Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Der "Tatort" und das Science-Fiction-Dilemma

09.09.2019 - Ein weiteres Mal setzt sich der "Tatort" mit künstlicher Intelligenz auseinander. Ein weiteres Mal wünscht man sich, er möge es bleiben lassen. "Maleficius" ist ein vor überzogenen Charakteren wimmelndes wirres Unglück.

  • Kommissarin Stern (Lisa Bitter) dringt mit den Autotuner-Proleten in die Klinik ein, um Odenthal zu retten. © SWR / Sabine

    Kommissarin Stern (Lisa Bitter) dringt mit den Autotuner-Proleten in die Klinik ein, um Odenthal zu retten. © SWR / Sabine Hackenberg

  • Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts) konfrontiert Professor Bordauer (Sebastian Bezzel) in seiner Klinik. © SWR / Sabine

    Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts) konfrontiert Professor Bordauer (Sebastian Bezzel) in seiner Klinik. © SWR / Sabine Hackenberg

Die Anfangsszene des neuen Ludwigshafener "Tatorts" namens "Maleficius" ist schon die stärkste im Film: In einer klinisch weißen Kammer fahren Roboterarme von der Decke, um eine Gehirnoperation vorzunehmen, darüber genuschelt das "Vaterunser". Die Götter in Weiß überschreiten hier mal wieder ihre Kompetenz. Doch erst einmal wird der Zuschauer mit verwirrend unzusammenhängenden Szenen konfrontiert. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) finden sich am Rheinufer ein. Dort steht ein verlassener Rollstuhl im Wasser, dabei ein Portemonnaie des Besitzers Lukas Pirchner, ein junger Mann. Doch von diesem fehlt jede Spur. Wurde er ermordet, war es Selbstmord oder lebt er vielleicht noch?

Dann eine ganz andere Szene: Eine Frau unterhält sich mit dem Pfarrer, der zuvor sein Gebet aufsagen durfte. Sie besucht einen älteren Mann im Pflegeheim, der offensichtlich Angst vor ihm hat und entschuldigt sich bei ihm.

Und dann haben wir auch noch ein paar Muskelprotze beim illegalen Autorennen. Wie das alles zusammenhängt, erfahren wir erst nach und nach. Der Vermisste war mal in der Gang der Autorennen-Veranstalter, hatte dann aber einen Unfall und saß fortan querschnittsgelähmt im Rollstuhl. Er erhoffte sich Hilfe von Professor Bordauer (Sebastian Bezzel), der, so erfährt Odenthal,  mal fast den Nobelpreis bekommen hätte. Warum die Kommissarinnen statt sich zunächst der Familie und Freunden des Vermissten zuzuwenden, diesen Arzt und die alte Autoclique vernehmen, die das vermeintliche Opfer länger nicht gesehen haben, bleibt unklar. Odenthal ist jedenfalls fasziniert vom Professor, der ganz anders auftritt, als man sich einen Professor so vorgestellt hat, mit T-Shirt und Armbändseln, in seiner luxuriösen weißen Klinik. Bordauer möchte Mensch und Maschine verbinden, mit Platinen im Kopf Lähmungen und Depressionen heilen. Dass er dabei etwas zu verbergen hat, ist offensichtlich. Odenthal darf mit ihm ein paar platte Sätze über Transhumanismus austauschen. Bald, ist sich Bordauer sicher, würde der Mensch über sich hinauswachsen. Mensch und Maschine eins werden. Dann würde es gar keine Verbrecher mehr geben, die Odenthal jagen müsste.

Darin liegt dann auch schon die Crux an der Science-Fiction-Orientierung des "Tatorts". Bisher schaffte es keiner der Versuche, das Thema künstliche Intelligenz wirklich interessant und spannend umzusetzen. Das liegt auch daran, dass das Science-Fiction-Filmen und -Büchern schon vor 40 Jahren weitaus besser gelungen ist. Zum Thema noch etwas Neues zu sagen, ist nicht einfach. Da schaut man sich dann doch lieber nochmal die entsprechenden "Black Mirror"-Folgen an. Persönliche Dramen mit warnenden Zukunftsvisionen zu verbinden, die schon bald Realität werden könnten, das bekommt der "Tatort" einfach nicht hin. Zumal die Exoskelette in der Realität schon wesentlich besser aussehen, als in diesem Film.

Bei "Maleficius" fragt man sich auch öfter, ob die Komik nun beabsichtigt oder ungewollt ist. Wenn die muskulösen Autotuner in die Luxusklinik einbrechen, auf Befehl von Stern - ist das eine gute komische Szene. Wenn der Staatsanwalt (unverständlicherweise) die Durchsuchung eines zweifach Mordverdächtigen verweigert, organisiert sich die Kommissarin eben selbst einen Schlägertrupp. Der "Tatort" hätte profitiert, wäre dieser Ton durchgehend gehalten worden. Doch feinen schwarzen Humor wie bei "Falscher Hase" von letzter Woche, sucht man hier vergebens. Auch Spannung kommt trotz der vielen Themen und Figuren kaum auf, da hilft auch die aufdringlich eingesetzte Musik nicht.

Ulrike Folkerts hat mit ihrer Lena Odenthal bald 70 Folgen auf dem Buckel. "Maleficius" gehört zu denjenigen, an die man sich nicht gerne erinnern wird. Man wünscht ihr mal wieder einen ganz soliden guten Mordfall ohne dabei große gesellschaftliche Fragen unglücklich umzusetzen.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren