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Catherrine Leclery: „Die oberste Drag-Regel? Berühre uns nicht!“

30.10.2019 - Catherrine Leclery ist eine brasilianische Grande Dame mit Humor. Ihre Ansage: Drags bitte nicht berühren, „einen Picasso fasst man auch nicht an!“

Catherrine Leclery kämpft mit den anderen Kandidatinnen in der sechsteiligen Show „Queen of Drags“ (ab 14. November, 20.15 Uhr, ProSieben) um eben diesen Titel. Wir trafen die 48-Jährige zum Interview.

 

Catherrine Leclery im Interview

Wie ist dein Drag-Name entstanden?

 Mein Vorname ist an die Liebe meines Lebens – meine Großmutter Catarina – angelehnt. Mein Nachname ist eine Hommage an Regina Leclery – eine wunderschöne Brasilianerin, die dem internationalen Jetset angehörte. Ich komme übrigens selbst aus Brasilien, arbeite seit 30 Jahren als Drag, und davon 24 in Deutschland. Mein Wohnsitz ist Köln, hier arbeite ich von Dienstag bis Samstag als Empfangsdame im „Oscar im Apropos“. Das ist ein Restaurant in einem Concept Store, in dem es um „Sehen und Gesehenwerden“ geht - nur für die High Society! Privat kann man mich aber natürlich ebenfalls buchen – beispielsweise für Hochzeiten oder Geburtstagspartys, aber bitte nicht für Beerdigungen.

Im Vorfeld der Show befürchteten manche deutschen Drags, dass „Queen of Drags“ eine Freakshow würde. Mit Recht?

 Überhaupt nicht. „Queen of Drags“ zeigt viele Facetten von unserer Kunst – und von uns als Menschen. Beispielsweise gab es einen sehr emotionalen Moment, bei dem wir alle geweint haben, weil wir die Chance bekamen, uns zu öffnen und von dem zu erzählen, was uns am meisten geprägt hat. Ich persönlich halte übrigens gar nichts davon, das Thema Drags und Homosexualität zu tabuisieren, wie es leider immer noch in vielen Klein- und auch Großstädten der Fall ist.

Was heißt das konkret?

 

 Wenn Kinder ins „Oscar im Apropos“ kommen und ihre Eltern fragen, ob ich ein Mann oder eine Frau bin, und die Eltern verschämt „Pssst!“ sagen, gehe ich direkt dazwischen und starte einen Dialog, indem ich den Kindern erkläre, dass ich, ähnlich wie ein Clown, ein Künstler bin. Das versteht jedes Kind, und die Eltern bedanken sich anschließend für die Aufklärung.

Aber wie oft wird das Anderssein wirklich tabuisiert?

 Immer und überall! Dabei mag ich es überhaupt nicht, wenn man bestimmte Sachen nicht anziehen, tragen oder aussprechen darf. „Queen of Drags“ wird den Zuschauern zeigen, dass es überhaupt nicht schlimm ist eine Dragqueen zu sein. „Queen of Drags“ klärt hoffentlich auch die schwule Community über uns auf, die uns teilweise leider immer noch besonders mobbt.

Doch warum wohl ist die schwule Community Dragqueens gegenüber feindlich eingestellt?

 Weil sich manche Schwule anscheinend nicht „männlich“ genug fühlen, was auch immer sie darunter verstehen – und weil es ihnen wohl besser geht, wenn sie uns abwerten. Doch in Wirklichkeit haben diejenigen Schwulen, die uns als „Tunte“ oder „Fummeltante“ diskriminieren, bestimmt selbst schon mindestens zehn Mal zuhause vor dem Spiegel eine Show abgezogen und zu Cher, Diana Ross, Madonna oder Mariah Carey performt. Aber während wir Dragqueens dabei auf der Bühne stehen, singen sie wahrscheinlich nur den Badezimmerspiegel an. Ich sage immer: Jeder kriegt die Bühne, die er verdient. Ich komme jetzt auf den Bildschirm, und sie bleiben dann eben im Badezimmer.

 

Was lernst du durch „Queen of Drags“ über dich selbst?

 Durch Queen of Drags habe ich gelernt meine Gefühle mehr zu zeigen. Denn normalerweise bin ich ein Mensch, der sich immer unter Kontrolle hat – und gutgelaunt durch die Gegend läuft, weil man das von uns Drags erwartet. Dabei bin ich ein Mensch wie jeder andere – jemand, der auch mal die Schlafzimmertür hinter sich schließt und sich ins Bett legt und auch mal weint. Bei „Queen of Drags“ lerne ich jeden Tag etwas Neues über mich. Und die elegante, unberührbare „Grande Dame“, die in mir schlummert, behält heute die Nerven, und beruhigt die Jüngeren, wenn es Zickenalarm gibt – statt wie früher aufbrausend zu werden. Das macht wohl die Lebenserfahrung: Ich bin sozusagen eine „Transesaurier Rex“.

Schlussfrage: Was ist deine Message?

 Wir Dragqueens sind auch Menschen. Steckt uns nicht in eine Schublade. Wir haben alle Gefühle, und wir möchten alle respektiert werden. Wir sind Schauspieler, Maler und Performer in einer Person. Und, gaaaanz wichtig: Behandle eine Dragqueen nie wie deinen besten Kumpel. Wir sind aufwendig geschminkt, und tragen komplizierte Perücken. Wenn man uns anfasst, kann man unsere Drag zerstören. Oberste Drag-Regel: Don’t touch – berühre uns nicht. Man geht ja auch nicht ins Museum und fasst einen Picasso an.

 

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