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Ernüchterung bei Frankreich nach 1:1 gegen USA

10.06.2018 - Eine verpatzte Generalprobe als Stimmungskiller: Nach dem müden 1:1 gegen die USA sind die Hoffnungen in Frankreich auf den zweiten WM-Titel nach 1998 erst einmal gedämpft. Es fehlt der Chef auf dem Platz, zumal auch Kapitän Lloris nicht fehlerlos ist.

  • Frankreichs Olivier Giroud (l) behauptet sich am Ball gegen USA-Spieler Cameron Carter-Vickers. Foto: Laurent Cipriani/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Frankreichs Olivier Giroud (l) behauptet sich am Ball gegen USA-Spieler Cameron Carter-Vickers. Foto: Laurent Cipriani/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zur Einstimmung auf den großen Traum kam sogar Weltmeister-Coach Aimé Jacquet vorbei, doch die WM-Euphorie war bei der so hoch gehandelten Equipe tricolore schnell wieder verflogen.

Mit einigen Sorgen im Gepäck reiste Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps mit seinem Team nach Russland zur Fußball-WM. «Ich hätte lieber 5:0 gewonnen. Es hat mir nicht gefallen, dass wir Schwierigkeiten hatten», sagte der Kapitän der Weltmeister-Mannschaft von 1998 nach dem ernüchternden 1:1 (0:1) gegen die nicht für die Endrunde qualifizierte Mannschaft der USA in Lyon.

Eine uninspirierte Offensive und eine wacklige Abwehr, dazu patzte auch noch Kapitän und Torhüter Hugo Lloris beim Gegentreffer. Die Generalprobe ging gehörig daneben, dabei hatte Frankreich nach dem stimmungsvollen 3:1 gegen Italien gerade erst wieder begonnen, vom zweiten WM-Titel zu träumen. «Uns bleibt noch eine Woche, um die Perfektion zu erreichen. Wir haben trotzdem eine gute Vorbereitung absolviert. Ich bin sehr zuversichtlich», behauptete Superstar Antoine Griezmann.

Der Europa-League-Sieger betonte wie auch Trainer Deschamps, dass die Frische gefehlt habe. An der Explosivität und der Schnelligkeit soll nun in den nächsten Tagen im idyllischen WM-Quartier in Istra vor den Toren Moskaus gearbeitet werden, bevor der Mitfavorit am nächsten Samstag gegen Australien ins Turnier startet. Die Ziele sind groß beim EM-Zweiten, das hatte Staatschef Emanuel Macron unter der Woche bei seinem Besuch den hochveranlagten Spielern noch einmal verdeutlicht: «Ein Wettkampf ist dann gelungen, wenn er gewonnen wird.»

Bis dahin ist es noch weit. Die gut zweiwöchige Vorbereitung weckte nicht nur Hoffnungen, sie brachte auch viele Diskussionen um die Chefrolle im Team. 104-Millionen-Mann Paul Pogba beanspruchte diesen Part verbal für sich, auf dem Platz blieb er aber vieles schuldig und wurde gegen Italien sogar von den eigenen Fans ausgepfiffen. Gegen die USA gehörte er immerhin zu den Besten. «Wir brauchen Paul in Topform», sagte Deschamps wohlwissend, dass es im Team an Führungspersönlichkeiten mangelt.

Einer der wenigen Wortführer ist Torhüter Lloris, doch ausgerechnet im letzten Test patzte er beim Gegentreffer von Julian Green (44.). Es war nicht der erste Fehler des 98-maligen Nationalspielers. «Ich fange jetzt nicht an, Hugo in Frage zu stellen. Er hat für Tottenham und Frankreich schon viele Spiele gewonnen», sagte Deschamps und verwies auf die Fehler in der Abwehr, die das Gegentor erst ermöglichten. Vor allem auf der Außenbahn sind Djibril Sidibe und der lange verletzte Benjamin Mendy noch nicht in WM-Form. Als Joker könnte davon der Stuttgarter Benjamin Pavard profitieren.

Das Prunkstück bei den Franzosen bleibt die Offensive. Jungstar Kylian Mbappé bewahrte Frankreich mit seinem späten Treffer (78.) wenigstens vor einer Niederlage. Der Stürmer von Paris Saint-Germain dürfte neben Griezmann gesetzt sein. Im Rennen um den dritten Platz im Angriff scheint der Ex-Dortmunder Ousmane Dembélé gegenüber Olivier Giroud die Nase vorn zu haben.

Australien, Peru und Dänemark heißen die Gegner in der Vorrunde, dann könnte es im Achtelfinale schon zum Knaller gegen Argentinien kommen. Deschamps will über ein frühes Aus keine Gedanken verschwenden, das Quartier in Istra inmitten von Wäldern und viel Natur ist bis zum Finale am 15. Juli gebucht. Geht es deutlich früher nach Hause, wird auch über Deschamps wieder diskutiert werden. Schließlich ist Zinédine Zidane nach seinem Abschied bei Real Madrid auf dem Markt.

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