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Bulli unter Strom

22.02.2019 - Ein gutes Jahr vor dem Erscheinen des rundum neuen VW T 7 spendiert VW seinem Bestseller T 6 eine Auffrischung. Das Update für Multivan, Transporter und Co. ist mehr als ein Facelift. Der seit 70 Jahren gebaute Großraum-Van bekommt neben sauberen Dieselmotoren erstmals einen reinen Elektroantrieb.

  • 12 Millionen Mal rollte der VW Bulli in sieben Jahrzehnten vom Band ©

    12 Millionen Mal rollte der VW Bulli in sieben Jahrzehnten vom Band © VW

  • Auch die Designer beteiligten sich an der Fitness-Kur für den VW Bus ©

    Auch die Designer beteiligten sich an der Fitness-Kur für den VW Bus © VW

  • Das 10,25 Zoll breite digitale Cockpit aus den PKW-Modellen informiert nun auch im großen, nach wie vor eckigen VW. Daneben ein bis zu acht Zoll großer Monitor für Navigation und Unterhaltung ©

    Das 10,25 Zoll breite digitale Cockpit aus den PKW-Modellen informiert nun auch im großen, nach wie vor eckigen VW. Daneben ein bis zu acht Zoll großer Monitor für Navigation und Unterhaltung © VW

  • Serienmäßig fürs Nutzfahrzeug sind jetzt u.a. E-Fenster, Zentralverriegelung, verstellbare Seitenspiegel oder ein Radiosystem mit Bluetooth-Freisprechanlage ©

    Serienmäßig fürs Nutzfahrzeug sind jetzt u.a. E-Fenster, Zentralverriegelung, verstellbare Seitenspiegel oder ein Radiosystem mit Bluetooth-Freisprechanlage © VW

12 Millionen Mal rollte der VW Bulli in sieben Jahrzehnten vom Band. Und jetzt funkt´s richtig im Wolfsburger Praktiker. Volkswagen nutzt das anstehende Facelift, um das Auto mit den vielen Namen (u.a. Multivan, California, Caravelle, Bus, Transporter) künftig auch elektrisch auf die Reise zu schicken. Freizeitsportler, Großfamilien oder Handwerker können neben dem jetzt blitzsauberen Diesel in vier Leistungsstufen auch zwei Versionen mit E-Antrieb wählen. Die stärkere davon stromert pro Batterieladung mehr als 400 Kilometer weit.

Durchaus eine Überraschung also, die VW da in der heimischen „Autostadt“ in Wolfsburg präsentierte. Denn der jetzt T 6.1 genannte Neuling kommt nur ein Jahr vor dem völlig neuen VW-Bus mit folgerichtiger Bezeichnung T 7. Der teilt sich dann mit vielen VW-Modellen eine gemeinsame Plattform, wird zunächst rein elektrisch angetrieben und zudem ein Kind der neuen Ehe zwischen dem deutschen Riesenkonzern und Ford sein. Und dann wird ja 2020 auch noch der kleinere ID Buzz als Familien-Van ins wahre Leben entlassen. Mit gleich drei E-Mobilen will VW dann den Transporter- und Van-Markt rocken.

Dass dem derzeitigen Modell nun auch ein elektrisches Innenleben eingehaucht wurde, ist durchaus sinnvoll. Sowohl der kommende T 7 als auch der knuddelige ID Buzz sind nur bedingt für die ganz harte Praxis als nutzbringender Transporter für Handwerk oder Lieferdienste geeignet. Deshalb soll der T 6 noch lange weiterleben. „Der neue T 6.1 ist das Auto für das Hier und Jetzt“, sagt Nutzfahrzeug-Chef Thomas Sedran. „Wir haben ein bewährtes Fahrzeug genommen und neben den neuen Antrieben auch die Assistenz- und Infotainmentsysteme auf den aktuellen Stand der Technik gebracht.“

Denn nicht nur unter der kurzen Motorhaube haben die Ingenieure aus Hannover Hand angelegt. Da der neue VW-Bus jetzt mit einer elektrohydraulischen Lenkung die Richtung hält, können endlich auch elektronische Helfer wie Spurhalte- und Seitenwindassistent, halbautomatisches Ein- und Ausparken oder das selbsttätige Rückwärts-Rangieren mit einem Hänger in der Ausstattungsliste Einzug halten. Das war mit der bisherigen rein hydraulischen Lenkung nicht möglich.

Auch die Designer beteiligten sich an der Fitness-Kur für den VW Bus. Die Frontpartie trägt nun einen nach unten erweiterten Lufteinlass, der die bisherige Zierlichkeit deutlich in die Breite zieht. Ein Effekt, den die schmaleren Scheinwerferaugen (auf Wunsch mit LED-Technik) noch verstärken. Dazu ist die Motorhaube leicht nach oben gewölbt und mit zwei Falzen versehen. Wer den T 6.1 als Neuheit wahrnehmen will, muss ihm also nur in die Augen sehen. Neue Modernität auch im Innenraum. Das 10,25 Zoll breite digitale Cockpit aus den PKW-Modellen informiert nun auch im großen, nach wie vor eckigen VW. Daneben ein bis zu acht Zoll großer Monitor für Navigation und Unterhaltung. Wie beim auf dem Genfer Salon erstmal gezeigten neuen Passat hört das Auto jetzt auf das Kommando „Hey Bulli“ und beantwortet Fragen, folgt Anweisungen und erledigt Navigationsaufgaben. Eine Art rollendes Alexa also.

Kleine Verbesserungen für den Einsatz als Nutzfahrzeug sind eine 230-Volt-Steckdose, ein abschließbares Fach in der Doppelsitzbank auf der Beifahrerseite oder die Möglichkeit, Ladegut bis unter die vordere Sitzbank zu schieben. Damit steigt die Länge des Laderaums um 35 Zentimeter auf 2,80 Meter. Serienmäßig fürs Nutzfahrzeug sind jetzt u.a. E-Fenster, Zentralverriegelung, verstellbare Seitenspiegel oder ein Radiosystem mit Bluetooth-Freisprechanlage. Das alles musste beim Transporter bis jetzt extra bezahlt werden.

Bleibt der Blick unter die Motorhaube. Der bekannte Zweiliter-Diesel kann nun im vier Leistungsstufen bestellt werden, deren Spanne von 66 kW/90 PS bis hin zum Bi-Turbo mit 146 kW/199 PS reicht. Alle Triebwerke sind nach Euro 6d-temp geprüft und können damit ohne böse Blicke von Umwelthilfe oder Polizei in künftige Sperrzonen einfahren. Für einzelne Versionen gibt es auch Allradantrieb oder die Doppelkupplungsautomatik.

Und dann sind da ja noch die beiden Stromer, die etwas später als ihre Kollegen der klassischen Art auf die Straße kommen. Der Motor des E-Mobil leistet 82 kW/112 PS und vertraut auf eine Durchzugskraft 200 Newtonmetern. Mit einer 38,8-kWh-Batterie kommt er mehr als 200 Kilometer weit, sagt VW. Die stärkere Batterie (77,6 kWh) soll das Doppelte schaffen. Deren Ladezeiten liegen je nach Potenz der Säule zwischen 1,40 und über zehn Stunden. Entwickelt wurde er zusammen mit der als Audi-Tuner und Sportwagen-Spezialist bekannten Firma ABT.

Über Preise und Fahrdaten äußert sich Volkswagen noch nicht. Auf den Markt kommt der T 6.1 im September.

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