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Franken-"Tatort": Recht und Rache

25.02.2019 - Der "Tatort: Ein Tag wie jeder andere" ist endlich wieder ein bodenständiger geglückter Krimi. Ein Anwalt als Serienmörder ohne Motiv stellt die Kommissare Voss und Ringelhahn vor ein Rätsel.

  •  © BR / Hendrik Heiden/Claussen +

    © BR / Hendrik Heiden/Claussen + Putz

Nach dem Murmeltier-Experiment von letzter Woche kommen nun die Liebhaber von handfesten Krimis wieder voll auf ihre Kosten. Bayreuth wird ausgerechnet zur Festspielzeit von einer unerklärlichen Mordserie erschüttert. Ein Anwalt erschießt während eines Prozesses einen Richter. Das Motiv ist völlig unklar. Der Anwalt, Thomas Peters (Thorsten Merten), ist sichtlich nervös und agiert wie ferngesteuert. Zu jeder vollen Stunde erschießt er jemanden. Erst den Richter, dann eine Biochemikerin, dann kann er während einer Oper gerade noch von Kommissarin Ringelhahn (Dagmar Menzel) aufgehalten werden, indem sie ihn erschießt.

Dass Peters nicht aus eigenem Antrieb, sondern gezwungenermaßen handelt, ist recht offensichtlich. Womit könnte man bisher völlig unbescholtenen Anwalt erpressen? Indem man seine Familie bedroht zum Beispiel. Dass die Kommissare auf diese Idee lange nicht kommen, ist der einzige große Makel an diesem spannend inszenierten Krimi. Während die Kommissare versuchen weitere mögliche Mordopfer zu schützen, erkennen sie endlich den Zusammenhang zwischen dem Anwalt und den Opfern. Alle Opfer und Peters als Anwalt, waren an einem Prozess beteiligt, bei dem ein Konzernchef angeklagt war, der vergiftete Milch in Umlauf gebracht hatte.

Doch warum der Anwalt und Zeugen des Prozesses, bei dem der Konzernchef wegen eines eigenwilligen Paragrafen und Anwalt Peters guter Beratung frei gesprochen wurde, nun sterben müssen, bleibt lange unklar.

Zwischen der Ermittlungsarbeit und Peters Morden werden Szenen eingeblendet, die ein Paar zeigen, das überglücklich über die lang ersehnte Schwangerschaft ist. Der Zusammenhang offenbart sich erst nach und nach. Durch die vergiftete Milch verlor das Paar Kessler das Baby, es zeigte Konzernchef Koch an. Nun hat der inzwischen im Rollstuhl sitzende und halb erblindete Martin Kessler nur noch Rache im Sinn. Nach dem missglückten Attentat auf Koch stellt er sich selbst. Doch nun offenbart sich auch, was man schon lange vermutet hat. Er hat die Tochter von Anwalt Peters entführt und ihn damit erpresst. Nun erpresst er die Polizei. Um das Mädchen freizulassen, will er nur eine Viertelstunde mit Koch reden. Kommissarin Ringelhahn will sich darauf einlassen, da sieht Voss jedoch Rot. Hier gehe es nicht um Gefühle, ereifert er sich. Dass Voss nun nicht gerade ein sympathischer Typ ist, und es Ringelhahn auf sein Leben nicht so ankommt, lässt er erst recht nicht gelten. "Sollen wir jetzt alle nach Frankfurt rüberfahren zum nächsten Hedgefond und alle wegballern, präventiv?", ruft er. Auch riesige Arschlöcher haben nun mal Rechte. "Wenn wir uns nicht an die Regeln halten, wer denn dann?", fragt Voss. Es ist einer der besten Momente des Films wie Voss so emotional an den Rechtsstaat appelliert. Diese Regeln möchte man gerne mal einigen anderen "Tatort"-Kommissaren vorhalten. Dass sie am Ende dann doch gebrochen werden, war zu erwarten. Am Showdown zwischen Kessler und Koch führt nichts vorbei. Wie es ihm trotz Zwangsjacke gelingt, Koch doch noch umzubringen, ist ein überraschender Twist.

"Ein Tag wie jeder andere" besticht mit seiner nüchternen Erzählweise, überzeugenden Darsteller und bleibt spannend bis zum Schluss. Das ist auch Erol Yesilkayas gelungenem Drehbuch zu verdanken. Erol Yesilkaya durfte schon zehn "Tatorte" schreiben, viele davon gelungen ( z.B. "Meta"). Auch Sebastian Markas Regie und seine Fokussierung auf die Figuren und eine kühle Bildsprache machen diesen "Tatort" zu einem hervorragenden Krimi.

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