogar noch ein bisschen wichtiger.

Angeblich ist Drag eine gute Methode, um als Mann Sexismus zu verstehen. 

Absolut. Als ich das erste Mal als Drag in Berlin unterwegs war und morgens um sechs Uhr mit der U-Bahn nach Hause gefahren bin, ist mir ein schlimmer Zwischenfall passiert, der diesen Sexismus genau abbildet. Damals wurde ich sexuell belästigt, und mir wurde in den Schritt gefasst. Ich konnte mich dagegen nicht wehren, und bin sofort in eine Opferrolle gefallen, wofür ich mich total geschämt habe. Dieses Gefühl war für mich ganz neu – und ich habe schlagartig verstanden, dass sich viele Frauen so fühlen. Seitdem kann ich total gut nachvollziehen, dass sich Frauen informieren, wenn sie sicher zuhause angekommen sind. Drag hat mir dabei geholfen, ein völlig neues Verständnis für Frauen zu entwickeln. 

Wie ist es im Jahr 2019 wirklich um Homophobie bestellt?

Wir haben in Deutschland mittlerweile rechtlich eine bessere Gleichstellung, wir dürfen heiraten und Kinder adoptieren, aber im Alltag gibt’s immer noch Homophobie – besonders erwachsene Heteromänner und männliche Teenies fühlen sich von Leuten wie uns angegriffen. Außerdem ist Homophobie ein religiöses Konzept. Und weil Religion obendrein auch ein Teil der Kultur ist, infiziert die tradierte Homophobie leider auch nicht-religiöse Menschen. Viele Männer fühlen sich in ihrer Männlichkeit angegriffen, wenn sie einen Schwulen sehen. Ich sage immer: niemand sucht sich aus, schwul zu sein – aber man sucht sich aus, ein Arschloch zu sein.

Und was sind wohl die psychologischen Gründe für Homophobie und Hass auf Schwule?

Leute haben immer Angst davor, wenn Leute anders sind als sie. Damit kommen sie nicht klar. Es ist erschreckend, dass man nicht sein darf, wie man will, obwohl man doch niemandem weh tut. Keiner sucht sich aus, schwul geboren zu werden – erst recht nicht, wenn er dafür in einem Land wie Saudi-Arabien oder dem Iran umgebracht oder in den Selbstmord getrieben wird. Mich nervt die Frage, wann ich mich entschieden hätte, schwul zu sein, weil sie unglaublich dumm ist.

Was darf Drag heutzutage alles?

Alles, was mit Gender spielt – von Alien Drag über Beauty Drag bis hin zu Frauen und Heteromännern, die ebenfalls immer öfter Drag Queens sind.

 

Deine Message als Drag?

Was ich zwischen den Beinen habe, darf nicht bestimmen was ich anziehe, wie ich aussehe oder was für einen Beruf ich ausübe.

 

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