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Im "Polizeiruf" Rostock ist das Kindeswohl zweitrangig

08.04.2019 - Vom Rostocker "Polizeiruf" sind die Zuschauer einiges gewohnt. Diesmal ist Ermittler Bukow (Charly Hübner) persönlich involviert, denn sein Sohn hat sich mit einem mordenden Heimkind angefreundet.

  • Verhärtete Fronten zwischen Kommissar Bukow (Charly Hübner) und seinem Sohn Samuel (Jack Owen Berglund). © NDR / Christine

    Verhärtete Fronten zwischen Kommissar Bukow (Charly Hübner) und seinem Sohn Samuel (Jack Owen Berglund). © NDR / Christine Schroeder

  • Die Kollegen König und Bukow haben sich nicht mehr viel zu sagen. © NDR / Christine

    Die Kollegen König und Bukow haben sich nicht mehr viel zu sagen. © NDR / Christine Schroeder

  • Samuel (Jack Owen Berglund) liest Keno (Junis Marlon) den Brief seines Bruders vor. © NDR / Christine

    Samuel (Jack Owen Berglund) liest Keno (Junis Marlon) den Brief seines Bruders vor. © NDR / Christine Schroeder

Es sind erschütternde Verhältnisse, mit denen der "Polizeiruf 110" aus Rostock die Zuschauer konfrontiert. Ein jugendliches Pflegekind will sich in Polen im Schuppen erhängen. Die Pflegeeltern rufen ihn zum Essen und ahnen nichts. Geschickter Übergang: Kommissar Bukows Vater ruft den Enkel zum Essen, der spielt aber lieber sein Videospiel mit seinem Kumpel weiter. Der erweist sich als wenig respektvoll und bald erfahren wir, dass er in einer betreuten Wohngruppe lebt. Keno gilt dort als Problemkind. Weder die Strenge des Betreuers Stig noch die naive Fürsorglichkeit der Betreuerin bringen ihn dazu, sich an die Regeln zu halten.

Dabei will Keno eigentlich nur eins, zu seinem Bruder, der eben jener suizidale Junge in Polen ist. Doch auf dem Weg schießt Keno den Betreuer nieder. Bukows Sohn ist Zeuge und nun mit Keno auf der Flucht. Dass sich Samuel nicht an seinen Vater wendet, ist kein Wunder. Der hat ihn kurz vorher wegen Randalierens selbst angezeigt und ihm dann auch noch eine Ohrfeige gegeben. Was Samuel allerdings an Keno findet, bleibt der Fantasie der Zuschauer überlassen. Wie echte Freunde wirken die beiden Jungen nicht.

Zu Bukows Verhalten fällt auch Kollegin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) nichts mehr ein. Schon in den letzten Fällen, bei denen sie Beweismaterial fälschten und nochmal glimpflich davonkamen, krachte es gewaltig. Auch als sie der Chef zur Aufpasserin von Bukow machen will, weigert sie sich. "Wenn Sie ihn nicht vor sich selbst schützen, macht es keiner", erklärt der Chef. "Wir sind doch eine Familie." Doch das ist König inzwischen herzlich egal. Familie bedeutet in diesem Film ohnehin nichts. Das "Kindeswohl" ist hier bei allen Kindern bzw. Jugendlichen gefährdet. Der Staat und das Jugendamt versagen auf ganzer Linie.

Am Ende stellt sich heraus: Die Frau des Ermordeten, der auch das Heim gehört, hat Kinder nach Polen verfrachtet, um sich zu bereichern. Kenos Bruder spricht nicht mal polnisch und soll arbeiten. Kein Wunder, dass er schwer depressiv ist. Am Ende darf Bukow dann wenigstens seinem Sohn die Wärmedecke umlegen. Das ändert aber auch nichts daran, dass Bukows Rolle sich langsam abnutzt. Immer nur draufhauen, pöbeln und sich an keine Regeln halten, nervt auf die Dauer. Die Kollegin ist auch nur noch dazu da, mit ihren Tinder-Dates zu unterhalten und Bukow zurechtzuweisen. Wirklich Spannung kommt bei der Suche nach den Jugendlichen leider auch nicht auf, ist das Ende für den Zuschauer doch längst absehbar.

Wenn dieser Film eines ist, dann ist es trostlos. Die Winterlandschaft, das karge Haus in Polen, wo die Menschen ärmlich leben und nur am Geld einsacken interessiert sind. Weniger Klischee ging wohl nicht. Genauso trostlos ist es allerdings für Keno im Kinderheim und für Samuel bei seinem Vater. Am Ende sind alle Verlierer. Keno bekommt dann allerdings trotz seines Mordes noch gute Wünsche von König mit auf dem Weg.

Dass Deutschland beinahe tausend Pflegekinder im Ausland unterbringt, erfährt man im Abspann noch. Um auf diesen Missstand hinzuweisen, hätte sich der Film aber noch mehr mit den Hintergründen auseinandersetzen müssen.

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