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Umstrittener RAF-"Tatort" aus Stuttgart

16.10.2017 - Die Stuttgarter "Tatort"-Kommissare Lannert und Bootz ermitteln in einem Mordfall, der sich als Zeitreise zur die Todesnacht von Stammheim entpuppt. Ein Geschichtsthriller, der Fragen aufwirft.

  • Wilhelm Jordan (Hannes Jaenicke) ist überzeugt davon, dass niemand ihm etwas anhaben kann. © SWR / Sabine

    Wilhelm Jordan (Hannes Jaenicke) ist überzeugt davon, dass niemand ihm etwas anhaben kann. © SWR / Sabine Hackenberg

Marianne Heider wird tot in ihrer Badewanne aufgefunden. Ein Unfall, meinen die Stuttgarter Ermittler Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare). Damit gilt der Fall als abgeschlossen und soll zu den Akten gelegt werden. Doch Mariannes Ex-Mann Christoph (Oliver Reinhard) glaubt nicht an diese Theorie. Er geht sogar so weit, ihren Leichnam zu entführen, um ihn im Ausland obduzieren zu lassen.

Er hat auch schon einen Verdächtigen im Auge: Wilhelm Jordan (Hannes Jaenicke), Mariannes Lebensgefährte. Heider klingt glaubwürdig; Lannert und Bootz nehmen Jordans in Visier.

Dabei kommt heraus, dass Jordan in den 70ern als V-Mann für den Verfassungsschutz gegen die RAF arbeitete. Ein Fall, von hochpolitischer Brisanz: Ist das der Grund, warum die Kommissare in ihren Ermittlungen nicht weiterkommen, da sie immer wieder auf Widerstand aus Polizeibehörde und Staatsanwaltschaft stoßen?

Die Grenzen zwischen Film und Realität verschwimmen

Je tiefer sie in den Fall und die Vergangenheit eintauchen, desto mehr Fragen tun sich auf. Ist Wilhelm Jordan tatsächlich Wilhelm Jordan? Der Verdächtige sieht einem ehemaligen RAF-Mitglied verblüffend ähnlich. Dieses Mitglied soll später mit dem Verfassungsschutz kooperiert haben und über die Frage Aussagen gemacht haben, wie die Waffen in den Stammheimer Hochsicherheitstrakt kamen, aus denen die tödlichen Schüsse auf die RAF-Terroristen Baader und Raspe stammten.

Obwohl Jordan immer wieder straffällig war, wurde er nie bestraft oder angeklagt. Staatsanwältin Emilia Álvarez (Carolina Vera), Lannert und Bootz wundern sich:  Würde der Zeugenschutz sogar einen Mord umfassen?!

"Der rote Schatten" ist wahrlich keine leichte Krimi-Kost, sondern ein waschechter Geschichtsthriller, der einige Fragen aufwirft. Was geschah wirklich in der Todesnacht von Stammheim im Oktober 1977? Stimmen die offiziellen Angaben?  Haben sich die Mitglieder der "Roten Armee Fraktion" im Gefängnis das Leben genommen - oder war es Mord? Journalist und RAF-Experte Stefan Aus hat sich gegenüber der "BILD" äußerst kritisch über den "Tatort"-Fall geäußert: "Es gibt keine ernstzunehmenden Zweifel daran, dass es Selbstmord war." In "Der rote Schatten" wurde der Mord an den Gefangenen der RAF durch eine geheime Truppe inszeniert. "Das wird bei den Zuschauern hängen bleiben", kritisierte Aust. "Ich halte das für sehr problematisch. Das ist RAF-Propaganda."

Tolle Darsteller, holprige Inszenierung

Abgesehen von der umstrittenen Vermischung von Fakten und Fiktion, kann der "Tatort" mit erstklassigen Darstellern und authentischen Charakteren auftrumpfen. Die Hilflosigkeit der Kommissare gegenüber einem unaufrichtigen Staat wühlt auf. Bei der Inszenierung hapert es jedoch: Der Krimi will zuviel, erschlägt die Zuschauer förmlich mit Stilmitteln, wie verwirrenden Zeitsprüngen und szenenübergreifenden Dialogen.

"Der rote Schatten" ist ein ambitioniertes Filmprojekt, das einige Schwächen aufweist, aber mit einer cleveren Story punkten kann. Was sagt ihr zum Stuttgarter "Tatort"?

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