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Pfiffe gegen Özil und Gündogan - «Nicht auf ewig verdammen»

03.06.2018 - Der DFB wollte die Debatte um das heikle Treffen von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Erdogan aus der WM-Vorbereitung heraushalten. Doch das Thema schwelt weiter. Thomas Müller berichtet von Fragen an das Duo im Trainingslager in Eppan.

  • Bekommen von Oliver Bierhoff den Rücken gestärkt: Mesut Özil (l) und Ilkay Gündogan. Foto: Christian Charisius © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Bekommen von Oliver Bierhoff den Rücken gestärkt: Mesut Özil (l) und Ilkay Gündogan. Foto: Christian Charisius © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Diskussion um Mesut Özil und Ilkay Gündogan und ihren umstrittenen Auftritt mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist auch zwei Wochen vor dem WM-Auftakt der Fußball-Nationalmannschaft nicht beendet.

Beim Testspiel in Österreich gab es aus dem deutschen Fanblock vereinzelt Pfiffe gegen die DFB-Profis. «Wir sind ja nicht taub. Das bekommt man mit», sagte Teamkollege Sami Khedira nach dem 1:2 in Klagenfurt. Weiter wollte sich der Juve-Profi nicht äußern. «Zu der Sache bin ich jetzt einfach still und sage erstmal gar nichts mehr.»

Schon vor dem Testspiel hatte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung» vor weiterer Kritik an Özil und Gündogan wegen der umstrittenen Erdogan-Fotos gewarnt. «Mesut und Ilkay sind junge Menschen. Man muss sie nicht auf ewig verdammen», sagte er. «Es passiert auch hoch qualifizierten und erfahrenen Politikern, dass sie ins Fettnäpfchen treten, dass sie Fehler machen oder falsche Symbole aussenden - und danach geht's weiter. Für Fußballer sollten keine anderen Maßstäbe gelten.»

Bayern-Profi Thomas Müller betonte ebenfalls vor dem Österreich-Spiel die sportliche Bedeutung des Duos für die DFB-Auswahl. «Die Entscheidung der Sportlichen Leitung steht. Und wir stehen absolut hinter den beiden, sie sind ein wichtiger Teil unseres Teams. Für uns ist das Thema nun abgehakt», sagte Müller in der «Welt am Sonntag».

Die Politik spielte im Trainingslager in Südtirol mit dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel auch nach dem Österreich-Spiel am Sonntag noch eine Rolle. Über den Erdogan-Auftritt von Özil und Gündogan war in den Tagen zuvor laut Müller schon debattiert worden. «Die beiden haben im Kreise der Mannschaft Stellung genommen und unsere Fragen beantwortet. Ich kann ja nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die das Treffen nicht gut fanden», veriet der Bayern-Profi.

Auf einem Trikot, das Gündogan bei dem Treffen Mitte Mai in London an Erdogan überreicht hatte, stand handschriftlich über der Signatur auf Türkisch: «Für meinen verehrten Präsidenten - hochachtungsvoll». Nach heftiger öffentlicher Kritik hatten sich Özil und Gündogan in Berlin mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier getroffen und zuvor ein klärendes Gespräch mit der DFB-Spitze geführt.

«Mir war schnell klar, dass sie kein bewusstes politisches Signal senden wollten», sagte Bierhoff. Er habe aber auch beiden Spielern und ihren Beratern gesagt, «dass sie sich dieser Wirkung dieses Bildes unbedingt hätten bewusst sein müssen. Und dass sie auch mit den entsprechenden Reaktionen hätten rechnen müssen.»

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